Am vergangenen Freitag fand in London die Hauptversammlung des Online-Lotterie-Anbieters ZEAL Network statt. Hierbei stimmte die Mehrheit der Aktionäre für die Übernahme von Lotto24.

Verhandlung

Die ZEAL-Aktionäre haben der Übernahme von Lotto24 zugestimmt. (Bild: Pixabay)

ZEAL Network hatte den geplanten Deal bereits im November angekündigt. Zwischenzeitlich hatte der Konkurrent Lottoland jedoch ein Angebot zur Übernahme des deutschen Kerngeschäfts von ZEAL Network abgegeben, das das Unternehmen abgelehnt hatte.

Die Übernahme von Lotto24 durch ZEAL Network

ZEAL Network plant mit der Übernahme des Hamburger Online-Lotterie-Anbieters Lotto24 eine kombinierte Unternehmensgruppe. Derzeit betreibt ZEAL Network die deutsche Zweitlotterie Tipp24, bei der die Spieler auf die Ergebnisse offizieller Lotterien tippen.

Zweitlotterien besitzen in Deutschland entsprechend des staatlichen Lotteriemonopols keine Wettlizenz. Tipp24 besitzt jedoch eine Lizenz von der UK Gambling Commission und wird damit als in Großbritannien lizensierter Anbieter in Deutschland faktisch geduldet. Bei der Übernahme von Lotto24 durch ZEAL würde es sich um eine Wiedervereinigung handeln, denn Lotto24 war 2010 aus der Abspaltung des deutschen Kerngeschäfts des Unternehmens hervorgegangen.

Die Lotto24 AG

Bei Lotto24 handelt es sich um einen Online-Anbieter von Lotterieprodukten. Gegründet wurde die Lotto24 AG im Jahr 2010 in Hamburg, seit 2012 ist das Unternehmen an der Börse notiert. Lotto24 war aus der Abspaltung des deutschen Geschäfts von ZEAL hervorgegangen und gilt als führender Anbieter staatlicher Lotterie-Produkte im Internet.

Über die Online-Präsenz von Lotto24 werden Spielscheine von Lottoprodukten wie Lotto 6aus49, Spiel 77, Super 6, GlücksSpirale und EuroJackpot angeboten. Für die Vermittlung erhält das Unternehmen eine Provision.

Lotto24 hatte im Jahr 2012 nach Inkrafttreten des zweiten Glücksspielvertrages die Lizenz für den Online-Vertrieb staatlicher Lotterien erhalten. Sowohl die Lizenz zum Vertrieb der Lotto-Produkte als auch die Erlaubnis für Werbung in Fernsehen und Internet wurden im Jahr 2017 verlängert.

Mit der Übernahme von Lotto24 will ZEAL Network die regulatorischen Risiken in Deutschland verringern. Tipp24 plant das Unternehmen einzustellen.

Tipp24

ZEAL plant, Tipp24 nach der Übernahme von Lotto24 aufzugeben. (Bild: Wikipedia)

Für die Übernahme hat ZEAL einen Aktientausch vorgesehen. Dabei sollen die Aktionäre von Lotto24 für 1,604 Aktien jeweils eine neue ZEAL-Aktie erhalten.

Im Dezember haben die beiden Unternehmen im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot ein Business Combination Agreement (BCA) unterzeichnet. Demnach soll Lotto24 auch nach Übernahme als Tochtergesellschaft von ZEAL seine Eigenständigkeit bewahren.

Der Vorstand sowie der Aufsichtsrat von Lotto24 hatten angegeben, dass die Zusammenarbeit zwischen Lotto24 und ZEAL im Interesse der Gesellschaft sowie der Aktionäre liege. Zudem führe die Kooperation zu einem Wertzuwachs für die Aktionäre von Lotto24, wobei die geplante finanzielle Gegenleistung noch geprüft werde.

Die Abstimmung vom Freitag ist ein weiterer Schritt, der für die Übernahme wichtig war. ZEAL-Chef Dr. Helmut Becker äußerte sich hierzu wie folgt:

„Unser Plan, ZEAL und Lotto24 wieder zu vereinen, bietet eine fantastische Chance für nachhaltiges Wachstum und schafft signifikante Werte – für die Aktionäre beider Unternehmen, für die Kunden und für die deutschen Bundesländer und ihre Lotterieempfänger. Wir sind froh, dass die ZEAL-Aktionäre unsere Vision teilen und heute die wichtigen Voraussetzungen geschaffen haben, die es uns ermöglichen, unser Angebot für Lotto24 zu machen.“

Die Zustimmung der Aktionäre ist zwar kein Garant für das Gelingen des Deals, bietet aber die Voraussetzung dafür. Zuvor hatte Lottoland versucht, die Übernahmepläne zu vereiteln.

Lottolands Versuch, den Deal zwischen ZEAL und Lotto24 zu vereiteln

Der ZEAL-Konkurrent Lottoland hatte Anfang Januar versucht, die Wiedervereinigung mit Lotto24 zu verhindern und ein Angebot für Tipp24 vorgelegt. Der Angebotspreis lag dabei zwischen 60 Millionen und 76 Millionen Euro.

Dem Kaufangebot war ein öffentlicher Brief des Lottoland-Chefs Nigel Birrell [Seite auf Englisch] vorangegangen. Birrel hatte den Brief mit dem ausdrücklichen Hinweis verfasst, ZEAL-Aktionär zu sein (Lottoland hält einen Anteil von vier Prozent an ZEAL).

Er hatte sich im Brief gegen die Übernahme von Lotto24 ausgesprochen und diese als „weder strategisch noch wirtschaftlich sinnvoll“ bezeichnet. Seines Erachtens sei Lotto24 stark überbewertet. Zudem hatte er ZEAL vorgeworfen, im Interesse einzelner Aktionäre zu handeln, nicht aber Alternativen untersucht zu haben, die dem Wohl aller Aktionäre dienen würden.

Das unverbindliche Angebot von Lottoland, die deutschen Kerngeschäfte zu erwerben, lehnte ZEAL in einer Pressemitteilung vom 11. Januar 2019, als „deutlich unzureichend“ ab. Die Angebotspreisspanne zwischen 60. Mio. Euro und 76. Mio. Euro spiegele den Wert des deutschen Geschäfts von ZEAL in keiner Weise wider.

Tipp24, so führte das Unternehmen in seiner Pressemitteilung aus, trage den größten Umsatz zu ZEAL bei. ZEAL würde durch die Veräußerung seinen Kundenstamm in Deutschland, die Marke und die Grundlage für das Wachstum in der Bundesrepublik verlieren.

ZEAL-Vorstandsvorsitzender Dr. Helmut Becker hatte zum Lottoland-Angebot wie folgt Stellung genommen:

„Das indikative Angebot von Lottoland ist ein durchsichtiger Versuch, unser deutsches Kerngeschäft billig zu erwerben. Es spiegelt den Wert unseres deutschen Geschäfts in keiner Weise wider. Gleichzeitig würden bei einer Veräußerung unseres Kerngeschäfts alle Risiken aus schwebenden Umsatzsteuerverfahren in Deutschland sowie erhebliche Kosten für die Restrukturierung des restlichen Geschäfts bei ZEAL und seinen Aktionären verbleiben. Unser Plan, Tipp24 in einen gewerblichen Lotterievermittler umzuwandeln und mit Lotto24 zu kombinieren, schafft eine starke Plattform für künftiges Wachstum und ist dem Lottoland-Vorschlag weit überlegen.“

Mit der Zustimmung der Aktionäre zur Übernahme von Lotto24 ist ZEAL einer 12-monatigen Sperrfrist entgangen, die bei einer Vertagung gedroht hätte, und kann nun die Übernahmepläne weiter vorantreiben.