In der vergangenen Woche schlug das Glücksspielunternehmen Wynn Resorts der Massachusetts Gaming Commission vor, dem Casino-Mogul Steve Wynn den Zutritt zu den Immobilien von Wynn Resorts zu verweigern. Die weitere Distanzierung vom Gründer und Ex-Vorstandschef ist einer von mehreren Vorschlägen, die das Unternehmen der Aufsichtsbehörde unterbreitete, um seine Lizenz beizubehalten.

Encore Boston Harbor Casino

Wynn Resorts will das Encore Casino im Juni eröffnen, bangt aber noch um die Lizenzerweiterung in Massachusetts. (Bild: Wikipedia)

Der Milliardär Steve Wynn hatte das Unternehmen vor 17 Jahren gegründet und war CEO und Vorstandschef, bis er seinen Posten Anfang 2018 wegen Missbrauchsvorfällen niederlegen musste. Er soll in seinem Unternehmen über Jahre hinweg weibliche Angestellte zu sexuellen Handlungen gezwungen haben.

Dem Unternehmen selbst wird vorgeworfen, dass die damalige Firmenpolitik die Missstände gefördert habe. Hochrangige Führungskräfte sollen Steve Wynns Handlungen gedeckt haben, seien nach Unternehmensangaben aber durchweg entlassen worden. Nachdem der Casino-Betreiber in Nevada bereits abgestraft wurde, bangt er nun noch um seine Lizenzerweiterung in Massachusetts.

Die Nevada Gaming Commission hatte von Wynn Resorts im Februar eine Strafzahlung von 20 Millionen US-Dollar gefordert. Die Mitglieder der Kommission warfen dem Unternehmen vor, es hätte nicht nur sich selbst, sondern auch der gesamten Glücksspielindustrie Nevadas massiv geschadet, indem es die Missbrauchsvorwürfe ignoriert habe.

Bei der Strafe handele es sich zwar um das bisher höchste Bußgeld, ruiniert werden solle das Unternehmen damit jedoch nicht, denn die 20 Millionen US-Dollar entsprächen nur etwas mehr als vier Prozent des weltweiten Nettoeinkommens, das Wynn Resports im Jahr 2018 weltweit erwirtschaften konnte.

Schwebt die Eröffnung des „Encore Boston Harbor“ in Gefahr?

Für den 23. Juni 2019 plant Wynn Resorts die Eröffnung seines neuen Luxus-Resorts und Casinos „Encore Boston Harbor“ in Massachusetts. Bis zur geplanten Eröffnung sind es nur noch zwei Monate. Das Personal steht bereits bereit und Gäste haben schon jetzt Zimmer gebucht.

Doch die Entscheidung, ob die Lizenz verlängert wird, ist von der Massachusetts Gaming Commission noch nicht getroffen. Derzeit prüft die Kommission noch, ob das Unternehmen die Voraussetzungen für die Lizenz, zu denen Ehrlichkeit und finanzielle Stabilität gehört, erfüllt.

Hierfür führte sie Anfang April eine dreitägige Anhörung durch, bei der sich CEO Matt Maddox unangenehmen Fragen stellen musste. In der vergangenen Woche übermittelte Wynn Resorts nun ein 49 Seiten langes Schreiben, um seine Eignung zu demonstrieren.

Hierin schlug es 13 Maßnahmen vor und schlussfolgerte, dass die Kommission feststellen werde, dass das Unternehmen:

„[…] seine fortlaufende Eignung durch klare und überzeugende Beweise nachgewiesen habe, dass die neuen Qualifikationen des Unternehmens seine Eignung belegen und dass es keine ausreichenden Belege dafür gibt, dass das Unternehmen der Kommission absichtlich falsche oder irreführende Informationen zur Verfügung gestellt hat, was gegen die Glücksspielgesetze oder -bestimmungen verstoßen würde.“

Zu den Vorschlägen, die der Massachusetts Gaming Commission unterbreitet wurden, gehört das Verbot für Steve Wynn, das Wynn Las Vegas und das Encore Las Vegas zu betreten. Ersteres hatte er selbst im Jahr 2005, letzteres im Jahr 2008 eröffnet. Zudem würde ihm der Zutritt zum Encore Boston Harbor sowie zu drei weiteren Resorts in Macau verwehrt bleiben.

Steve Wynn

Wynn Resorts erwägt ein Zutrittsverbot für Steve Wynn. (Bild: Wikipedia)

Weitere Maßnahmen von Wynn Resorts, um sexuelle Belästigungen zu verhindern

Zu den weiteren Vorschlägen von Wynn Resorts gehört, dass jeder Bericht über sexuelle Übergriffe oder Belästigungen gründlich von einem Überwachungsausschuss untersucht werde und dass jegliche disziplinarische Maßnahmen, Schlichtungen oder Kündigungen sofort der Kommission mitgeteilt werden. Der Überwachungsausschuss solle sich aus unabhängigen Vorstandsmitgliedern zusammensetzen.

Darüber hinaus sollen die Richtlinien zur Diskrimination und Belästigung jährlich von einem externen Experten überprüft werden. Neue Angestellte sollen innerhalb der ersten sechs Monate im Unternehmen ein Training zu den Themen Diskrimination und Belästigung erhalten.

Führungskräften und Vorstandsmitgliedern solle es untersagt werden, sich von einem Rechtsbeistand beraten zu lassen, der Steve Wynn vertreten hat. Zudem soll jede Zivilklage gegen Wynn Resorts der Kommission innerhalb von zehn Tagen mitgeteilt werden.

Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen ausreichen, um die Massachusetts Gaming Commission davon zu überzeugen, dass Wynn Resorts weiterhin für die Glücksspiellizenz geeignet ist, bleibt abzuwarten.