Britische Buchmacher prognostizieren Rücktritt von Boris Johnson

Veröffentlicht am: 25. September 2019, 02:43 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 17. Oktober 2019, 03:47 Uhr.

Nachdem der britische Premierminister Boris Johnson dem Parlament eine fünfwöchige Suspendierung auferlegt hatte, erklärte gestern der Oberste Gerichtshof in London die Handlung Johnsons als unrechtmäßig. Die Buchmacher des Landes prognostizieren nun, dass Johnson sein Amt noch vor Ende des Jahres verlieren könnte.

Boris Johnson
Wird Boris Johnson noch 2019 zurücktreten? (Bild: Andrew Parsons/ Parsons Media/flickr.com)

Mit der Niederlage des britischen Premiers passten die Wettanbieter die Wettquoten erneut an. Die Wahrscheinlichkeit, dass Johnson noch vor Ende 2019 seinen Posten verlassen wird, sei nach Angaben der britischen Wettbüros von 22,2 % auf 52 % gestiegen.

Die Hintergründe

Boris Johnson bat die Queen Ende August, eine Sitzungspause des Parlaments vom 10. September bis zum 14. Oktober 2019 zu beschließen, um das neue Regierungsprogramm vorzubereiten. Die Queen entsprach diesem Wunsch.

Das Parlament legte daraufhin Berufung beim Obersten Gerichtshof [Seite auf Englisch] ein, denn Kritiker warfen dem Premierminister vor, die Demokratie zu untergraben. Auf diese Weise habe Johnson die Opposition daran hindern wollen, gegen den No-Deal Brexit vorgehen zu können.

Das Gericht entschied unter Vorsitz von Baroness Brenda Hale die Unrechtmäßigkeit des Vorgehens Johnsons und warf dem Premierminister auch vor, die Queen hinsichtlich seiner wahren Absichten hinters Licht geführt zu haben. Die Politiker zogen heute wieder ins Parlament ein. Die Entscheidung des Supreme Court könnte für Johnson verheerende Folgen nach sich ziehen.

Prognosen der Buchmacher: Bleibt Boris Johnson im Amt?

Die Wettexperten von Betfair bieten eine Quote von 1,91 auf den Rücktritt des Premierministers. Für Wetten auf eine neue Parlamentswahl bis Ende des Jahres 2019 bietet der Buchmacher eine Quote von 1,44.

Wer darauf wettet, dass Johnson im nächsten Jahr noch seinen Posten innehaben wird, erhält eine Quote von 2,60 und Wetten darauf, dass der Premier auch 2021 im Amt bleibt, werden mit 5,00 quotiert.

Katie Baylis, die Sprecherin von Betfair, kommentiert:

„Die historische Entscheidung des Obersten Gerichtshofs an diesem Morgen hat dazu geführt, dass sofort Stimmen laut wurden, die den Rücktritt Johnsons von seinem Amt als Premierminister forderten. Und wir bei Betfair haben beobachtet, wie die Wettquoten darauf, dass er bis Ende des Jahres weg ist, auf 1,91 gefallen sind.“

Baylis führte aus, dass Betfair eine Parlamentswahl in diesem Jahr für sehr wahrscheinlich halte. Auch was den Austritt Großbritanniens bis Ende Oktober betreffe, halte Betfair es mit einer Quote von 1,33 für sehr wahrscheinlich, dass dies nicht geschehen werde.

Baroness Brenda Hale, Spinnenbrosche
Baroness Brenda Hale, die Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs, erklärte Johnsons Handeln für rechtswidrig. (Bild: youtube.com)

Dem gegenüber stehe die Quote von 6,00 für einen No-Deal Brexit.

Die gestrigen Ereignisse hätten für noch mehr Ungewissheit in Westminster gesorgt. Baylis sagte, dass Betfair in den kommenden Tagen einen massiven Ansturm auf die politischen Wettmärkte erwarte.

Ähnlich wie Betfair sieht es auch der Wettanbieter Coral. Der Buchmacher senkte nach dem Gerichtsurteil die Quote für Wetten auf das Ausscheiden des Premierministers in diesem Jahr von 3,00 auf 2,00.

Auf Wetten darauf, dass Johnson der PM mit der kürzesten Amtszeit in der britischen Geschichte sein wird, bietet Coral eine Quote von 2,50. Bei Paddy Power wird diese Wette mit einer Quote von 1,83 gehandelt.

Wetten auf den nächsten britischen Premierminister

Nach Meinung des Sportwetten-Anbieters Betway sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Jeremy Corbyn, der Vorsitzende der britischen Labour Partei, die Nachfolge von Johnson antrete. Betway bietet dafür eine Quote von 3,00.

Corbyn forderte Johnson in seiner Rede, die er nach dem Urteilsspruch hielt, dazu auf, seine heutige Position zu überdenken und der „am kürzesten amtierende Premierminister zu werden, den es je gegeben habe“.

Dem schloss sich auch Joanne Kate „Jo“ Swinson, die Vorsitzende der Liberalen Demokraten, an. Sie erklärte, das Urteil habe bewiesen, dass Johnson nicht für das Amt geeignet sei.

Swinson kommentiert:

„Er hat rechtswidrig gehandelt und versucht, das Parlament zum Schweigen zu bringen, die Stimmen des Volkes zum Schweigen zu bringen, weil er nicht zur Rechenschaft gezogen werden will und keine Fragen zu seiner katastrophalen Brexit-Politik beantworten will.”

Swinson gehört für die Buchmacher ebenfalls zu den Favoriten auf den Posten. Wer darauf wettet, dass die schottische Politikerin zur Premierministerin gewählt wird, erhält eine Quote von 13,00.

Kenneth Clarke von der konservativen Tory Partei habe laut den Buchmachern ebenfalls gute Chancen auf das Amt des PM. Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs fielen die Quoten von 11,00 auf 7,00.

Aufgrund der aktuellen Ereignisse könnte es schwierig werden zu prognostizieren, was sich in den kommenden Wochen in der britischen Politik ereignen wird. Sicher ist, dass die Wettbüros sehr viel zu tun haben werden.