Schweden: Kein Anstieg von Spielsucht während der Pandemie

Veröffentlicht am: 15. Oktober 2020, 03:46 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 15. Oktober 2020, 03:46 Uhr.

Spielsucht hat in Schweden während der ersten Monate der Corona-Krise nicht zugenommen. Zu diesen Erkenntnissen seien mehrere neue Studien gekommen, die kürzlich am Tag der Forschung des schwedischen Glücksspiel-Anbieters Svenska Spel vorgestellt worden seien. Wie Svenska Spel am Mittwoch berichtet hat, hätten diejenigen Spieler, die bereits vor der Krise Anzeichen auf problematisches Spielverhalten gezeigt hätten, hingegen mehr gespielt.

Spielkarten und Chips
Spielsucht hat in Schweden während der Corona-Krise nicht zugenommen. (pixabay.com, xeno_mas)

Die Forschungsergebnisse der zwei Studien der Forscher Dr. Philip Lindner vom Karolinska-Institut und Prof. Anders Håkansson von der Lund-Universität seien am Montag während eines 90-minütigen Webinars [Dokument auf Schwedisch] präsentiert worden.

Lindner habe in seiner Untersuchung im Laufe des Frühjahrs einen Rückgang des Glücksspiels feststellen können. Auch problematisches Spielverhalten habe während dieser Zeit nicht zugenommen. Weiterhin habe er einen Wechsel von Wettkunden zu Online-Casinospielen beobachtet. Dies sei auf den Wegfall zahlreicher Sportveranstaltungen während Corona-Krise zurückzuführen, so der Forscher.

Die Vorsitzende des Svenska Spel-Forschungsausschusses Sara Lindholm ordnete die Bedeutung der Erkenntnisse ein:

Es handelt sich um zwei eher kleine und begrenzte Studien, aus denen man möglicherweise keine wesentlichen Schlussfolgerungen ziehen kann, die jedoch Hinweise darauf geben, dass das Glücksspiel nicht zugenommen hat.

Spielsüchtige spielten mehr

Håkansson habe in seiner Studie ähnliche Erkenntnisse erlangt. So habe sich die Zahl derjenigen Spieler, die weniger gespielt hätten, erhöht. Diejenigen, die bereits problematisches Spielverhalten gezeigt hätten, hätten während des Untersuchungszeitraum hingegen mehr gespielt.

Während die Forscher Lindner und Håkansson im Rahmen ihrer Studien eine Abnahme der Glücksspiel-Beteiligung während der ersten Monate der Pandemie beobachtet haben, bestätigen Zahlen der schwedischen Glücksspielaufsicht Spelinspektionen eine leichte Zunahme der Umsätze lizenzierter Glücksspiel-Anbieter.

Diese seien im zweiten Quartal 2020 um 4,1 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dies sei zu großen Teilen auf die Zunahme des Online-Glücksspiels zurückzuführen. Die Umsätze der staatlichen Lotterien und der landbasierten Spielautomaten seien dagegen zurückgegangen.

Zahlen der schwedischen Steuerbehörde zufolge seien die Umsätze nach der Einführung von Einsatz-Limits für Online-Casinos im Juli jedoch um 30 % eingebrochen.

Håkansson sowie Anna Söderpalm Gordh, Mitarbeiter zweier Suchtkliniken des Landes, hätten die Erkenntnisse mit Blick auf die Entwicklungen im Klinikbetrieb während des Untersuchungszeitraums bestätigt.