Wird das Glücksspiel mit Lotterie-Wetten in Irland bald illegal?

Veröffentlicht am: 12. Juli 2019, 03:00 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. Juli 2019, 10:32 Uhr.

Irische Politiker haben in dieser Woche erneut über die Reform des Glücksspielrechts debattiert. Im Zentrum der Diskussion stand diesmal ein mögliches Verbot der in Irland populären Lotterie-Wetten, die von Buchmachern und auf Online-Plattformen angeboten werden.

Lottoschein mit Kreuzen und Stift
Wetten auf Lottozahlen könnten in Irland bald verboten werden. (Quelle: Pxhere)

Lotterie-Wetten sind Wetten auf das Ergebnis der Ziehung der irischen National-Lotterie, die jeden Mittwoch und Samstag stattfindet. Im Gegensatz zur staatlichen National-Lotterie, werden Lotterie-Wetten von privaten Glücksspielfirmen durchgeführt, die nicht selbst an der Auslosung beteiligt sind.

Einige Buchmacher versprechen bei einem Hauptgewinn sogar eine Gewinnauszahlung in Höhe des aktuellen Lotterie-Jackpots.

Abgeordnete bezweifeln sozialen Nutzen

Das irische Justiz-Komitee, welches bis 2020 ein neues Gesetzeswerk für Glücksspiel verankern will, bemängelte in seiner Sitzung vor allem die fehlende soziale Komponente der lotto-ähnlichen Wettangebote.

Während die National-Lotterie jährlich bis zu 110 Millionen Euro für soziale Zwecke, wie Gesundheits- und Freizeitprogramme zur Verfügung stellten, leisteten die privaten Wetten auf Lotto-Ergebnisse keinen Beitrag zum gemeinschaftlichen Wohl. Dem Staat und seinen karitativen Projekten entgingen dadurch Millionenbeträge.

So verteilen sich die Einnahmen aus der irischen Nationallotterie

Wie die Einnahmen der staatlichen Lotterie Irlands verteilt werden, ist gesetzlich geregelt. 57 Cent eines jeden eingenommenen Euros werden in Form von Preisen ausgezahlt. 28 Cent fließen zu karitativen Programmen. 6 Cent gehen an die Lotterie-Verkäufer und 9 Cent werden für Administrationsgebühren und Steuern veranschlagt.

Auch in Deutschland ist die Verteilung von Lottoeinnahmen gesetzlich geregelt. So werden 50 % der Einkünfte ausgespielt. 23 % der Einnahmen fließen zurück an die Bundesländer, die die Gelder schließlich an gemeinnützige Projekte verteilen. 16,7 % entfallen auf die Lotteriesteuer, sowie 7,5 % für die Provisionen der Lottoannahmestellen. 2,8 % der Gesamteinnahmen werden den Verwaltungen der Lotto-Gesellschaften zur Verfügung gestellt.

Vertreter der konservativen Fianna Fáil-Partei im Parlament befürworten ein mögliches Verbot nicht nur mit dem Fehlen eines sozialen Beitrags. Sie sehen in den Anbietern der Lotterie-Wetten „Offshore, Online-Spekulanten, die Wetten auf die Ergebnisse der National-Lotterie“ offerierten.

 

Die Buchmacher wehren sich

Wie der staatliche irische Sender RTE berichtete (Link auf Englisch), regt sich bei den Buchmachern des Landes Unmut über die Verbots-Debatte. Kein Wunder, machen die Wetten doch 10 % der Umsätze in landbasierten Wettbüros und 5 % der Umsätze ihrer Online-Seiten aus.

Doch nicht allein der potenzielle Umsatzrückgang zähle für die Buchmacher, sondern die drohende Ausweitung des staatlichen Glückspielmonopols, so Sharon Byrne, Vorsitzende der Interessengruppe „Irish Bookmakers Association“:

“Wenn diese Änderung durchgeht, wird sie nur dazu dienen, ein Monopol durch fehlgeleitete Gesetze auszuweiten. Unser Produkt unterscheidet sich grundlegend von der nationalen Lotterie, da Leute bereits ab 5 Cent auf einzelne Zahlen und auf bis zu 5 Zahlen setzen können. Dies gibt es mittlerweile seit 25 Jahren.“

Die Tradition und die Unterscheidung der Angebote sind nicht die einzigen Argumente der Buchmacher-Vereinigung. Jährlich führe die Glücksspielbranche mehr als 100 Millionen Euro an Steuergeldern ab und unterstütze den Gambling Awareness Trust, der Suchtpräventionskampagnen zugutekomme.

Sollten die Lotterie-Wetten wegfallen, könnten sich sowohl Fondgelder als auch Steuerabgaben deutlich verringen. Überdies drohe ein Wegfall von Arbeitsplätzen.

 

Ein Dauerthema in Irland und Großbritannien

Lotterie-Wetten wurden in Irland in den letzten Jahren immer wieder kontrovers diskutiert. Bereits im Februar 2018 forderte der irische Lotteriebetreiber Premier Lotteries Ireland die Regierung dazu auf, die Wetten zu unterbinden. Bislang die Politik in der Angelegenheit allerdings untätig.

Eine Relevanz schien das Thema auch in Großbritannien zu haben. Dort beschloss die Regierung im Winter 2017 alle Wetten auf die EuroMillions-Lotterie zu verbieten, da die Ziehung der Zahlen außerhalb von Großbritannien stattfindet.

In Deutschland bewerten offizielle Lottobetriebe die Anbieter der Lotteriewetten als „Produktpiraten“, die dem Gemeinwohl und dem Staat schadeten. Da die Unternehmen zumeist keine deutsche Glücksspiellizenz besäßen, seien Gewinnauszahlungen zudem nicht garantiert.