Werbung für illegales Glücksspiel? Verfahren gegen Bundesliga-Vereine eingeleitet

Veröffentlicht am: 9. Oktober 2019, 12:06 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 9. Oktober 2019, 01:31 Uhr.

Medienangaben zufolge sind sieben Vereine der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga ins Visier von Aufsichtsbehörden geraten. Ihnen wird vorgeworfen, durch ihre Sponsoringverträge mit Sportwettenanbietern auch illegales Glücksspiel zu promoten. Viele der genannten Buchmacher betreiben neben ihren Wettplattformen auch die in Deutschland verbotenen Online Casinos.

Bwin Bandenwerbung Real Madrid
Sportwettenanbieter nutzen den Profifußball auch international, um auf sich aufmerksam zu machen (Quelle:flickr.com/goatling, licensed under CC BY-SA 2.0)

Dachmarkenwerbung in Fokus der Behörden

Wie die ARD-Radio-Recherche Sport mitteilt, hat NRW in Absprache mit zwölf weiteren Bundesländern aufsichtsrechtliche Verfahren gegen sieben Topklubs des deutschen Fußballs eröffnet. Betroffen seien unter anderem der 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, Borussia Dortmund und Werden Bremen.

Die Vereine stünden im Verdacht, illegale Glücksspielwerbung betrieben zu haben. Dies sei zum Beispiel der Fall, wenn das beworbene Logo eines Sponsors nicht nur Angebote für Sportwetten repräsentiere, sondern auch auf dessen Online Casino Plattform verweise. Experten sprechen in solchen Fällen von „Dachmarkenwerbung“.

In der 1. Bundesliga befinden sich 16 Vereine in einer Werbepartnerschaft mit privaten Anbietern von Sportwetten. Die jährlichen Zuwendungen der Sponsoren für Vereine und Verbände sollen sich allein hier auf rund 60 Millionen Euro belaufen. In den ersten drei Ligen des deutschen Fußballs arbeiten 56 Klubs mit Glücksspielanbietern zusammen.

„Unabsichtliche Verstöße“

Gebäude Bezirksregierung Düsseldorf
Die Bezirksregierung Düsseldorf ist federführend bei den Ermittlungen (Quelle:A.Savin, licensed under CC BY-SA 3.0)

Auf Anfrage habe die bei den Ermittlungen federführende Bezirksregierung Düsseldorf betont, den Vereinen kein absichtlich unrechtmäßiges Verhalten zu unterstellen. So sei den meisten Bundesligisten nicht bewusst, dass ihre Art der Werbemaßnahmen auch illegale Angebote ihrer Partner umfasse.

Im Rahmen des laufenden Verfahrens würden die Betroffenen nun über „die vorliegenden Verstöße informiert und aufgefordert, diese abzustellen“.

Konkret bedeute dies, dass es an den Vereinen sei, deutlich herauszustellen, dass es sich bei den beispielsweise in Stadien und auf Trikots beworbenen Produkten ausschließlich um die erlaubten Sportwettenangebote der Betreiber handele.

Sollte der Partner auch Online Casinos in seinem Portfolio haben, dürfen die Vereine zudem auf ihren Internetpräsenzen nicht auf seine Seiten verlinken. Laut Behörde drohen den Klubs bei Zuwiderhandlung Untersagungsverfügungen und Zwangsgelder.

Konstruktiver Austausch und unterschiedliche Rechtsauffassungen

Als eines der ersten betroffenen Teams äußerte sich der SV Werder Bremen öffentlich zu den Vorgängen. Man habe sich in einen „konstruktiven Austausch“ mit der Behörde begeben, in dem auch unterschiedliche Rechtsauffassungen erläutert worden seien. Im Endeffekt folge man den Anforderungen der Bezirksregierung, so Werder-Sprecher Michael Rudolph:

Wir wurden von der zuständigen Glücksspielbehörde wegen der konkreten Darstellung der Werbung für unseren Sportwetten-Partner kontaktiert. Daraufhin haben wir die Darstellung angepasst. Unser Engagement bezieht sich grundsätzlich nur auf das Sportwetten-Segment unseres Partners. Das ist nicht illegal.

Auch die Teams aus Köln und Düsseldorf sollen Einigungen mit der Behörde erzielt haben.

Buchmacher bleiben gelassen

Indes erklärt Wettanbieter Tipico, unter anderem Werbepartner von DFL und FC Bayern München, von der Legalität von Online Casino Angeboten auch in Deutschland überzeugt zu sein. Laut ARD-Radio-Recherche Sport beruft sich der Buchmacher, der seinen Hauptsitz auf Malta hat, auf die europarechtliche Dienstleistungsfreiheit und „jüngere verwaltungsgerichtliche Entscheidungen“.

 

Werbebild Sportwetten Bwin
Unter anderem in der Kritik: Sportwetten- und Online Casino Betreiber Bwin (Quelle:Francis Champion, licensed under CC BY-SA 4.0)

Auch DFB- und Dortmund-Partner Bwin verwies bereits in der Vergangenheit darauf, dass das deutsche Verbot von Online Glücksspiel der europäischen Regelung widerspreche. Als die beiden größten Buchmacher auf dem deutschen Markt betreiben sowohl Bwin als auch Tipico neben ihren Sportwetten- auch Online Casino Plattformen.

Dieser Umstand sorgte bereits zuvor für Unruhe. Im März diesen Jahres wandten sich die Glücksspielaufsichten der Länder in einem scharfen Brief an den DFB. In diesem warnten sie den Fußballverband vor der Dachmarkenmarketing für Partner Bwin und drohten, die Werbung für den Sponsor komplett zu untersagen.

Signal für die Zukunft?

Dass die Bundesländer den Fußball nun erneut öffentlich in die Verantwortung nehmen, erscheint insbesondere im Licht der anstehenden Veränderungen in der deutschen Glücksspielgesetzgebung interessant.

Ab 2020 sollen erstmals offizielle deutsche Lizenzen den Sportwettenmarkt der Bundesrepublik regeln. Derzeit können Anbieter ihre Konzepte einreichen, die Vergabe soll ab dem kommenden Januar erfolgen. Eine der notwendigen Voraussetzungen zum Erhalt einer solchen Konzession ist, dass der Betreiber kein illegales Glücksspiel, also auch keine Online Casinos, in Deutschland zur Verfügung stellt. Ein Dachmarketing wie das nun kritisierte sollte dementsprechend künftig nicht mehr möglich sein.

Die Entscheidung, die Werbepartner der Sportwettenanbieter nur wenige Wochen vor Inkrafttreten der Neuregelung erneut massiv in die Pflicht zu nehmen, lässt Fragen offen. Der Fortgang darf weiterhin mit Spannung beobachtet werden.