Mehr Eigen­verantwortung: Britischer Ex-Nationalkeeper James setzt auf Aufklärung im Umgang mit Sportwetten

Veröffentlicht am: 6. August 2019, 12:21 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 6. August 2019, 01:06 Uhr.

Der britische Ex-Nationaltorhüter David James (49) warnt vor Kontrollverlust beim Glücksspiel unter Fußballfans. Nach dem Finale des „Bet Regret Cup“, eines Charity-Turniers zur Förderung des Bewusstseins für Risiken des Glücksspiels, forderte James die Fans am Sonntag auf, beim Wetten „zweimal nachzudenken“.

Ex-Torwart David James
Der britische Ex-Nationaltorhüter David James unterstützte den Bet Regret Cup (Quelle:Gokulpoovlliyil, licensed under CC BY-SA 4.0)

Glücksspiel & Alkohol: Eine riskante Kombination

Für den ehemaligen Keeper der britischen Nationalmannschaft, David James, steht fest, dass Aufklärung und das Schaffen von Bewusstsein für die Risiken des Glücksspiels einen höheren Stellenwert einnehmen müssen, als es bisher der Fall ist.

Auch der Zusammenhang von Alkoholkonsum und unkontrolliertem Spielverhalten müsse mehr Aufmerksamkeit erfahren. Dies erklärte der 49-Jährige im Anschluss an das Finale des Wohltätigkeitsturniers Bet Regret Cup im Londoner Stadtteil Shoreditch:

Wir sprechen hier von Langeweile, Betrunkenheit und dem Versuch, Verluste auszugleichen. Ich glaube, dass gerade das Trinken immer Relevanz hat, weil viele Jungs in ihre Stammlokale gehen, um dort Fußballspiele anzusehen. Es ist so einfach, sich auf Wetten einzulassen, die man nachher bereut. Diese Botschaft muss verbreitet werden.

Über Wochen waren insgesamt 170 Teams in ganz Großbritannien beim Bet Regret Cup unter dem Motto „Be Gamble Aware“ gegeneinander angetreten.

Bet Regret Cup mit prominenter Unterstützung

Die besten Mannschaften schafften es am Sonntag in die Powerleague Shoreditch, ein Kleinfeld-Fußballgelände im Londoner Stadtbezirk Hackney. Hier trafen sie auf ein Team namhafter Ex-Fußballer, die sich ebenfalls dem Spiel um den guten Zweck angeschlossen hatten. Darunter auch die ehemaligen Nationalspieler Paul Konchesky (38), Carlton Cole (35), Shaun Wright-Phillips (38) und Joleon Lescott (36).

Im Anschluss an das Turnier stellte sich David James, der als dritter Rechtsverteidiger auf dem Platz gestanden hatte, den Fragen der anwesenden Presse.

Er verwies darauf, dass auch er im Bekanntenkreis mit Problemen in Bezug auf das Glücksspiel in Berührung gekommen sei. Gleichzeitig betonte er die Verantwortung des Einzelnen in Bezug auf das eigene Spielverhalten.

GambleAware ist eine unabhängige britische Wohltätigkeitsorganisation, die sich Erforschung, Prävention und Hilfsangeboten in Bezug auf das Glücksspiel verschrieben hat. Im Februar 2019 startete GambleAware mit Unterstützung der britischen Regierung die Initiative „Bet Regret“. Diese soll dazu dienen, unter Briten ein umfassenderes Bewusstsein für das eigene Spielverhalten und das anderer zu schaffen.

Als „Bet Regret“ bezeichnet die Organisation „das Gefühl, das sich einstellt, wenn man eine Wette platziert ohne nachzudenken platziert hat. Dies geschieht oft beim Versuch, Verluste auszugleichen oder wenn Leute gelangweilt oder angetrunken sind“.

Wer trägt die Verantwortung?

In der Diskussion über Risiken des Glücksspiels stehen gerade in Großbritannien regelmäßig die Werbemaßnahmen der Glücksspielanbieter und Buchmacher in der Kritik. In seinem Statement verwies auch James darauf, dass man mittlerweile bei Live-Übertragungen im TV kaum noch um Werbespots großer Anbieter herumkommt, da diese regelmäßig die Werbeplätze 30 Sekunden vor Anstoß einnähmen.

Dennoch, so der Fußballer, ginge es nicht um die Betreiber. Diese wollten schließlich Geld verdienen. Hieran sei nichts auszusetzen, solange sie sich innerhalb der rechtlichen Vorgaben bewegten. Schließlich bewürben auch Supermärkte tagtäglich ihre Produkte, ohne dass jemand gezwungen sei, diese zu kaufen.

Laut James müsse es vielmehr darum gehen, bei jedem Einzelnen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Verantwortung, sich für oder gegen das Spielen zu entscheiden, bei ihm selbst liege:

Wenn Werbungen gut gemacht sind, ist das verlockend, aber es geht nicht darum, ob man wettet oder nicht. Es geht darum, sich zu kontrollieren, zweimal nachzudenken.

Zugleich wies der Ex-Torhüter auf die vielen Spieler hin, die verantwortungsvoll auf Sportereignisse wetteten. Diesen würde er den Spaß nicht durch Verbote nehmen wollen.

Keine einfachen Antworten

Mit seiner Haltung steht David James exemplarisch für die schwierige Situation, die die Auseinandersetzung mit Glücksspiel, Spielsucht und Spielerschutz bedeutet. Zweifellos ist das Eintreten eines Sportlers mit der Reichweite James` für einen bewussten Umgang mit Glücksspiel und Sportwetten, vorbildlich.

Inwieweit der Verweis auf die Verantwortung des Einzelnen aber denjenigen helfen kann, die gefährdet sind, die Kontrolle über ihr Spielverhalten zu verlieren oder bereits unter einen Spielsucht leiden, dürfte fraglich sein.