Glücksspiel­anbieter bedenken britische Politiker mit Geld und VIP-Tickets

Veröffentlicht am: 17. November 2021, 12:50 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. November 2021, 01:24 Uhr.

In Großbritannien schlägt der Skandal um Zuwendungen der Glücksspielanbieter für Parlamentsabgeordnete weiterhin hohe Wellen. Zusätzlich befeuert werden dürfte dieser durch einen neuen Bericht des Guardian. Diesem zufolge betrug die Höhe der Unterstützung für Politiker in Form von Geld und Sachspenden allein im vergangenen Jahr 225.000 GBP (265.000 Euro).

Pferderennen Ascot
Freikarten für Pferderennen und Fußball waren besonders beliebt. (Bild: Flickr/Richard, CC BY 2.0)

Zu den Auslösern zählten diverse PR-Artikel, die von Politikern im Auftrag des britischen Glücksspielverbandes Betting and Gaming Council (BGC) geschrieben worden waren. Dafür und für Lobby-Tätigkeiten sollen bis zu fünfstellige Summen geflossen sein.

Karten für Fußball und Pferderennen

Neben den lukrativen Überweisungen hätten sich Glücksspielanbieter wie Entain vor allem mit VIP- und Freikarten für begehrte Sportveranstaltungen erkenntlich gezeigt. Dabei seien es insbesondere Fußball und Pferderennen gewesen, die bei den Politikern hoch im Kurs gestanden hätten.

Dem Guardian zufolge sind Politiker der beiden größten britischen Partien in den Genuss der Gelder und Tickets für Sport-Events gekommen. Demnach seien seit August letzten Jahres 19 Tory-Abgeordnete sowie neun Parlamentarier der Labour-Partei mit Zuwendungen bedacht worden.

So habe der Tory-Abgeordnete Scott Beton im Parlament eine Rede gegen zu strenge Glücksspielgesetze gehalten. Dabei habe er sich für laxere Regeln ausgesprochen und dafür plädiert, Casinos die Installation zusätzlicher Spielautomaten zu genehmigen.

Nur wenige Stunden später habe er auf Einladung Entains das EM-Halbfinale zwischen England und Dänemark besucht. Der Preis für die begehrten Tickets habe bei knapp 3.500 GBP gelegen. Darüber hinaus habe ihm Entain VIP-Tickets im Wert von 7.500 GBP für das Pferderennen in Ascot besorgt.

Ähnlich großzügig habe sich der Sportwetten-Anbieter Paddy Power gegenüber dem Labour-Politiker John Spellar verhalten. Dieser sei zum EM-Viertelfinalmatch England gegen Deutschland eingeladen worden. Dafür habe er für die Förderung der Attraktivität von Großbritannien als Glücksspielmarkt geworben.

Zu den ausgabefreudigsten Unternehmen zähle Presseberichten zufolge Entain. Der Anbieter habe sich die Tätigkeit von 13 Politikern etwa 41.000 GBP kosten lassen. Dahinter folge der BGC, der für PR-Texte 20.000 GBP in bar und in Form von Freikarten bezahlt habe.

Britische Medien berichten von einer Reihe weiterer Abgeordneter, die für ihre zweifelhafte Lobby-Tätigkeit in ähnlicher Weise von den Zuwendungen profitiert hätten. Dabei seien nach jetzigem Wissensstand keine Gesetze gebrochen worden. „Anrüchig“ sei die Arbeit jedoch in jedem Fall, so die Berichterstatter.

Bei den Einnahmen nehme der Tory-Politiker Philip Davies die Spitzenposition ein. Dieser habe als Entain-Berater neben Tickets im Wert von über 8.600 GBP ein Honorar in Höhe von rund 50.000 GBP erhalten. Konsequenzen habe bisher jedoch keiner der Politiker gezogen.