Nebenjob: Britische Abgeordnete machten Glücks­spiel-PR

Veröffentlicht am: 11. November 2021, 01:00 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. November 2021, 03:41 Uhr.

In Großbritannien zieht der Skandal um lukrative Nebenjobs einzelner Politiker weite Kreise. Nun wurde nach Recherchen der Zeitung The Guardian bekannt, dass Abgeordnete der regierenden Tory-Partei auch für den Glücksspielverband Betting and Gaming Council (BGC) tätig waren. Mehrere Abgeordnete hätten PR-ähnliche Artikel über das Glücksspiel verfasst.

Mann schreibt am Laptop
Einige Politiker wurden mit VIP-Tickets entlohnt (Bild: Pixabay)

Die Artikel seien laut Zeitungsbericht auf dem britischen Blog ConservativeHome erschienen und dort als „sponsored by the Betting and Gaming Council“ kenntlich gemacht worden. Auftraggeber sei der BGC gewesen, der einer Werbeagentur für die Platzierung eine Summe in unbekannter Höhe überwiesen habe.

Der Blog-Betreiber habe der Zeitung gegenüber erklärt, dass Werbeeinnahmen dazu dienten, den Fortbestand der Seite zu sichern. ConservativeHome selbst beauftrage die gesponserten Inhalte nicht. Diese würden von Agenturen gebucht.

Vielfältige Themenauswahl

Die Themenbereiche der Texte hätten insgesamt variiert. So sei es zum einen um den Beitrag gegangen, den Wettbüros bei der Erholung des Einzelhandels nach dem Corona-Lockdown leisteten. Des Weiteren seien mögliche Risiken durch die Einführung von Einsatzlimits beschrieben worden.

Doch auch einzelne Unternehmen seien gezielt in gutem Licht dargestellt worden. So habe der Tory-Politiker Jack Brereton die bedeutende Rolle des Buchmachers Bet365 und seiner Inhaber besonders hervorgehoben:

Es sollte auch nicht vergessen werden, dass Bet365 und seine Gründer die größten Steuerzahler in Großbritannien sind und 2019/20 rund 614,6 Millionen Pfund an das Finanzministerium überwiesen. Geld, das dazu beigetragen hat, fundamentale öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung zu finanzieren…

VIP-Tickets statt Geld

Nach Recherchen des Guardian erhielten die Politiker für ihre Artikel kein Geld vom BGC. Allerdings könnten Zuwendungen auf andere Art und Weise geflossen sein. Darauf deuten die Angaben der Nebeneinkünfte von Abgeordneten hin.

Demnach hätten die Tory-Politiker Mark Jenkinson und Philip Davies im Juni VIP-Einladungen zum Ascot-Pferderennen angegeben. Die Tickets im Wert von jeweils 1.400 GBP habe ihnen der BGC zur Verfügung gestellt.

Nach Angaben des Guardian blieb es nicht bei positiven Berichten über Glücksspielanbieter. Erst vergangenen Montag habe Jack Brereton einen Artikel verfasst, in dem er die Regierung zur Vorsicht bei der Gestaltung des neuen Glücksspielgesetzes aufforderte. Die zuständigen Minister müssten achtgeben, dass das Gesetz nicht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährde.

Im Gegensatz zu den genannten Politikern verdiente Laurence Robertson einem Bericht des Mirror zufolge jährlich einen fünfstelligen Betrag durch die Lobbyarbeit für den Glücksspielverband. Für rund 24.000 GBP im Jahr habe sich der Tory-Abgeordnete bisher dreimal im Parlament gegen zu strenge Glücksspielgesetze ausgesprochen. Neben dem Geld habe auch er exklusive Ascot-Tickets erhalten.

Doch selbst diese Einnahmen erscheinen im Vergleich zu den Nebenverdiensten anderer Politiker nahezu marginal. So erhielt allein der Tory-Abgeordnete Andrew Mitchell für seine diversen Nebentätigkeiten jährlich 182.600 GBP. Sein durchschnittlicher Tagessatz: knapp 5.000 GBP.