Belgischer Fußballsport durch Korruptionsskandal erschüttert

Veröffentlicht am: 11. Oktober 2018, 12:32 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 11. Oktober 2018, 12:32 Uhr.

Am Mittwochmorgen durchsuchten 184 belgische Ermittler 44 Wohnungen und die Räumlichkeiten mehrerer Fußballclubs wegen des Verdachts der Spielmanipulation, der organisierten Kriminalität und der Geldwäsche. Mehrere Personen wurden festgenommen, darunter auch Ivan Leko, Trainer vom FC Brügge.

Fußball Belgien
Korruptionsskandal im belgischen Fußballsport. (Bild: pixabay.com)

Der belgische Fußballsport durchlebt derzeit eine schwierige Phase, von der scheinbar viele wichtige Vereine des Landes betroffen sind. Bei den Durchsuchungen der Wohnungen der Verdächtigen sowie der Vereinsräumlichkeiten mehrerer belgischer Fußballclubs wurde Beweismaterial sichergestellt.

Betroffen waren neben dem FC Brügge auch Royal Antwerpen, Standard Lüttich und RSC Anderlecht. Der AS Eupen sei allerdings nicht durchsucht worden. Der RSC Anderlecht soll inzwischen die Durchsuchungen bestätigt und den Behörden Kooperation zugesichert haben, sei aber zurzeit noch nicht zu weiteren Stellungnahmen bereit.

Spielevermittler Mogi Bayat und Trainer Ivan Leko festgenommen

Mogi Bajat, der wohl bekannteste Spielerberater und -vermittler des Landes, wurde ebenfalls festgenommen, nachdem gestern in den frühen Morgenstunden auch sein Büro durchsucht worden war.

Allerdings ist noch unklar, was genau ihm zur Last gelegt wird. Er soll jedoch eine zentrale Rolle bei kriminellen Aktionen gespielt haben. Hierbei ginge es um Spielmanipulationen im großen Stil, um Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Mogi Bayat, 44, fungierte von 2003 bis 2010 als Sportdirektor beim RSC Charleroi. Dieses Amt übernahm danach sein Bruder Mehdi Bayat. Dieser soll überrascht gewesen sein, als er von den Festnahmen erfuhr. Der Fußballverein Charleroi sei nicht durchsucht worden.

Bayat gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im belgischen Fußballsport. Allerdings soll er eher als Unterhändler tätig gewesen sein und weniger als Spielerberater.

Ivan Leko, 40, der Trainer des Fußballclubs Brügge, spielte früher in Malaga und Split. Von 2005 bis 2009 spielte er beim FC Brügge. 2017 wurde er bei diesem Verein als Trainer unter Vertrag genommen.

In der letzten Saison schaffte es der FC Brügge, belgischer Meister zu werden. Jetzt spielt die Elf in der Champions League in derselben Gruppe wie Borussia Dortmund.

Zahlreiche weitere Festnahmen

Festgenommen wurden weiterhin der Spielerberater Dejan Veljkovic sowie einige Schiedsrichter der ersten Liga, unter anderem die beiden FIFA Referees Bart Vertenten und Sebastien Delferière, die bereits Spiele um den Europapokal geleitet hatten.

Herman Van Holsbeeck, der ehemalige Anderlecht-Manager, und der Spieleragent Christophe Henrotay kamen auch in Untersuchungshaft. Unter Verdacht stünden auch Journalisten und andere Funktionäre der Vereine.

Wie die Föderale Staatsanwaltschaft am Mittwochabend mitteilte, seien alle Personen als Verdächtige verhaftet und nicht als Zeugen verhört worden.

Geld Wäscheleine
Gelder sollen am Finanzamt vorbeigewirtschaftet worden sein. (Bild: pixabay.com)

Ermittlungen im Vorfeld

Bereits seit Ende 2017 ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Betrugs, denn die Behörden hätten Hinweise hinsichtlich verdächtiger Transaktionen in der ersten Liga erhalten. Demnach sollen einige Spiele der vergangenen Saison manipuliert worden sein. Dabei sollen mehrere Journalisten und ein ehemaliger Anwalt involviert gewesen sein.

Anstoß für die Ermittlungen sei eine Klage des VC Westerlo gewesen, der am Ende der Saison 2016/17 absteigen musste. Herman Wynants, der Vereinsvorsitzende von Westerlo, sei überzeugt davon, dass es bei der Begegnung Kortrijk gegen Mouscron Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Wynants fügte hinzu, dass Bayat in beiden Teams Spieler betreut habe.

Die Generalstaatsanwaltschaft erhob weiterhin den Vorwurf an einige Spielevermittler, dass Transaktionen unabhängig voneinander durchgeführt worden seien. Auf diese Weise seien dem Finanzamt Einnahmen aus Provisionen, Gehältern und anderen Zahlungen vorenthalten worden.

Diesbezüglich seien zeitgleich auch Ermittlungen und Durchsuchungen in 13 Ländern durchgeführt worden, unter anderem in Frankreich, Zypern, Luxemburg, Mazedonien und Serbien.

Reaktionen seitens Justiz und Politik

Nachdem die Polizeiaktion durchgeführt worden war, äußerte Justizminister Koen Geens seine Besorgnis:

„Spielabsprachen untergraben die Integrität des Sports. Die Justiz arbeitet an einem fairen Sport.“

Via Twitter forderte Philippe Muyters, der flämische Sportminister, dass die Vereine bei den Ermittlungen kooperativ sein mögen, denn es gäbe zahlreiche Sportler, die integer seien. Außerdem hätten auch die Fans ein Recht auf einen ehrlichen Sport.

Bart Verhaeghe, der Präsident des FC Brügge, garantierte der Polizei die Unterstützung durch seinen Club. Er sei der Meinung, dass sein Trainer Leko unschuldig sei und dass ein Missverständnis vorliegen könnte.

Er sagte:

„Die Untersuchungen werden zeigen, dass bei uns alles sauber ist. Zudem schützen wir unseren Trainer Ivan Leko, dem nichts vorzuwerfen ist.“

Noch sind nicht alle Hintergründe und die bevorstehenden Konsequenzen bekannt, doch sie dürften nicht vermeidbar sein. Das könnte den gesamten belgischen Fußballsport betreffen.

Es ist bemerkenswert, welches Ausmaß die Affäre hat und dass vor allem die Spitze betroffen ist. Beobachter sprechen von einem gigantischen Skandal, ausgerechnet in dem Jahr, in dem die belgische Nationalmannschaft, „Die roten Teufel“, ihren größten Erfolg feiern konnten, denn das Team belegte den dritten Platz bei der Fußball WM 2018.