Neue Glücksspiel-Studie: So spielt Irland

Veröffentlicht am: 28. Februar 2019, 01:52 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. Februar 2019, 06:31 Uhr.

Das irische Gesundheitsministerium hat diese Woche neue Zahlen zum Spielverhalten der Landesbevölkerung veröffentlicht. Die Glücksspiel-Studie, an der 7.005 Teilnehmer ab einem Alter von 15 Jahren partizipierten, wurde zwischen August 2014 und August 2015 vorgenommen und förderte einige überraschende Zahlen zutage.

Spielkarten mit Koenig
Das irische Gesundheitsministerium hat eine neue Glücksspielstudie veröffentlicht. (Quelle: Pixabay)

So nahmen im Untersuchungszeitraum 64,5 % der Iren wenigstens an irgendeiner Form des Glücksspiels teil. 41,4 % der Befragten spielten sogar monatlich.

Diese Zahlen sind vergleichsweise hoch. Laut einem Bericht des Handelsblatt Research Institut spielten in der Bundesrepublik zwischen 2007 und 2015 gerade einmal 35,4 % der Deutschen.

Ungewöhnlich hoch war auch die Quote der minderjährigen irischen Glücksspielteilnehmer. Nach dem Report kaufte mindestens einer von zehn Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren ein Lotterie- oder Rubbellos.

9,4 % der Altersgruppe platzierten im Untersuchungszeitraum eine Wette auf ein Hunde- oder Pferderennen.

Ein beunruhigendes Ausmaß. Immerhin ist Glücksspiel laut dem Lotteries Act 1931 für Personen unter 18 Jahren nicht gestattet.

So wird Glücksspiel in Irland reguliert

Irland hat ein relativ schwer durchschaubares Glücksspielgesetz, dessen Regelungen in den „Lottery Acts“ von 1931, 1956 und 2013 geschrieben stehen. Außerdem gibt es in Irland verschiedene Lizenzbehörden.

In den Gesetzen (Acts) wurde festgehalten, welche Formen des Glücksspiels erlaubt sein sollen. Darunter fallen landbasierte Casinospiele, Wetten und Lotterien. Während Casinospiele über das Bezirksgericht (The District Court) reguliert werden, wird die Lotterie vom nationalen Lotterie-Regulator (Regulator of National Lottery) kontrolliert. Buchmacher werden über den Revenue Commissioner reguliert.

So spielen die Iren

Auf der grünen Insel ist die Lotterie die beliebteste landbasierte Glücksspielvariante. 56,7 % der Studienteilnehmer spielten die Lotterie oder kauften ein Rubbellos des nationalen Lotterieanbieters.

Mit lediglich 3 % blieb die Zahl derer, die Online-Lotterien spielten, gering.

Wenn die Iren ihr Glück nicht beim Lotto versuchen, platzieren sie Wetten in Wettbüros. 15,3 % gaben an, eine Wette bei einem Buchmacher abgegeben zu haben. Mit 12,7 % waren Veranstaltungen auf Pferde- und Hunderennbahnen die favorisierten Wettanlässe der Inselbewohner.

Im Verhältnis dazu waren Slot Maschinen und Bingo wenig populär. Nur 4,3 % der Interviewten zockten an Automaten oder spielten Bingo.

Einen großen Bogen machten die Irländer auch um Casinos. Nur 2,8 % besuchten eine Spielbank. Lieber veranstalten sie Echtgeldspiele mit Freunden oder der Familie. Stolze 7,8 % gaben zu, mit ihren Liebsten bei Glücksspielen um Geld zu konkurrieren.

Alters und Geschlechtsunterschiede

Die Untersuchung gibt nicht nur Auskunft über die begehrtesten Glücksspiele der Iren, sondern auch über Alter und das geschlechtsspezifische Spielverhalten.

Studiendeckblatt in lila
Das Deckblatt der neuen Studie. Die Untersuchungen wurden schon vor Jahren angestellt. (Quelle: casino.org)

Insgesamt dominierte der Personenkreis der 55 bis 64-Jährigen das Spielgeschehen. Unter ihnen spielten 72,4 % der Umfragebeteiligten. Gefolgt werden sie von der Gruppe der 35 bis 44-Jährigen, deren Spieleranteil bei 70,5 % lag.

Männer spielten in Irland häufiger als Frauen. Mit 72,7 % sind es vor allem die 55 bis 64-jährigen Männer, die den Glücksspielunternehmen ein gutes Geschäft bescheren. In diesem Alter spielen auch die Damen besonders gern. 46,7 % der befragten Frauen gab an, an einer beliebigen Variante des Glücksspiels teilgenommen zu haben.

Außer dem Kauf von Lotterie- und Rubbellosen ist bei den Männern der besagten Altersgruppe besonders das Platzieren von Wetten auf Hunde- und Pferderennen ein beliebter Zeitvertreib. Damen zwischen 55 und 64 bevorzugen hingegen Bingo-Spiele.

Im Vergleich mit den Deutschen zeigt sich damit ein deutlicher Trend: Die Iren spielen mehr.

Der Anteil der Glücksspielteilnahme in Deutschland lag laut einer Rundfrage aus dem Jahr 2015 bei Männern über alle Altersgruppen hinweg zwischen 42 % und 47 %. Bei den deutschen Damen ist der Spielanteil bei den 36 bis 46-Jährigen mit 34,9 % am höchsten gewesen.

So viel Geld gaben die Iren für Glücksspiel aus

In der Untersuchung des Gesundheitsministeriums wurde auch danach gefragt, wie viel Geld die Iren für das Glücksspiel ausgaben. Besonders die Gruppe derer, die mehr als 250 Euro jährlich in das Spielen investierten, waren für die Forscher interessant.

Sie gaben, egal ob männlich oder weiblich, den Großteil ihres Spiel-Budges für Lotterielose und Rubbelose aus (11,2 %). Speziell die Männer und Frauen im Alter über 65 Jahren waren dazu bereit, mehr Geld für Glücksspiel auszugeben.

Auch die Berufsgruppenzugehörigkeit hat nach dem Bericht einen Einfluss auf das Spielverhalten und die damit verbundenen Ausgaben.

So gäben Personen mit Beschäftigung im mittleren Management, dem öffentlichen Dienst oder der Selbstständigkeit häufiger Geld für Glücksspiel aus als unqualifizierte Arbeiter, Auszubildende und Praktikanten.

Problemspieler

Logo National Lottery
Das Logo der Nationallotterie Irlands. Sie ist überaus beliebt bei Spielern. (Quelle: Wikipedia)

Die Umfrage ließ Schlüsse über die Anzahl von in Irland lebenden Problemspielern zu. Sie ist im Vergleich mit Deutschland hoch. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung lag der Prozentsatz der Problemspieler bei 0,42 %. In Irland waren es im Studienzeitraum 1,42 %.

Die Studie zeigt, dass Glücksspiel im Leben der Iren eine größere Rolle zu spielen scheint als im Leben der Deutschen. Die Digitalisierung des Glücksspiel und die steigende Popularität von Online Casinos in Irland dürften dieser Tendenz weiter Vorschub leisten.