Schweizer Spielsucht-Organisation startet Kampagne zu Online-Glücksspiel

Veröffentlicht am: 26. Oktober 2020, 03:19 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 26. Oktober 2020, 06:24 Uhr.

Die Organisation Sucht Schweiz startet am heutigen Montag ihre zweite Sensibilisierungskampagne zu Online-Glücksspielen mit dem Titel „Spielen ohne Sucht“ (SoS). Das Programm ist im Auftrag der Schweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein erstellt worden.

Chips, Game Over
Schweizer Organisation startet Kampagne gegen Spielsucht. (Bild: pixabay.com, uihere.com, casino.org)

Im Rahmen der Kampagne solle insbesondere das problematische Spielverhalten in der Coronakrise thematisiert werden. Viele Glücksspiel-Anbieter hätten während des Lockdowns sehr offensiv um Kunden geworben. Dies habe viele Menschen, insbesondere jüngere Personen, zum Einstieg ins Online-Glücksspiel motiviert.

Doch berge das Online-Spiel ein hohes Suchtpotential, da die Angebote permanent verfügbar seien und die soziale Kontrolle fehle. Betroffen seien vor allem junge Menschen, Personen niedrigem Einkommen und niedrigeren Bildungsabschlüssen.

Die Programmleiterin von Spielen ohne Sucht, Nadia Rimann, erklärt:

Sie sind besonders empfänglich für den Lockruf vom schnellen und grossen Gewinn – und die Werbung spricht sie gezielt an. Wir wissen aber auch, dass Glücksspielsucht in allen gesellschaftlichen Gruppen vorkommt.

Die Fachbereichsleiterin Sucht des Kanton St.Gallen, Martina Gadient, fügte hinzu, bei vielen Spielenden zeige es sich, dass sie bereits in jungen Jahren erstmals mit den Glücksspiel-Angeboten in Kontakt gekommen seien. Daher solle bewusst jüngeres Publikum angesprochen werden.

Spielen ohne Sucht: Die Inhalte der Kampagne

Im Jahre 2019 ließen sich 61.452 SpielerInnen von landbasierten Spielstätten und Online-Casinos ausschließen. Mit dem interkantonalen Glücksspielsuchtpräventions-Programm sollen die SpielerInnen mit dem Slogan „Informier dich, wenn das Spiel mit dir spielt“ sensibilisiert werden.

Inhalte der SoS-Kampagne

Im Rahmen der Kampagne sollen SpielerInnen auf die Inhalte der Hilfsprogramme von SoS aufmerksam gemacht werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Beratung und Hilfe in Form einer Hotline, die rund um die Uhr verfügbar ist, Online-Beratung sowie persönliche Gespräche und eine Selbsthilfe-Plattform
  • Informationen in Flyern, auf der Webseite und Guidelines zu Fragen, worauf man beim Spielen achten sollte, was bei Schulden getan werden kann und wie vorgegangen werden kann, wenn der Partner spielt
  • Sensibilisierung für das Problem durch Kampagnen, Unterrichtsmaterialien für den Unterricht in der Schule sowie Bereitstellung von Materialien für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachpersonal
  • Unterstützung von Forschungsprojekten

Darüber hinaus beinhaltet die Kampagne drei Videos zu Sportwetten, Rubbellosen und Casinospielen.

Die Organisation SoS weist darauf hin, dass bestimmte Spielarten ein besonders hohes Risiko darstellten. Dazu gehörten unter anderem Finanzmarktwetten, Sportwetten und Casinospiele.

Bemerkenswert sei die Tatsache, dass die rund 10 % der Menschen mit problematischem Spielverhalten für die Hälfte des Umsatzes bei den Glücksspielanbietern verantwortlich seien. Vom Problemspiel seien derzeit rund 192.000 Menschen in der Schweiz betroffen.