Deutschland bei der Eishockey-Weltmeisterschaft nicht im Favoritenkreis

Veröffentlicht am: 10. Mai 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 9. Mai 2019, 04:06 Uhr.

Heute beginnt in der Slowakei die 83. Eishockey-Weltmeisterschaft. Deutschland, immerhin Olympiazweiter der Winterspiele 2018 von Pyeongchang, zählt für Experten und Buchmacher nicht zum erweiterten Favoritenkreis der Titelanwärter.

Eishockey
Bis zum WM-Finale ist es für die Teams noch ein weiter Weg (Bild: Wikipedia)

Stattdessen werden den Teams aus Kanada, Russland, Schweden und den USA die größten Chancen eigeräumt, am 26. Mai 2019 in der slowakischen Hauptstadt Bratislava den WM-Titel zu gewinnen.

Buchmacher sehen Kanada und Russland vorne

Mit Wettquoten von 1:1,95 liegen Kanada und Russland derzeit gleichauf, dicht gefolgt von Schweden (1:1,65) und den Vereinigten Staaten (1:1,95). Dahinter folgen bereits mit einigem Abstand Finnland und Tschechien (je 1:3,0).

Mit einer Quote von 1:15,0 liegt Deutschland im Mittelfeld der teilnehmenden Nationen, während Österreich (1:250), Italien (1:500) und Großbritannien (1:1.000) von den Wettbüros als absolute Außenseiter eingeschätzt werden.

Deutsche Eishockeyfans werden die Olympischen Spiele in Südkorea, als das deutsche Team sensationell die Silbermedaille gewann, sicherlich noch lange Zeit in bester Erinnerung behalten. Die damals noch von dem ehemaligen NHL-Profi Marco Sturm trainierte Mannschaft erzielte mit dem zweiten Platz den größten Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte und nach Bronze 1976 in Innsbruck erst die zweite Olympiamedaille überhaupt.

Als Gruppendritter waren die Deutschen knapp in die K.o.-Runde gerutscht, wo sie nach einem 2:1-Sieg über die Schweiz dann nacheinander die ehemaligen Weltmeister, Olympiasieger und Topfavoriten Schweden und Kanada jeweils mit 4:3 ausschalteten. Erst im Finale musste sich das Team mit 3:4 nach Verlängerung geschlagen geben. Bis 56 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit hatten die Deutschen sogar mit 2:1 geführt, feierten letztendlich jedoch überglücklich die Silbermedaille.

Insgesamt 16 Nationalmannschaften konnten sich für die WM, die in Bratislava und in Košice ausgetragen wird, qualifizieren. Die Vorrunde wird in zwei Gruppen mit je acht Teams ausgetragen, von denen die ersten vier Mannschaften ab dem 23. Mai in die K.o.-Runden einziehen, während die beiden Gruppenletzten aus der ersten Liga absteigen.

Schwere Gruppe für Deutschland

Schon in der Gruppenphase bekommen es die Deutschen mit starken Gegnern zu tun. So treffen sie auf den derzeitigen Weltranglistenersten und 26-fachen Weltmeister Kanada sowie die USA und die als Geheimtipp gehandelten Finnen.

Moritz Müller Eishockey
Kapitän Moritz Müller (Bild: Wikipedia)

Am letzten Dienstag verloren die Deutschen ihr Abschlussspiel gegen Gruppengegner USA mit 2:5. Von einer missglückten Generalprobe kann jedoch nicht gesprochen werden, da das Team über lange Zeit stark aufspielte und zweimal in Führung gegangen war.

Als WM-Minimalziel gab Bundestrainer Toni Söderholm deshalb das Erreichen des Viertelfinales an. Dieses hatten die Deutschen bei der WM im letzten Jahr noch knapp verpasst.

Vor Beginn des Turniers nominierte Toni Söderholm den Abwehrspieler Moritz Müller als Kapitän. Der Routinier von den Kölner Haien war auch schon bei dem Olympiaerfolg mit von der Partie und soll mit seiner Erfahrung im Team für Ruhe und Stabilität sorgen.

Kritik an den weiteren Nominierungen des Trainers

Kurz vor Beginn des Turniers kommt trotzdem Unruhe in die deutsche Eishockey-Szene. Dies liegt an einer Torwartdiskussion, die sich rund um die Nominierung beziehungsweise Nichtnominierung der Torhüter dreht.

Der Bundestrainer nominierte vor wenigen Tagen Mathias Niederberger aus Düsseldorf, Niklas Treutle aus Nürnberg sowie den Schwenninger Dustin Strahlmeier für die Torhüterposition. Mit dieser Entscheidung überraschte der Trainer allerdings Experten und Fans gleichermaßen.

Denn Söderholm verzichtete mit Danny aus den Birken vom deutschen Vize-Meister Red Bull München auf den Olympia-Held des letzten Jahres ebenso wie auf Dennis Endras vom neuen Meister Adler Mannheim, der nach der Saison immerhin zum Final-MVP gewählt worden war.

Toni Söderholm verteidigte daraufhin seine umstrittene Entscheidung:

“Wir haben Gegentore und Torchancen während der Playoffs analysiert. Gesundheitsfragen und Zukunftsfragen kamen auch dazu. Wir haben einhundertprozentiges Vertrauen in unsere Torhüter. Sie gehören zu den besten in Deutschland.”

Allerdings ließ er sich noch eine Hintertür offen, denn mit Philipp Grubauer von Colorado Avalanche könnte er einen Top-Torhüter aus der NHL, der unumstritten besten Eishockey-Lieg der Welt, nachnominieren.

Doch gegen Gegner wie Kanada und die USA braucht das deutsche Team nicht nur gute Torhüter, um diese Matches für sich zu entscheiden. Am Samstag wird sich gegen die vermeintlich schwachen Briten zeigen, wie gut die WM-Form tatsächlich ist.