Modellzentrum für Sucht­prävention in Erfurt geplant

Veröffentlicht am: 23. Dezember 2020, 09:27 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. Dezember 2020, 09:57 Uhr.

In Erfurt soll ein neues Modellzentrum zur Suchtprävention entstehen. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag meldete, werde die Landeshauptstadt Thüringens damit zum bundesweit ersten Standort eines neuen Konzeptes für die Thematisierung von Spiel-, Alkohol oder Drogensucht.

Suchthilfe Thüringen Menschen
Die Suchthilfe betreibt mehrere Einrichtungen in Thüringen. (Bild: sit-online.org)

Das Zentrum solle sich durch einen neuartigen Ansatz auszeichnen, so die Initiatoren von der Suchthilfe in Thüringen (SiT). Dabei liege der Fokus auf der Aufklärung. Auf diese Weise sollten Besucher des Zentrums eine Selbsteinschätzung zur Suchtgefahr entwickeln, anstatt lediglich belehrt zu werden.

Dies geschehe nach Auskunft von Katrin Schnell, Leiterin eines Präventionszentrums der SiT, durch die realistische Abbildung von Alltagssituationen, die in Verbindung mit verschiedenen Süchten stünden. Dabei würden in verschiedenen Räumen der Einrichtung Szenen aus der Schul- und Ausbildungszeit, der Arbeitswelt oder auch aus Altersheimen nachgestellt, die die Suchtproblematik in diesen Bereichen praxisnah veranschaulichten.

Schnell erklärte gegenüber der dpa:

Es ist ein innovatives Bundesmodellprojekt. Wir wollen entstigmatisieren, wir wollen nicht zeigen, dass ein Süchtiger unbedingt ein schlechter Mensch ist.

Ziel sei es, das vorhandene Wissen zu Süchten und Selbstreflexion zu vermitteln und über das Beratungsangebot der SiT zu informieren.

Der Bund steuert 15 Mio. Euro bei

Dem Bericht zufolge werde das Pilotprojekt vom Bundesministerium für Gesundheit mit 15 Mio. Euro gefördert. Zudem werde das Bundesland Thüringen nach Auskunft von Politikern der im Landtag mitregierenden SPD jährlich mehrere Hunderttausend Euro für den laufenden Betrieb beisteuern.

Die Entscheidung für Erfurt sei nach Auskunft des Thüringer SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider aufgrund der zentralen Lage der Stadt gefallen. Sie sei ideal per Zug zu erreichen, was Betroffenen und Interessierten aus dem gesamten Bundesgebiet den Besuch der Einrichtung erleichtere.

Um die Planungen für das ambitionierte, “Welt der Versuchungen” getaufte Projekt voranzutreiben, habe die Suchthilfe von den Geldgebern 100.000 Euro erhalten. Nach Ausarbeitung eines bereits fertigstellen Musterplanes werde nun nach einem geeigneten Standort gesucht. Dabei sei noch nicht ausgemacht, ob dafür ein neues Gebäude errichtet oder bestehende Einrichtungen genutzt würden.

Nach Aussage von SiT-Geschäftsführer David Fritzlar hoffe man, bei der Standortwahl im kommenden Jahr zu einer Entscheidung zu kommen. Das Zentrum selbst solle dann bis 2026 eröffnet werden, um erste Besucher zu empfangen. Erfurt könne so zu einem Leuchtturm in der deutschen Suchtprävention werden.