Europäischer Glücksspielverband: kein massiver Anstieg des Glücksspiels durch Pandemie

Veröffentlicht am: 17. April 2020, 01:09 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. April 2020, 01:09 Uhr.

Der in Brüssel ansässige Fachverband europäischer Glücksspielund Sportwettenanbieter (European Gaming and Betting Association, EGBA) hat sich am Mittwoch über seinen offiziellen Blog zu den aktuellen Entwicklungen der Glücksspielbranche geäußert.

Mann sitzt vorm Computer
Laut EGBA kein Anstieg der Glücksspielbeteiligung durch Corona-Pandemie (Bild: Pxfuel/Creative Commons Zero – CC0)

Dem Verband nach führten die Isolations- und Quarantänemaßnahmen der europäischen Nationen nicht zu einem allgemeinen Anstieg der Glücksspielbeteiligung. Im Gegenteil sei davon auszugehen, dass die gesamte Branche infolge der Pandemie weiterhin herbe Verluste erleben werde.

EGBA-Generalsekretär Maarten Haijer erklärt im Statement des Verbandes [Seite auf Englisch]:

Das ist das Gegenteil dessen, was viele vorhergesagt haben und widerlegt die Sorge um einen dramatischen Anstieg des Online-Glücksspiels, welche die jüngst eingeführten strengen Werbeeinschränkungen in einigen europäischen Ländern gestützt hat.

Haijer ließ gleichzeitig verlauten, dass die durchgesetzten Werbeeinschränkungen sich eher negativ auf den Spielerschutz auswirken könnten. Insbesondere jetzt sei die Werbung lizenzierter Online-Casinos wichtig, damit Kunden nicht bei unsicheren und illegalen Anbietern spielten, die sich ihrerseits nicht an Werbeverbote hielten.

Umsatzverluste auf allen Ebenen

Die Stellungnahme der EGBA stimmt dabei weitgehend mit den Zahlen verschiedener Online-Glücksspielunternehmen überein. William Hill und Flutter Entertainment beispielsweise erklärten, mit Verlusten in Millionenhöhe rechnen zu müssen.

Zwar werde in einigen Sparten generell ein leichter Anstieg der Spielerbeteiligung verzeichnet, doch könnten alternative Wetten (bspw. auf Politik, E-Sport oder gar das Wetter) die Verluste durch den Wegfall fast sämtlicher Sportereignisse bei weitem nicht ausgleichen.

Die EGBA verweist in dem Zusammenhang auch auf die jüngsten Analyseergebnisse des Londoner Beratungsunternehmens für die Glücksspielbranche H2 Gambling Capital.

Laut HS Gambling Capital wird der globale Glücksspielmarkt bis Ende 2020 einen Gesamtrückgang der Umsätze um 12,69 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen müssen. In ganzen Zahlen bedeutet das einen Umsatzverlust von 58 Mrd. USD. Damit erlebt die Glücksspielbranche seit 2015 zum ersten Mal erneut einen allgemeinen Umsatzrückgang.

Laut Haijer sei der Gesamtrückgang nicht nur dem Wegfall des landbasierten Glücksspiels geschuldet. Belgien zeige als bestes Beispiel, dass während der Pandemie auch das Online-Glücksspiel sichtlich abnehme. Dort hätten Online-Casinos insgesamt 38 % weniger Besucher verzeichnet.

Ob sich die Gesamtprognose für das Jahr 2020 bestätigen wird, bleibt indes abzuwarten.