Grand Slam of Darts 2018: Gerwyn Price besiegt Gary Anderson

Veröffentlicht am: 19. November 2018, 01:24 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. November 2018, 01:24 Uhr.

Beim Finale des Grand Slam of Darts 2018, das gestern Abend in Wolverhampton, Großbritannien, ausgetragen wurde, unterlag der zweimalige Weltmeister Gary Anderson (47) aus Schottland gegen den 33 Jahre alten Underdog Gerwyn Price aus Wales.

Dartscheibe, Pfeile
Grand Slam of Darts 2018: Price besiegt Anderson (Bild: wikipedia.org)

Der Waliser sicherte sich nach einem spektakulären Finale nicht nur ein Preisgeld in Höhe von 110.000 Pfund Sterling, sondern erhielt auch die Eric Bristow Trophy. Der Pokal erhielt seinen Namen zu Ehren der verstorbenen Darts Legende.

Sieg durch Trash-Talk und Rempler?

Es war ein Finale voller Emotionen. Eigentlich gingen Insider davon aus, dass die Begegnung gegen Price für den erfahrenen zweifachen Weltmeister Gary Anderson nurmehr eine Formsache sei.

Allerdings unterlag der „Flying Dutchman“ dem Außenseiter mit 13:16. Während des Spiels ging es nicht immer professionell zu. Price provozierte den Schotten mit Remplern und demonstrativen Jubelschreien.

Gerwyn Price wurde im März 1985 in Markham, Wales, geboren und spielte bis 2014 in der Position des Hookers in der Welsh Premier Division, der höchsten Rugby Liga der walisischen Vereine für den Verein Cross Keys RFC. Anschließend wandte er sich dem Darts Sport zu.

Sein erster Erfolg gelang ihm bereits im Jahr 2014, als er sich für die UK Open qualifizierte. Auch schaffte er es, sich einen Startplatz für die PDC Meisterschaft 2014 zu sichern. Dort schied er allerdings bereits in der ersten Runde gegen Peter Wright aus Schottland aus.

Auf der Pro Tour 2015 erreichte er mehrere Halbfinale und erhielt einen Platz im World Matchplay 2015. Als Underdog schaffte er es bis ins Viertelfinale. Dort scheiterte er an Peter Wright.

Im Jahre 2017 zog er ins Finale der UK Open ein, unterlag aber erneut gegen Wright. Der Sieg beim Grand Slam of Darts 2018 ist sein bislang größter Erfolg.

Zu Beginn des Matches schien Anderson noch souverän zu spielen, doch je mehr Price ihn provozierte, indem er ihn anrempelte, ihm den Weg versperrte und demonstrativ in Jubelgeschrei ausbrach, sobald ihm ein Wurf gelang, desto düsterer wurde die Miene des Schotten.

Gerwyn Price und Gary Anderson
Siegte Price durch Trash-Talk und Rempler? (Bild: youtube.com)

Als das Publikum auf das Verhalten von Price mit Pfiffen reagierte, schien der Waliser förmlich aufzublühen und lief zu Höchstform auf, was ihn zum Sieg führte.

Sportliches Händeschütteln und Gratulationen gab es am Ende des Turniers nicht.

In einem Interview nach dem Turnier sagte Price:

„Ich habe das Finale quasi durchgeboxt. Ich war mir sicher, dass Anderson unter dem Druck zusammenbricht, und so ist es gekommen. Die Trophäe bedeutet mir eine Menge. Die kann mir keiner mehr nehmen. Und wenn ich der Erste sein muss, der so gewinnt, dann bin ich das eben.“

Auf den Kommentar, dass es doch ein sehr kontroverses Finale mit Remplern und Trash-Talk gewesen sei, antwortete der Waliser:

„Nun, ich werfe meine Darts und dann muss er warten, bis ich fertig bin. Er mag das nicht? Pech für ihn. Ich wusste, dass ich ihn schlagen kann. Er kommt mit Typen wie mir nicht zurecht.“

Angesprochen auf die Reaktionen des Publikums, das immer wieder Buh-Rufe und Pfiffe ertönen ließ, sagte Price, dass das ihn nicht kümmere. Wenn das Publikum gegen ihn sei, dann spiele er umso besser. Beim nächsten Mal sollten sie noch etwas lauter buhen.

„Früher habe ich noch Rugby gespielt, heute klaue ich den Darts Profis das Geld aus der Tasche. Glücklicher Tag für mich.“

Mit dem Sieg des Walisers Gerwyn Price ist die Sensation perfekt. Doch das diesjährige Turnier Grand Slam of Darts machte mit mehreren Sensationen, Überraschungen und Zwischenfällen von sich reden.

Auseinandersetzungen um üble Gerüche im Achtelfinale

Im wahrsten Sinne des Wortes gab es Stunk im Achtelfinale, als Anderson gegen den Niederländer Wesley Harms antrat. Der Niederländer soll sich darüber beschwert haben, Anderson habe sich durch Blähungen Vorteile verschafft, indem er seinen Gegner auf diese unappetitliche Art und Weise aus dem Konzept gebracht habe.

Harms sagte in einem Gespräch mit dem Fernsehsender RTL 7 [Seite auf Niederländisch]:

“Ich habe zwei Tage gebraucht, um den Gestank wieder aus der Nase zu bekommen. Jedes Mal, wenn ich an ihm vorbeigegangen bin, habe ich auch einen Geruch von verfaulten Eiern wahrgenommen. Daher dachte ich, dass er es war. Es war ein richtig übler Gestank. Aber danach spielte er besser und ich dachte, er musste wohl einige Magenwinde ablassen.”

Unterbuchner unterlag Anderson im Viertelfinale

Der 30 Jahre alte Michael Unterbuchner sorgte mit seinem Sieg gegen den Engländer James „The Machine“ Wade für eine Überraschung und zog ins Viertelfinale ein. Als erster Deutscher gelang es dem Münchner, das Viertelfinale zu erreichen, wo er gegen den Schotten Anderson antreten musste.

Dort stieß der Shootingstar jedoch schnell an seine Grenzen, gleich zu Beginn der Begegnung ging Anderson mit 2:0 in Führung. Anschließend konnte der „Flying Scotchman“ sechs Legs in Folge gewinnen. Diesen Vorsprung konnte Unterbuchner nicht mehr aufholen und musste sich geschlagen geben.

Michael „Mighty Mike“ van Gerwen erlitt Rückschlag

Michael van Gerwen
Rückschlag für van Gerwen (Bild: wikimedia.org)

Der Niederländer Michael van Gerwen wurde als einer der großen Favoriten behandelt. Dreimal in Folge konnte „Mighty Mike“ den Grand Slam of Darts gewinnen.

Doch nun musste er in diesem Jahr bereits die zweite Niederlage hinnehmen, denn im vergangenen Monat konnte er auch bei der WM in London keine Erfolge verbuchen.

Am vergangenen Samstag traten van Gerwen und Anderson gegeneinander an. Nachdem der Schotte im Viertelfinale den letzten deutschen Spieler, Michael Unterbuchner, nach Hause geschickt hatte, schlug er auch den Favoriten van Gerwen klar mit 16:12.

Wettquoten: Underdog Gerwyn Price sorgte für Überraschungen

Auch bei den Buchmachern war der spektakuläre Sieg des Walisers eine große Überraschung. Vor Beginn des Grand Slam of Darts wurde „The Iceman“ Price noch mit Wettquoten von 64.00 auf den Gesamtsieg gehandelt.

Als er gestern gegen Anderson antrat, lagen die Quoten für Price knapp unter 5.00. Wer auf den Underdog aus Wales seine Wette abgeschlossen hatte, konnte sich über eine recht gute Auszahlung freuen.

Das Beispiel des Grand Slam of Darts 2018 zeigte, dass es in der Welt des Sports immer wieder Überraschungen und Sensationen gibt.