Lotto im Internet: Verunsicherung bei Online-Angeboten

Veröffentlicht am: 9. September 2018, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 7. September 2018, 06:07 Uhr.

Das deutsche Lotto „6 aus 49“ ist ein Klassiker und erfreut sich seit Jahrzehnten größter Beliebtheit. Auch dutzende Websites bieten die Online-Teilnahme an der populären Lotterie an. Was der Spieler selten weiß: Diese Angebote sind in Deutschland nicht erlaubt und um den Jackpot spielt man eigentlich auch nicht.

Lottokugeln, Tastatur
In Deutschland darf nur der Staat online die Lotto-Teilnahme anbieten. (Quelle:Rhein-Zeitung)

Nachdem zwei Spieler einige Tage zuvor 61 Millionen beim Eurojackpot gewannen, knackte ein Hesse am Mittwoch den Lotto-Jackpot und gewann 29 Millionen Euro.

Eigentlich waren für den Glücklichen mit sechs Richtigen plus Superzahl „nur“ 27 Millionen vorgesehen gewesen, da aber kein anderer die zweite Gewinnstufe (sechs Richtige) erreichte, wurde ihm auch der dort fällige Gewinn zugeschrieben.

Wie der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) mitteilte, hatte der Spieler seinen Spielschein online ausgefüllt.

Online-Anbieter auf dem Vormarsch

Damit ist er einer von Millionen Deutschen, die es, statt sich auf den Weg zur nächsten Lottoannahmestelle zu machen, bevorzugen, das Glück um 6 aus 49 vom heimischen Computer oder mobilen Endgerät aus herauszufordern.

Wer sich entscheidet online zu tippen, sieht sich einer Vielzahl von Anbietern gegenüber. Nach gültiger Rechtslage ist für deutsche Lotterieteilnehmer aber ausschließlich der Staat als Inhaber des Glücksspielmonopols unter Lotto.de der richtige Ansprechpartner.

Der Deutsche Lotto-und Totoblock nahm im Jahr 2017 durch den Tippscheinverkauf ungefähr 6,9 Milliarden Euro ein.

Die Hälfte der Einnahmen wird wieder in Gewinnen ausgeschüttet. Weiterhin fallen 16,7 % Lotteriesteuer an, 2,8 % fließen in die Verwaltung der Lotto-Gesellschaften, die Annahmestellen erhalten 7,5 %.

23 % der Einnahmen der staatlichen Lotterie gehen an die Bundesländer, die hiermit Ausgaben für Soziales, Kultur und Sport finanzieren.

Kein Tippspiel, sondern eine Wette

Wer sein Glück online nicht direkt bei Lotto.de, sondern über einen alternativen Anbieter herausfordert, erkennt zunächst keinen Unterschied.

Ganz wie beim Tippen auf die Ziehung im deutschen Fernsehen, macht der Spieler seine Kreuzchen auf einem Tippschein. Zusätzlich stehen Spiel 77, Super 6 und Glücksspirale zur Auswahl. Auch das Design und der Preis von 12,50 Euro lassen keinen Verdacht aufkommen, dass es sich hier nicht um echte Lottoanbieter handelt.

An der Ziehung am Mittwoch oder Samstag nimmt man dennoch nicht teil. Eine Chance auf den Lotto-Jackpot besteht nicht.

Denn die alternativen Anbieter haben keinen Zugriff auf die staatliche Lotterie, sondern bieten Wetten auf deren Ausgang an. Mit identischen Gewinnbeträgen.

Die Veranstalter sprechen in diesem Kontext von „Zweit- und Sekundärlotterien“. Umgangssprachlich werden die Tippspiele auch als „Schwarze Lotterien“ bezeichnet, da sie in Deutschland nicht legitimiert sind und am Staat vorbei operieren.

Kein Anspruch „Lotto“ gegenüber

Dementsprechend kann der Spieler keine Ansprüche gegenüber dem Lotteriebetreiber geltend machen, sondern ausschließlich gegenüber dem Anbieter der Online-Wette.

Obwohl diese Form der Online-Lotterie auf dem Vormarsch ist, ist davon auszugehen, dass sich die Gewinnausschüttungen im Gegensatz zu denen des staatlichen Lottos nicht allein durch die Einnahmen der Tippspiele finanzieren können.

Laut Betreibern sind die möglicherweise entstehenden Differenzen durch Versicherungen abgedeckt, den Spielern wird eine ordnungsgemäße Auszahlung garantiert.

Das Monopol liegt beim Staat

Während beispielsweise Großbritannien diese Wetten auf Lotterien unter strengen Auflagen lizensiert, ist der Gesetzgeber in Deutschland hier eindeutig:

Das Glücksspiel- und Lotteriemonopol liegt beim Staat, der mit den Einnahmen auch soziale und kulturelle Projekte fördert. Unternehmen, die Lotteriespiele im Internet anbieten, handeln dem Glücksspielstaatsvertrag zuwider und somit illegal.

Umsatzeinbußen durch nicht-lizensierte Konkurrenz

Georg Wacker, Lotto B.-W.
Georg Wacker, Geschäftsführer der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg (Quelle:El Magazine)

Für die staatlichen Lotterien bedeuten nicht nur die Spieler, die das Fremdangebot wahrnehmen, finanzielle Einbußen.

Auch wenn publik wird, dass der Hauptgewinn einer Sekundärlotterie geknackt wurde, gehen die Einsätze eklatant zurück: Den Spielern ist oft nicht bewusst, dass der eigentliche Jackpot des staatlichen Lottos möglicherweise noch gar nicht ausgeschüttet wurde.

Ein großer Teil der Einnahmen des staatlichen Lottos fließt an die Bundesländer, die hiermit Soziales, Sport und Kultur fördern. Georg Wacker, Geschäftsführer von Lotto Baden-Württemberg nennt Zahlen:

Im Schnitt reichen wir jeden Tag eine Million Euro an das Land Baden-Württemberg weiter.

Die privaten Unternehmen hingegen sind ausschließlich auf Gewinn ausgerichtet.

Die fälligen Abgaben auf die Einnahmen zahlen sie in Ländern wie Malta und Gibraltar, die nicht nur aufgrund der Vergabe der Lizenzen attraktiv sind, sondern auch mit besonders niedrigen Steuern locken.

Staatslotterien reagieren hochempfindlich

So warnt beispielsweise Lotto Hessen auf seiner Homepage eindringlich vor dem, abseits des staatlichen Monopols abgegebenen Tipp: Dem Spieler müsse bewusst sein, dass auch Gewinne aus illegalen Lotterien zu versteuern seien. Da der Anbieter keine Lotteriesteuer in Deutschland zahle, komme dies auf den Gewinner zu.

Spieler können in die Verantwortung genommen werden

Weiterhin beziehen sich die Warnungen auf strafrechtlich relevante Umstände: Illegales Glücksspiel kann juristisch als Vortat zur Geldwäsche angesehen werden.

Erkennen Banken, dass Gewinne von in Deutschland nicht-legalen Glücksspielanbietern auf das Konto eines ihrer Kunden überwiesen werden, sind sie verpflichtet, dies den entsprechenden Behörden als Geldwäscheverdacht zu melden.

Bislang ist nicht bekannt, ob und wie Gewinner von in Deutschland nicht legalen Lotterie-Jackpots mit dementsprechenden Konsequenzen konfrontiert wurden.

Unübersichtliche Lage – Ungewisser Ausgang

Übrig bleibt eine unübersichtliche Lage: Nach EU-Recht ist an seriösen Sekundärlotterien, die online angeboten werden, nichts auszusetzen. Der deutsche Staat verbietet sie hingegen rigoros.

Da das Internet sich nicht für Ländergrenzen interessiert, haben und nutzen die Betreiber die Möglichkeit, den deutschen Markt ganz gezielt anzusprechen und ihr Business weiter auszubauen.

Die Gewinne aus den Einsätzen der deutschen Spieler fließen aber weder durch Steuerabgaben noch durch Einzahlungen in Fonds zurück an die Gesellschaft.

Inwieweit Deutschland eine Antwort auf die offenen Fragen hinsichtlich der Online-Lotterien finden kann, zeigt sich bei der nächsten Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder im Herbst dieses Jahres.