Prozess um spielsüchtigen Vater: Wer tötete Chloe (†6) und Aubrey (†4)?

Veröffentlicht am: 24. August 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. August 2019, 06:53 Uhr.

Der Kanadier Andrew Berry (45) ist angeklagt, an Weihnachten 2017 seine beiden Töchter Aubrey (†4) und Chloe (†6) getötet zu haben. Beim Prozess in Vancouver äußerte sich der schwer spielsüchtige Mann in dieser Woche erstmals zu den Vorwürfen. Berry bestreitet die Taten und hat einen Verdacht: Für den grausamen Tod seiner Kinder soll ein ominöser Kredithai namens Paul verantwortlich sein.

Engelstatue auf Friedhof
Ein Spielsüchtiger soll in Kanada seine beiden kleinen Töchter getötet haben (Quelle:pxhere.com)

Erweiterter Selbstmord oder falsche Freunde?

Andrew Berry, Chloe und Aubrey
Hat Andrew Berry seine beiden Töchter getötet? (Quelle:twitter.com/@EmilyLazatin)

Seit Monaten (Seite auf Englisch) beschäftigt ein brutaler Kriminalfall die kanadische Öffentlichkeit. Am 25. Dezember 2017 fand die Polizei die leblosen Körper der vierjährigen Aubrey und ihrer sechsjährigen Schwester Chloe in der Wohnung ihres Vaters Andrew Berry. Er selbst lag mit Stichwunden in der Badewanne. Die Mutter der Mädchen hatte die Behörden alarmiert, nachdem Berry die Kinder nicht wie verabredet am Vortag zu ihr zurückgebracht hatte.

Während die Staatsanwaltschaft überzeugt ist, dass der Mann nach der Ermordung seiner Töchter versuchte, sich selbst zu töten, bemüht sich die Verteidigung, Zweifel unter den Geschworenen zu sähen.

Was, so die Argumentation, wenn Berry sich aufgrund seiner Spielsucht mit den falschen Leuten eingelassen habe und diese in seine Wohnung eingedrungen seien, um ihn und seine Töchter zu töten?

Dies jedenfalls scheint die Erklärung des Angeklagten, der am vergangenen Mittwoch erstmals im Zeugenstand Platz nahm. Von seinem Verteidiger befragt, schilderte Berry detailliert, wie er immer tiefer in die Spielsucht rutschte und so in Kontakt mit „Paul“ gekommen sei. Dieser Paul, dessen Nachnamen er nicht kenne, sei ein chinesischer Kredithai um die 50, der hinter dem Tod der Kinder stecke und Berry noch heute nach dem Leben trachte.

Spielsucht und Schulden

Vor Gericht beschrieb Berry, dass ihn das Glücksspiel bereits begleitet habe, als er die Mutter seiner Töchter im Februar 2009 kennenlernte. Insbesondere Sportwetten und Baccarat hätten es ihm angetan gehabt. Als die Beziehung im Jahr 2013 zerbrach, habe er, nachdem er es die Jahre zuvor eher ruhig habe angehen lassen, schnell die Kontrolle über sein Spielverhalten verloren.

River Rock Casino Vancouver
Nahm das Unglück hier seinen Anfang? Das River Rock Casino in Vancouver (Quelle:wikipedia/Arnold C)

Rund 3000 CAD habe er monatlich bei Sportwetten eingesetzt und habe immer öfter Casinos aufgesucht. Im Herbst 2015 dann ein kurzer Durchbruch: Bei einer komplizierten Wette gewann Berry knapp 100.000 CAD. Binnen weniger Monate habe er den Gewinn wieder verspielt.

Als er dann im River Rock Casino auch noch sein letztes Geld beim Baccarat verloren habe, habe er sich 10.000 CAD von Paul, den er bereits aus der Vergangenheit gekannt habe, geliehen. Leider habe sich auch danach das Glück nicht so recht einstellen wollen, weswegen sich die Schulden bei Paul im Frühjahr 2017 bereits auf eine Summe von 25.000 CAD summiert hätten.

Messerattacke aus dem Nichts?

Nachdem es immer wieder zu Verzögerungen bei der Rückzahlung gekommen sei, habe Paul ihn aufgefordert eine Tasche unbekannten Inhalts bei sich für ihn aufzubewahren. Möglicherweise seien die Geschehnisse des 25. Dezember hierauf zurückzuführen.

Angeblich, so Berry, sei er damals in seinem Schlafzimmer mit einem Messer attackiert worden, nachdem er mit den Mädchen vom Spielen nach Hause gekommen sei. Der Angreifer habe ihn in die Kehle gestochen, daraufhin sei er ohnmächtig geworden.

Nachdem er das Bewusstsein wiedererlangt habe, sei er ins Schlafzimmer der 6-jährigen Chloe gerobbt und habe das Kind tot auf dem Bett vorgefunden. Die 4-jährige Aubrey habe er nicht finden können. Als er sich dann in der Küche selbst mit einem Messer habe bewaffnen wollen, sei er erneut attackiert worden.

Seine nächste Erinnerung sei, wie er, umgeben von Polizisten, in seiner Badewanne aufgewacht sei. Im Krankenhaus habe ihn dann tiefe Verzweiflung ergriffen:

Es war nichts mehr übrig. Die Mädchen waren tot und ich war an ein Bett gefesselt. Und ich wollte einfach nur sterben. Alle dachten, ich hätte die Mädchen getötet. Jeder. Es gab keine Seele, die das nicht tat.

Probleme mit der Glaubwürdigkeit

Dass die Polizei umgehend den Vater verdächtigte, dürfte unter anderem an dem Abschiedsbrief liegen, den die Beamten am Tatort fanden. In diesem erklärte Berry, betrogen und schlecht behandelt worden zu sein, und deshalb nun mit den Kindern „zu gehen“. Dazu befragt erwiderte der Angeklagte, es handele sich hierbei um einen Brief aus einem vorangegangenen, fehlgeschlagenen Suizidversuch.

Auch dass der arbeitslose und hochverschuldete Mann bereits zuvor mit Selbstmord gedroht hatte, dürfte sich wenig positiv für ihn auswirken. Ebenso, wie die Tatsache, dass es abseits der eigenen Aussage keinen Hinweis auf die Existenz des ominösen Pauls zu geben scheint.

Die Verhandlung wird fortgesetzt. Bei Schuldspruch droht Andrew Berry eine lebenslange Freiheitsstrafe.