Passend zum Start der Bundesliga-Rückrunde veröffentlichten DFL und DFB aktuelle Daten und Fakten über den Einsatz des Videobeweises in der vorigen und aktuellen Saison. Neben 40 verhinderten Fehlentscheidungen standen dabei auch die Dauer und Häufigkeit der jeweiligen Eingriffe sowie die verlängerte Nettospielzeit im Fokus. Wir schauen des Weiteren auf die Sicht der Fußballfans und die Auswirkungen auf Sportwetten.

Deutscher Fußball

VAR in der Bundesliga sehr erfolgreich (Bild: Pixabay)

Das zweite Jahr mit VAR

Die Bundesliga ist in vollem Gange und an jedem Spieltag ist allerhöchste Konzentration gefordert, sowohl von den Spielern auf dem Feld als auch von den Schiedsrichtern und Linienrichtern, die im Stadion dafür sorgen sollen, dass alles korrekt abläuft.

Je nach Austragungsort, zum Teil Hunderte Kilometer entfernt, sitzen im „Kölner Keller“ seit 2017 ausgebildete Video-Assistenten vor ihren Monitoren, die das Spielgeschehen zusätzlich mit Adleraugen verfolgen.

Dort im Cologne Broadcasting Center werden für jedes Spiel zwei Video-Assistenten plus zwei Kameraspezialisten eingesetzt. Diesen stehen 21 Kameras zur Verfügung, um innerhalb von Sekunden die richtigen Bilder zur endgültigen Entscheidungsfindung bereitzustellen.

Per Funk können die Video-Assistenten mit den Schiedsrichtern auf dem Platz in Kontakt treten, was von beiden Seiten aus initiiert werden kann. Möchte der Schiedsrichter vor Ort eine Klärung, kann er um Videomaterial bitten. Fällt den Video-Assistenten ein Fehler auf, können Sie aus der Ferne eingreifen.

Dies habe in der aktuellen Saison hervorragend funktioniert, so die DFL. Sowohl der Funkverkehr als auch die Handhabung der vielen Kameras seien sehr zuverlässig und von großem Erfolg gekrönt gewesen. Auch seien die Beteiligten ganz nach dem Motto „Übung macht den Meister“ mit jedem Spiel besser in der Lage, die Technologie flüssig zu bedienen.

Gerade in puncto Abseits habe man dank der kalibrierten Abseitslinie sehr schnell für eindeutige Klärung fraglicher Situationen sorgen können. Für die Zuschauer vor dem Fernseher wurden dabei seit dieser Saison bei jedem Eingriff die entsprechenden Begründungen und Hintergrundinformationen auch per Texteinblendung bereitgestellt.

Erstmals kam der VAR im Fußball während der United-Soccer League Saison 2016 in den USA und Kanada zum Einsatz. Es folgte Australien mit der A-League im April 2017. Bei uns in Europa waren jedoch die Niederländer die Vorreiter und setzen die Technologie bereits bei ihren Pokalspielen 16/17 ein. Allerdings stehen unseren Nachbarn weniger finanzielle Mittel zum Ausbau des Videobeweises zur Verfügung, weshalb dieser dort noch immer auf acht Kameraperspektiven beschränkt ist und auch keine Abseitssituationen geprüft werden.

Die Zahlen der laufenden Saison

In der Bundesliga Hinrunde wurden 153 Spiele ausgetragen. Die Video Referees haben dabei insgesamt 879 Spielsituationen überprüft, was einen Durchschnitt von 5,7 Überprüfungen pro Spiel ergibt.

Nur in 248 der überprüften Situationen kam es zu einer Kommunikation zwischen den Video-Assistenten und den Schiedsrichtern im Stadion. In 192 dieser Fälle wurde die Schiedsrichter-Entscheidung durch die Video Referees bestätigt, in 56 Fällen wurde eingegriffen.

Statistisch gesehen kam es so nur alle zwei bis drei Spiele zu einem tatsächlichen Eingriff der Video-Assistenten. Mit einer Ausnahme wurden alle den Interventionen folgenden Entscheidungen im Nachhinein als korrekt erklärt.

Die DFL kam somit auf insgesamt 40 durch den Videobeweis korrigierte Schiedsrichter-Entscheidungen. Lediglich in zwei Fällen griffen die Assistenten nicht ein, obwohl die Situation im Nachhinein eindeutig gewesen sei.

VAR Dauer der Unterbrechung

Kaum Zeitverluste durch VAR Interventionen (Bild: DFL)

Was den oft befürchteten Zeitverlust durch VAR anbelangt, konnte positiv festgestellt werden, dass jede Intervention im Durchschnitt lediglich 60 Sekunden beträgt. In jenen Fällen, wo Schiedsrichterentscheidungen bestätigt wurden, waren es sogar durchschnittlich nur 38 Sekunden.

Auch eine verlängerte Nettospielzeit konnte für die aktuelle Saison gemessen werden. Im Vergleich zum Vorjahr konnten 44 Sekunden gewonnen werden. Im Vierjahresvergleich konnte sich die Nettospielzeit sogar um 2 Minuten und 10 Sekunden erhöhen (auf aktuell 57,47 Minuten).

Bessere Technik, bessere Ausbildung

Die Bundesliga ist überaus zufrieden mit dem Einsatz des VAR und den bisher erzielten Erfolgen. Insbesondere DFB-Videochef Jochen Drees sieht der Zukunft des VAR sehr positiv entgegen. Dabei betonte er aber auch, dass das System derzeit weder perfekt sei, noch man innerhalb der nächsten paar Jahre Perfektion erwarten solle.

So bezeichnete er den Videobeweis als „Projekt, dass derzeit weltweit Anwendung findet“. Dabei sagte er ebenfalls ganz deutlich, dass man die Technologie behalten werde. Nichtsdestotrotz bestehe großer Verbesserungsbedarf, gerade im Bereich der Kommunikation zwischen den Video-Assistenten und den Schiedsrichtern im Stadion:

Wir müssen wieder mehr über die Qualität der Schiedsrichter und der Schiedsrichter-Entscheidungen diskutieren und weniger sagen, […] dass der Video-Assistent ein Spiel besser machen muss, als es der Schiedsrichter gemacht hätte. Wenn sich eine Diskrepanz auf tut in der Wahrnehmung und in der Ansicht der Bilder, gibt es immer eine Kommunikation, die durchaus noch verbesserungswürdig ist. Das ist ein großes Thema, an dem wir dran sind, um die Schiedsrichter in der Hinsicht zu schulen, weil da macht noch jeder das, was er will.

Derzeit werden weitere Schiedsrichter der 2. Bundesliga und die Assistenten der Bundesliga gezielt ausgebildet. Für die nächste Saison erwartet man bereits eine höhere Zahl qualifizierter Kräfte.

Ebenfalls planen DFB und DFL die Transparenz des Videobeweises auch für die Zuschauer in den Stadien zu erhöhen. Die Schiedsrichter sollen auf dem Feld die Möglichkeit erhalten, sich nach Hinzuziehung des Videobeweises per Mikrophon erklärend äußern zu können.

VAR zum Teil von Fans kritisiert

Einige Fußballfans zeigen sich jedoch trotz der statistischen Vorteile wenig beeindruckt vom Videobeweis in der Bundesliga. Eine gängige Beschwerde ist, dass durch die VAR-Unterbrechung dem Fußballgeschehen etwas an Natürlichkeit genommen wird.

Man könne seinem Jubel oder auch seiner Empörung weniger „freien Lauf“ lassen, wenn der Schiedsrichter nach initialer Entscheidungsfindung noch einmal alles aus der Videoperspektive sehen müsse.

Manche Fußballfans kritisieren aber vor allem die praktische Umsetzung, die seit der Einführung 2017 durchaus den ein oder anderen Fehler mit sich brachte. Die deutschen Schiedsrichter seien nicht kompetent oder geschult genug, heißt es oft. In den USA beispielsweise laufe der VAR aufgrund der besseren Ausbildung deutlich reibungsloser.

Nachteil für Sportwetten?

Trotz einiger missmutiger Stimmen gibt es auch eine große Anzahl von Fußballfans, die den VAR besonders wegen der erhöhten Anzahl fairer Entscheidungen schätzen. Dies gilt auch besonders für jene, die gern Sportwetten auf Partien platzieren. So sei das Verlieren einer Wette umso ärgerlicher, wenn dieses auf einer klaren Fehlentscheidung im Spiel basiere.

Grundsätzlich gilt bei Buchmachern, dass das Gewinnen oder der Verlust einer Sportwette dann entschieden ist, wenn das erreichte Ergebnis bestätigt und unumkehrbar ist. Wer beispielsweise auf den Sieg eines Teams setzt, gewinnt oder verliert seine Wette nach dem Schlusspfiff.

Wer beispielsweise auf eine Mindestanzahl der im Spiel erzielten Tore wettet, gewinnt auch schon mitten im Spiel, sobald die Tore endgültig bestätigt sind, was die Beratschlagungen der Schiedsrichter oder den VAR-Einsatz mit einrechnet.

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Keine Online Wetten während unklarer Spielsituationen möglich (Bild: Casino.org)

Für Online Wetten gilt hier, dass in der Schwebephase zwischen vermeintlichem Tor und der endgültigen Bestätigung oder Ablehnung, die Partie auf den Wettseiten oder Apps der Buchmacher zunächst einfriert. Wetten können in dieser Phase nicht geändert oder neu abgeschlossen werden.

Die Entscheidung mit oder ohne VAR muss ohnehin schnell fallen und kann dann im Nachhinein nicht widerrufen werden. Für Sportwetten bedeutet das, dass einmal ausgezahlte Gewinne von den Buchmachern nicht zurückgefordert werden können. Umgekehrt können aber auch die Wettenden ihren durch eine Fehlentscheidung verlorenen Einsatz nicht zurückerhalten.

Ausnahmen wären, wenn tatsächlich durch einen skandalösen Vorfall ein Ergebnis nach dem Spiel widerrufen werden müsste. Dies beispielsweise kam in der Vergangenheit in anderen Sportarten bei Dopingfällen vor. Hier liegt es im Ermessen des Buchmachers, ob verlorene Wetten ungültig gemacht werden und die Einsätze entsprechend erstattet werden.

Tatsache ist, wer sich ein möglichst faires Spiel mit korrekten Schiedsrichter-Entscheidungen wünscht und seine Wetten auf dieser Basis platzieren und gewinnen möchte, dem kann der VAR diesen Wunsch ein großes Stück weit erfüllen. Indes hat der Videobeweis eine fast komplette Bundesliga Rückrunde Zeit, sich zu beweisen.