Schweizer Studie zum Online-Glücksspiel kurz vor dem Geldspielgesetz

Veröffentlicht am: 31. Mai 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 29. Mai 2020, 02:47 Uhr.

Das Schweizer Forschungsinstitut für Suchterkrankungen GREA (Groupement Romand d’Etudes des Addictions) hat Mitte der Woche eine umfangreiche Studie über das Glücksspielverhalten der Schweizer publiziert [Originalstudie auf Französisch]. Im Fokus steht die Beteiligung am Online-Glücksspiel in den 12 Monaten vor Inkrafttreten des Geldspielgesetzes im Januar 2019.

Online-Glücksspiel, Online-Sportwetten, Betfair Webseite
Viele Schweizer zockten vor dem neuen Geldspielgesetz auf ausländischen Glücksspiel-Seiten (Bild: Flickr/Jim Makos/CC BY-ND 2.0)

Befragt wurden Personen, die mindestens einmal im besagten Zeitraum mit Echtgeld Online-Glücksspiele gespielt haben.

Die 1.666 Teilnehmer erhielten einen umfangreichen Fragenkatalog bezüglich ihrer Spielgewohnheiten und absolvierten den offiziellen Problem Gambling Severity Index-Test zur Einstufung ihres Spielverhaltens.

Demographische Grunddaten: der Durchschnittspieler

Von den befragten Online-Glücksspielern gaben 72,3 % an, männlich zu sein. Bezüglich der Altersgruppen zeigten sich keine maßgeblichen Unterschiede: 20 % der Befragten waren 18 – 29 Jahre alt;  19,3 % 30 – 39 Jahre, 24,4 % 40 – 49 Jahre; 23 %  50 – 59 Jahre und 13,3 % 60+.

Ein Großteil der Befragten erklärte zudem, einen höheren Bildungsabschluss erreicht zu haben (46,5 %) und sich derzeit in Vollzeitanstellung zu befinden (60,4 %). 48,4 % gaben an, verheiratet zu sein.

Vorwiegend legale Angebote genutzt

Während eines Großteils des für die Befragung gewählten Zeitraums war es allein den staatlichen Anbietern Swisslos und Loterie Romande erlaubt, Online-Glücksspiel anzubieten. Das betrifft Lotteriespiele, Rubbellose und staatliche Sportwetten.

Online-Casinospiele oder Online-Poker galten daher im besagten Zeitraum als illegal. Für die Befragung wurden dennoch alle online verfügbaren Glücksspiele berücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen, dass…

  • Lotteriespiele und Rubbellose von 85,1 %
  • Sportwetten von 16,3 %
  • Poker von 8,6 %
  • Wetten auf den Finanzmarkt von 5,5 %
  • Casino-Spiele von 5,3 %
  • Spielautomaten von 5 %
  • E-Sport-Wetten von 1,9 %
  • und Pferdewetten von 1,5 %

der Befragten online genutzt wurden.

Im Hinblick auf die bis dato grundsätzlich legalen Online-Glücksspiele zeigten sich große Unterschiede bei der Wahl des Anbieters. Im Bereich Lotto/Rubbellose spielten 96,7 % bei staatlichen Anbietern, 1,7 % nur auf ausländischen Seiten und 1,6 % bei beidem.

Sportwetten hingegen wurden von 65 % der Tipper allein auf ausländischen (und damit illegalen) Webseiten platziert. Lediglich 29,5 % spielten ausschließlich bei den staatlichen Anbietern.

Online-Glücksspiel und Spielsucht

Die Studie liefert auch erstmals wegweisende Daten über den Zusammenhang zwischen Online-Glücksspielen und problematischem Spielverhalten. So ergab der PGSI-Test, dass 20,6 % der Befragten ein moderates Risiko zur Entwicklung einer Spielsucht aufwiesen. Bei 9 % galt das Risiko als erhöht.

Beunruhigend sei laut den Autoren, dass sich immerhin 28 Online-Glücksspieler unter den Befragten befanden, die auf einer offiziellen Spielersperrliste landbasierter Glücksspielanbieter registriert sind.

Zwar sei der relativ geringe Anteil „statistisch nicht relevant“, aber dennoch einer weitergehenden Untersuchung wert.

Die Verfasser raten zu einer Wiederholung der Studie innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre, um die langfristigen positiven und negativen Konsequenzen des neuen Geldspielgesetzes besser analysieren zu können.