Suncity-Boss tritt zurück: Steht das Ende des Junket-Business in Macau bevor?

Veröffentlicht am: 2. December 2021, 04:18 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 2. December 2021, 04:18 Uhr.

Alvin Chau ist offiziell als Vorsitzender und Executive Director sowohl der Suncity Group als auch ihrer mehrheitlichen Tochtergesellschaft Summit Ascent Holdings zurückgetreten. Dies sollen die beiden Unternehmen Mittwochabend bestätigt haben, berichtete kurz darauf die South China Morning Post [Seite auf Englisch].

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Junket-Anbieter brachten lange Zeit VIP-Spieler gezielt in die Casinos von Macau. (Bild: flickr.com, Jason)

Nach Angaben der beiden Unternehmen habe Chau schriftlich mitgeteilt, dass sein Rücktritt im besten Interesse für den Konzern sei. Angesichts seiner Verhaftung am Wochenende verschaffe ihm dies auch mehr Zeit für die Regelung seiner persönlichen Angelegenheiten.

Alvin Chau und weitere zehn Personen wurden am Wochenende von den chinesischen Behörden festgenommen. Chau werde unter anderem vorgeworfen, wohlhabenden chinesischen Staatsbürgern VIP-Reisen nach Macau und illegales Glücksspiel angeboten zu haben.

Zudem soll das Unternehmen eine nicht lizenzierte Online-Glücksspiel-Plattform auf den Philippinen betrieben haben. Am Mittwoch wurden daraufhin alle VIP-Clubs von Suncity in den Macauer Casinos geschlossen. Der Reisebetrieb soll ebenfalls eingestellt worden sein.

Casino-Betreiber kappen Verbindungen zu Suncity

Laut der South China Morning Post habe das Gaming Supervision and Coordination Bureau in Macau mitgeteilt, dass erste Stellungnahmen von Casino-Betreibern eingegangen seien. In ihren Mitteilungen hätten die Unternehmen erklärt, dass sie die Kooperation mit Suncity eingestellt hätten.

Genaue Angaben habe die Behörde zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen wollen und habe in einem kurzen Statement auf das laufende Gerichtsverfahren verwiesen:

Das Büro wird wie immer die Glücksspiel-Branche von Macau gemäß dem Gesetz beaufsichtigen. Glücksspiel-Konzessionäre und die Junket-Betreiber müssen sich an das Gesetz halten und legal operieren.

Indes scheint die Betriebseinstellung des Junket-Betreibers Suncity für einige Vertreter der Glücksspiel-Branche nur wenig dramatisch. So erklärte der Finanzvorstand der Muttergesellschaft von MGM China, MGM Resorts, dass die derzeitige Situation keine signifikanten Auswirkungen auf das Unternehmen habe.

Auf der Virtual Global Consumer & Retail Conference des US-amerikanischen Investmentbanking-Unternehmens Morgan Stanley erklärte Jonathan Halkyard, Chief Financial Officer bei MGM Resorts International:

Die Realität ist, dass [Junkets] zwar einen angemessenen Umsatz auf dem [Macau]-Markt generierten, aber insbesondere in den letzten Monaten nicht viel EBITDA auf dem Markt beigetragen haben.

Zudem habe sich MGM mehr auf das VIP-Massengeschäft konzentriert, da es viel bessere Margen als das Junket-Geschäft biete, so Halkyard. Von größerer Bedeutung für MGM sei das bevorstehende Neuausschreibungsverfahren für die Glücksspielkonzessionen von Macau.

MGM bleibe weiterhin optimistisch in Bezug auf die langfristigen Geschäftsaussichten in Macau. Allerdings stehe der Branche noch ein harter Weg bevor.

Junkets in Macau: Das Ende einer Ära?

Nach der Schließung der Suncity-VIP-Clubs werde das einst dominierende Junket-Business erheblich an Bedeutung verlieren, erklärten Analysten der Investmentbank JP Morgan am Mittwoch.

Nach der Verhaftung des CEO Alvin Chau hätten die Finanzexperten die Situation eingehender untersucht. Dabei hätten sich die Analysten DS Kim, Amanda Cheng und Livy Lyu die Frage gestellt, ob die künftige Entwicklung einzig Suncity betreffen werde oder ob die Razzia ein Angriff auf das Junket-System als Ganzes zu deuten sei.

In einem Statement legten die Analysten ihre Schlussfolgerungen dar:

Es ist wahrscheinlich vernünftig anzunehmen, dass die von Junket-VIPs generierten Einnahmen letztendlich auf nahezu Null sinken würden. […] Wir denken, dass die Botschaft der Regierung klar ist, dass die proaktive Glücksspielwerbung von Junkets (wie unter anderem Kreditverlängerung, FX-Transfer) für Festlandbewohner nicht toleriert wird.

Dies werde nicht nur Junket-Anbieter daran hindern, VIP-Spieler nach Macau zu bringen. Es werde auch Casino-Betreiber dazu veranlassen, ihre Verbindungen zu Junket-Unternehmen zu überdenken, insbesondere in der wichtigen Phase der Lizenzverlängerungen.