DFL trifft zusätzliche Maßnahmen gegen Spiel- und Wettmanipulation

Veröffentlicht am: 19. Dezember 2018, 12:04 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. Dezember 2018, 12:58 Uhr.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat in dieser Woche weitere Maßnahmen zur Prävention von Wett- und Spielmanipulation im Fußball vorgestellt. Hierzu gehört die Einführung einer neuen App, über die Spielmanipulationen anonym gemeldet werden können.

Fußball
DFL und DFB verbessern Maßnahmen zur Prävention von Spielmanipulationen im Fußball (Bild: Pixabay)

Bereits seit dem Saisonbeginn sind für die Lizenzmannschaften aller Clubs der ersten und zweiten Bundesliga Schulungen verpflichtend. Zusätzlich wurde die Webseite überarbeitet, es wurde eine neue App eingeführt und das E-Learning-Tool wurde aktualisiert. Ziel ist es, Spieler und die Öffentlichkeit stärker für das Thema zu sensibilisieren und den Schutz des Wettbewerbs sicherzustellen.

Das Projekt „Gemeinsam gegen Spielmanipulation“

Die Deutsche Bundesliga (DFL) und der Deutsche-Fußball-Bund (DFB) haben bereits im Jahr 2012 Präventionsmaßnahmen gegen Spielmanipulation und Wettmanipulation erarbeitet. Die entsprechenden Maßnahmen werden auf der Webseite gemeinsam-gegen-spielmanipulation.de präsentiert, die nun überarbeitet wurde. Die Webseite informiert über Spielmanipulation sowie Spielsucht und stellt die Kontaktdaten des Ombudsmanns sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Verfügung.

Die bestehenden Regeln und Vorschriften

Sowohl aus dem Verbandsrecht als auch nach dem vertraglichen und dem staatlichen Recht ergeben sich Vorschriften gegen die Spielmanipulation. So ist beispielsweise in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB festgehalten, dass weder Spieler noch Trainer oder Schiedsrichter wissentlich durch falsche Entscheidungen auf das Ergebnis eines Fußballspiels einwirken dürfen.

DFB Zentrale
Der DFB sanktioniert Spielmanipulationen z. B. mit Sperren. (Bild: Wikipedia)

Zudem besteht für Spieler und Trainer, ebenso wie für Schiedsrichter und Vereins-Funktionsträger ein Wettverbot bei Sportwetten. Es dürfen demnach keine Wetten auf Spiele abgegeben werden, an denen die eigene Mannschaft beteiligt ist oder an denen andere Mannschaften des eigenen Clubs teilnehmen. Auch Dritte dürfen von Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Funktionsträgern nicht gebeten werden, derartige Wetten zu platzieren.

Geahndet werden Vergehen gegen diese bestehenden Vorschriften mit Strafen nach § 44 der Satzung des DFB. Entsprechend dieser kann ein derartiges Verhalten unter anderem mit Geldstrafen und Sperren sanktioniert werden.

Doch nicht nur der Einzelspieler muss mit Konsequenzen für Spiel- oder Wettmanipulationen rechnen. Auch das ganze Team kann geahndet werden, beispielsweise wenn der Gegner Einspruch gegen den Ausgang eines Spieles einlegt. In diesem Fall kann das Spiel direkt zugunsten des Gegners gewertet werden oder es erfolgt eine Spielwiederholung.

Schnell und gezielt Hilfe finden

Ziel der neuen Maßnahmen war vor allem, schnell den richtigen Ansprechpartner beziehungsweise Hilfe zu finden. Eine Wett- oder Spielmanipulation kann daher jetzt über die DFL Integrity App anonym gemeldet werden. Diese ist kostenlos für iOS und Android im Apple im iTunes Store und im Google Play Store zu finden.

Schnelle Hilfe gibt es auch von Ombudsmann Dr. Carsten Thiel von Herff. Er ist Rechtsanwalt für Compliance, Kartell- und Wettbewerbsrecht und war selbst Schiedsrichter und Trainer. Er verfügt über viel Erfahrung in der Präventionsarbeit und hat im Jahr 2018 die Auszeichnung als bester Compliance-Anwalt Deutschlands erhalten.

Dr. von Herff beschreibt seine Aufgabe als Ombudsmann wie folgt:

„Als externer Rechtsanwalt und Ombudsmann bin ich seit vielen Jahren als unabhängiger Ansprechpartner etabliert. Das alles ist nur möglich, wenn wir zusammenhalten und für einen fairen, ehrlichen Sport einstehen. Ich nehme Hinweise auf Unregelmäßigkeiten entgegen, zum Beispiel wenn jemand Einfluss auf Spielverläufe oder Wettquoten nehmen will, egal ob im Profi- oder Jugendbereich.“

Dr. von Herff ist in vielen Präventionsschulungen in den Vereinen präsent und kann bei Verdachtsmomenten vertraulich – auf Wunsch auch anonym – zu Rate gezogen werden. Hinweise werden von ihm geprüft und an die Rechtsabteilungen von DFL und DFB weitergeleitet, wo das weitere Vorgehen geklärt wird.

Die Gefahr der Wett- und Spielmanipulation im Fußball

Die Spielmanipulation ist zwar auch in anderen Sportarten ein Thema, im Fußball jedoch von besonderer Brisanz. Benjamin Best, der das Buch „Der gekaufte Fußball“ geschrieben hat, hat ein Interview mit einem Fußballspieler geführt, dem Geld für Spielmanipulationen angeboten worden war.

Wie der Spieler dem Programm Das Erste berichtet, haben die Wetter das Folgende verlangt:

„Wir sollten das Spiel verlieren, und ich sollte noch ein, zwei Spieler involvieren. Auch die, die auf wichtigen Positionen spielen. Sie sagten, den Torwart, einen Mittelfeldspieler und einen Stürmer. Die drei Positionen sind anscheinend wichtig, um Spiele zu manipulieren. Sie haben mir genau in dieser Reihenfolge gesagt, welche Mitspieler quasi manipuliert werden sollten.“

Im Gegenzug zur Spielmanipulation sollte der Spieler Geld bekommen. Um welche Summen es in diesem Einzelfall ging, konnte er nicht berichten. Er hätte das Angebot sofort abgelehnt, bekräftigte der Oberligaspieler.

Traurige Berühmtheit erlangte schon im Jahr 1971 der Bundesliga-Skandal, einer der schwersten Fälle von Spielmanipulation in der Geschichte des Fußballs. Zum Ende der Saison waren insgesamt 18 Spiele gekauft worden. An der Spielmanipulation waren zehn Fußballvereine mit mehr als 60 Spielern beteiligt.

Aufgeflogen war der Skandal, als der damalige Kickers-Vereinspräsident Horst-Gregorio Canellas bei seiner Geburtstagsfeier ein Tonband veröffentlichte. Der Mitschnitt enthielt Telefonate, die von den Manipulationen und von den Schmiergeldzahlungen zeugten. Der ehemalige Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Hans Kindermann, war jahrelang mit der Aufarbeitung des Skandals beschäftigt.

Die zusätzlichen Maßnahmen der DFL und des DFB sollen derartige Fälle von Spielmanipulation verhindern, indem Spieler gezielt geschult und das Auge der Öffentlichkeit geschärft wird.