800.000 Dollar verzockt: Parkinson-Medikament macht Australier sex- und spielsüchtig

Veröffentlicht am: 3. Oktober 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. Oktober 2020, 12:05 Uhr.

Ein zur Behandlung von Morbus Parkinson eingesetzter Wirkstoff kann schwere Impulskontrollstörungen wie Hypersexualität und Spielsucht hervorrufen. Dem australischen The Chronicle gegenüber schilderte nun ein Betroffener, wie er durch die Nebenwirkungen des Medikaments Sifrol neben Haus und Hof auch seine Familie verloren hat.

Schwarzweißbild Frau Netzstrümpfe
Nach Einnahme des Medikaments hatte der Mann ungeahnte Gelüste entwickelt (Quelle:unsplash.com/Artem Labunsky)

Ein Leben in Scherben

Er schäme sich sehr, so Peter Ajaka im Gespräch mit dem Chronicle. Bis zu seiner Parkinson-Diagnose im Jahr 2010 habe er ein perfektes Leben geführt. Er sei finanziell gut aufgestellt und Teil einer glücklichen Familie gewesen.

Heute sei die Familie zerbrochen, alle Ersparnisse verloren. Grund hierfür seien massive Wesensveränderungen des heute 60-Jährigen gewesen. Diese, so weiß der Mann aus Sydney heute, waren von dem Parkinson-Medikament Sifrol hervorgerufen worden.

Ajaka, der zuvor nie einen Hang zu exzessivem Verhalten gezeigt hatte, entwickelte ein starkes Verlangen nach Glücksspiel, Alkohol, hartem Sex und lebte dieses uneingeschränkt aus.

Der Wirkstoff des Medikaments Sifrol, Pramipexol, ist ein sogenannter Dopaminagonist. Er wirkt im Gehirn auf die Rezeptoren des sogenannten Glückshormons Dopamin. Je nach Stadium der Morbus-Parkinson-Erkrankung, die durch das vornehmliche Absterben von Dopamin produzierenden Nervenzellen gekennzeichnet ist, hemmt oder verstärkt Pramipexol die Dopaminsynthese und -freisetzung. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt Pramipexol bei Parkinson-Patienten unter 70 Jahren als Standardtherapie.

„Paranoid und unbesiegbar“

Statt einem gelegentlichen Glas Wein zum Essen, habe er nun täglich eine Flasche Scotch geleert. Als seine Frau sich dem immer häufiger und aggressiver werdenden Sex verweigert habe, sei er dazu übergegangen, drei- bis viermal wöchentlich Bordelle aufzusuchen. Seine Nächte habe er in Casinos verbracht.

Während er zuvor lediglich selten am Automaten gespielt habe, habe er auch vom Glücksspiel plötzlich nicht mehr genug bekommen können:

Ich habe pro Nacht bis zu 10.000 Dollar [ca. 6.120 Euro, Anm. d. Verf.] verjubelt. Dann bin ich hochgegangen, habe ein oder zwei Frauen beim Sex dominiert und bin dann zurück und habe weitergespielt. Ich habe mich gleichzeitig verfolgt und unbesiegbar gefühlt. Mir war nicht klar, dass das an dem Parkinson-Medikament lag.

Insgesamt habe er so umgerechnet knapp eine halbe Million Euro durchgebracht. Es habe lange gedauert, so Ajaka heute, bis „der Groschen gefallen“ sei, dass sein Verhalten im Zusammenhang mit seiner Parkinson-Behandlung stehen könnte.

Tatsächlich hatte ihn sein behandelnder Arzt Prof. Simon Lewis, Professor der Kognitiven Neurowissenschaft an der Universität von Sydney, über mögliche Nebenwirkungen informiert, bevor er ihm Sifrol verschrieben hatte.

Gegenüber australischen Medien erneuerte Prof. Lewis seine Aufklärung bezüglich des Medikaments. So seien bei Einnahme rund 15 % aller Patienten von unterschiedlich stark ausgeprägten Störungen ihrer Impulskontrolle betroffen.

Diese äußerten sich unter anderem in Hypersexualität, abweichendem Sexualverhalten, dem Verlangen nach Glücksspiel und exzessivem Shopping. Nichtsdestotrotz zeigten Dopaminagonisten wie Pramipexol die bislang größte Effektivität im Umgang mit den Symptomen der Parkinson-Erkrankung.