Dank Mathematik aufs richtige Pferd setzen? Neue Studie enthüllt Strategie

Veröffentlicht am: 6. Dezember 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. Dezember 2020, 04:48 Uhr.

Quoten, Gewinnchancen, Einsätze – beim Wetten dreht sich alles um Zahlen. Doch lassen sich Gewinner eines Spiels oder Rennens durch reine Mathematik errechnen? Laut Amandine Aftalion, einer Mathematikprofessorin an der Pariser Elite-Hochschule für Sozialwissenschaften (EHESS), sei dies zumindest im Pferderennsport denkbar.

Rennpferde
Lässt sich die ideale Rennstrategie individuell errechnen? (Bild: Pikist)

Gemeinsam mit ihrem Forschungskollegen Quentin Mercier hat Aftalion zu diesem Thema eine Studie mit dem Titel „Optimale Geschwindigkeit in Vollblut-Pferderennen“ (Optimal Speed in Thoroughbred Horse Racing) erstellt. Diese wurde am 2. Dezember in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht [Seite auf Englisch].

Individueller Ansatz statt Pausschallösung

Das Ziel der Studie sei gewesen, ein mathematisches Modell zu erstellen, anhand dessen sich die ideale Kräfteeinteilung eines Pferdes in Bezug auf seine Renngeschwindigkeit errechnen lasse.

Die Forscher hätten dazu die Daten der französischen Pferderennsport-Aufsicht France Galop von verschiedenen Rennen auf der Rennstrecke Chantilly analysiert. Dabei seien entscheidende Parameter aus den Bereichen Mechanik, aerobe und anaerobe Energetik und Bewegungskontrolle aufgefallen.

Anhand dieser Faktoren und unter Berücksichtigung der individuellen biologischen Daten eines Pferdes sowie der geografischen Faktoren der jeweiligen Rennstrecke lasse sich die ideale Rennstrategie errechnen.

Ein Großteil der Trainer und Jockeys setze auf die Strategie, einen schnellen Start hinzulegen, dann etwas zu verlangsamen, um Energien für den Endspurt aufzuheben. Bei scharfen Kurven oder stark abfallenden Hängen werde in der Regel die Geschwindigkeit verlangsamt. Das Ergebnis der Studie deute jedoch daraufhin, dass dies nicht die optimale Strategie darstelle.

Grundsätzlich seien die Forscher zu dem Schluss gekommen, dass ein möglichst schneller Start ratsam sei. Dies gelte jedoch nicht für Pferde, denen es schwerer falle, anaerobe Energie zu produzieren. Ein Anzeichen dafür sei, wenn ein Rennpferd stets auf den letzten Metern stark an Geschwindigkeit verliere.

Auch sei es nicht grundsätzlich notwendig, ein Rennpferd in Kurven oder bei Anstieg und Gefälle zu verlangsamen. Vielmehr sollte verstanden werden, wie derartige Gegebenheiten sich auf das Rennen insgesamt auswirken können, um die Pferde dementsprechend gezielter zu trainieren.

Fern der Praxis und der Leidenschaft für den Sport?

Ob sich Jockey, Trainer oder Zuschauer auf Grundlage des Modells künftig wirklich vor die Taschenrechner setzen, bleibt jedoch zweifelhaft. Laut Peter Knight, einem auf Rennpferde spezialisierten Veterinär an der Universität Sydney, dürfte sich das Interesse seitens der Zuschauer des Sportes in Grenzen halten:

Vielleicht ist die wichtigste Frage: Wollen wir sowas überhaupt? Für Menschen, die Pferderennen lieben, stellt doch gerade die Ungewissheit den Reiz dar. Und das eigentliche Rennen der Pferde bietet ein Schauspiel und Schönheit.

Ohnehin seien der Branche in der Vergangenheit schon zahlreiche Theorien vorgelegt worden. Da keine davon in der Praxis Erfolg gezeigt habe, würden neue Modelle eher belächelt. So gebe es schließlich auch bei Pferden eine Tagesform sowie unvorhersagbare psychologische Einflussfaktoren.