Russische Zocker setzen verstärkt auf lokale Sportwetten-Anbieter

Veröffentlicht am: 29. Oktober 2019, 01:25 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 29. Oktober 2019, 02:51 Uhr.

Russische Zocker nutzen immer häufiger lokale Sportwetten-Anbieter. Wie die russische Nachrichtenplattform Kommersant.ru unter Berufung auf eine Studie der Sberbank CIB am Montag berichtet hat, dürften Buchmacher bis zum Jahre 2022 mit einer Verdreifachung ihrer Jahresumsätze rechnen.

Eine Kirche in der Nähe des Kreml
Sportwetten-Anbieter rechnen in Russland mit höheren Umsätzen. (Quelle: Pixabay)

Anlass für die aussichtsreichen Prognosen gäbe der stetige Ausbau des legalen Sportwettenmarktes in Russland. Analysten attestieren der Branche derzeit ein Gesamtwachstum von bis zu 7 % jährlich. Allein das regulierte Online-Sportwettensegment wachse pro Jahr um bis zu 30 %.

Insgesamt, so die Experten, könne der legale Sportwettenmarkt in den nächsten zwei Jahren mehr als 1,52 Trillionen Rubel (ca. 2,15 Mrd. Euro) umsetzen. Bereits heute habe jeder zehnte Bürger in dem 144 Millionen Einwohner großen Land schon einmal bei einem Buchmacher gewettet.

So werden Sportwetten in Russland reguliert

Nachdem online- und landbasierte Glücksspiele in Russland mit Ausnahme von vier Sonderverwaltungszonen seit dem Jahre 2006 verboten waren, hatten russische Zocker lediglich die Alternative, bei internationalen Buchmachern im Ausland ihre Wetten zu platzieren.

Das Spielen und die Werbung für diese unlizenzierten Online-Sportwetten-Anbieter stehen in Russland nach wie vor unter Strafe. Um gegen ausländische Anbieter vorzugehen, nutzt die Telekommunikationsaufsicht vor allem Roskomnadzor IP-Blockaden.

Eine bedingte Änderung brachte erst das im Jahre 2014 eingeführte Konzept der „Interactive Bet“. Es bietet die Möglichkeit, Sport- und Pferdewetten bei lizenzierten, russischen Buchmachern abzuschließen. Um in Russland operieren zu dürfen, müssen diese eine Reihe von Auflagen erfüllen.

Hierzu gehört unter anderem eine durch das Finanzministerium ausgestellte Buchmacherlizenz, 100 Millionen Rubel registriertes Kapital, eine Banksicherheit in Höhe von 500 Millionen Rubel und die Mitgliedschaft in einer der zwei russischen Branchenregulierungs-Organisation.

Spieler suchen die Rechtssicherheit

Laut der Umfrage der Sberbank CIB ist trotz des vorausgesagten Umsatzwachstums nicht unmittelbar mit einer Steigerung der Spielerzahlen zu rechnen.

Vielmehr resultierten die höheren Erwartungen daher, dass immer mehr Kunden nicht-lizenzierter Wett-Plattformen bereit seien, ihr Geld bei russischen Buchmachern einzuzahlen.

Ein russischer Reisepass
Russen mussten bisher strenge Checks durchlaufen, um im eigenen Land wetten zu können. (Quelle: Pixabay)

Verantwortlich für die Bereitschaft könnten neue Gesetzesvorhaben sein, die das Wetten in Russland vereinfachen sollen. Erst im Sommer dieses Jahres hatte sich Russlands Parlament für eine Erleichterung der Registrierung für lizenzierte Buchmacher ausgesprochen.

Das komplexe Spieler-Identifikationssystem, dass bislang sowohl die Vor-Ort-Anmeldung in einem Wettbüro und beim Online-Sicherheitssystem TSUPIS notwendig macht, soll in seiner jetzigen Form abgeschafft werden.

Geplant ist ein vereinfachtes, digitales Identifikationsverfahren. Hierdurch könnten die Spielerkontrollen nicht nur simpler, sondern auch günstiger werden. Schließlich benötigten Buchmacher womöglich weniger landbasierte Einrichtungen, die derzeit noch zur Verifikation von Kunden benötigt werden.

Die Sportwetten-Betreiber erhoffen sich von der Reformierung der Kontrollen eine Umsatzsteigerung zwischen 15 und 20 %. Wie Kommersant.ru meldet, beziffere allein der Buchmacher Parimatch die Zuwanderungszahlen der Spieler auf 7 bis 10 %.

Russland erlaubt neue Glücksspiel-Zone

Während Banken in den nächsten Jahren mit einer sprunghaften Entwicklung der Sportwetten-Branche rechnen, die vor allem vom positiven Einfluss der legalen Online-Wetten profitieren könnte, kann auch die landbasierte Glücksspiel-Branche in Russland auf eine bessere Zukunft hoffen.

Nachdem Ministerpräsident Dimitri Medwedew im Winter letzten Jahres die Auflösung der Glücksspiel-Zone im südrussischen Asow angekündigt hatte, zeigten sich viele Investoren über die Zukunft des Geschäfts verunsichert.

Angstlösend dürfte da die Nachricht von der Eröffnung einer neuen Glücksspiel-Zone in Jalta wirken. Wie die russische Regierung am Montag mitgeteilt hat (Link auf Russisch), sollen an der „Goldenen Küste“ Casinos und Hotels auf ca. 14 Hektar Bauland entstehen. Auch Wettbüros der großen Buchmacher könnten dann in den Einrichtungen installiert werden.

Noch im Frühjahr 2019 hatten vor allem kriminelle Glücksspielbanden auf der Krim Schlagzeilen gemacht. Wie russische Medien berichteten, hätten Razzien lokaler Behörden ein illegales Online-Casino ausgehoben. Die Server für die illegalen Operationen sollen sich in Deutschland befunden haben.