Schweiz: Anstieg bei Glücksspiel­sucht und Spiel­sperren verzeichnet

Veröffentlicht am: 20. September 2021, 12:17 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 20. September 2021, 03:46 Uhr.

Die Schweiz verzeichnet einen Anstieg der Glücksspielsucht im Land. Einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung vom Wochenende zufolge wuchs die Zahl der Spielsperren im Jahr 2020 auf 10.000.

Mann Trauer
Die Zahl der Spielsüchtigen in der Schweiz hat zugenommen (Symbolbild: Pixabay/Holger Langmaier)

Im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren sei dies ein erheblicher Zuwachs, so die NZZ. Laut Marjorie Perusset, Sprecherin der Eidgenössischen Spielbankenkommission ESBK, seien es zuvor im Durchschnitt lediglich rund 4.000 Spielsperren pro Jahr gewesen.

Ein Hauptgrund sei die massive Zunahme des Online-Glücksspiels in der Schweiz. Dieses habe im Zuge der Corona-Pandemie erheblich zulasten der terrestrischen Casinos zugelegt.

Markus Meury, Mediensprecher der Organisation Sucht Schweiz, warnte in der Zeitung vor der größeren Gefahr von Online-Spielbanken. In diesen seien die Spieler risikobereiter, was die Spielsucht begünstige. Auch die soziale Kontrolle falle im Internet weitgehend weg, was ebenfalls gefährlich für die geschätzten 200.000 Problemspieler in der Schweiz sei.

Doch nicht nur die Corona-bedingten Schließungen seien für den Anstieg verantwortlich. Zugleich habe die Anzahl der Online-Casinos erneut zugenommen, weshalb immer mehr Spieler auf das Spiel im Internet auswichen.

Bestehende Glücksspiellizenzen laufen Ende 2024 aus

Im kommenden April dürften Spielerschützer wie Glücksspielbetreiber gleichermaßen gespannt auf die Hauptstadt Bern blicken. Dann will der Bundesrat eine Grundsatzentscheidung über die Neuvergabe der Spielbankenkonzessionen treffen.

Dies gab die ESBK am Wochenende bekannt. Die aktuell 21 bestehenden Lizenzen für terrestrische Spielbanken laufen am 31. Dezember 2024 aus. Gleiches gilt für die bisher elf durch die ESBK vergebenen Zusatzkonzessionen. Diese berechtigen die Spielbanken zum Betrieb von Online-Casinos in der Schweiz.

Die Kritik von Spielerschützern richtet sich auch gegen die mangelnde Wirksamkeit von Websperren. Diese haben die Behörden eingeführt, um ausländischen Anbietern den Zugang zur Schweiz zu blockieren. Nach Angabe von Sucht Schweiz sei es jedoch noch immer möglich, relativ einfach auf die Seiten der nicht lizenzierten Betreiber zu gelangen.

Bis zum kommenden Frühjahr soll die ESBK einen Bericht über die Casinolandschaft in der Schweiz erstellen und Empfehlungen zur Neuvergabe der Konzessionen ausarbeiten. Nach derzeitigem Plan soll die Ausschreibung für die neuen Lizenzen bis September 2022 abgeschlossen sein.

Der Bundesrat könnte dann in einem guten Jahr über die neuen Genehmigungen entscheiden. Inwieweit sich die Glücksspiellandschaft im terrestrischen und Online-Spiel dann ändern wird, ist derzeit ungewiss.