Prozess in London: Betrog saudischer Scheich Luxus-Casino um Millionen?

Veröffentlicht am: 28. Mai 2020, 12:14 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 28. Mai 2020, 12:34 Uhr.

Das exklusive Casino Les Ambassadeurs Club im Londoner Stadtteil Mayfair wirft einem saudischen Scheich vor, Spielschulden in Höhe von über 2 Mio. Euro angehäuft zu haben und dann untergetaucht zu sein. Nun entschied der Londoner High Court, dass das zuvor von einem anderen Gericht verfügte Einfrieren der Konten des Saudis nicht notwendig sei: Der Scheich sei so reich, dass das Casino auch ohne die Maßnahme davon ausgehen könne, sein Geld zu erhalten.

Pokertisch Chips
Der Scheich soll Chips im Wert von 2,23 Mio. Euro mit ungedeckten Schecks bezahlt haben (Quelle:pxfuel.com, licensed under CC0)

Scheich zahlte mit ungedeckten Schecks

Wie der britische Evening Standard [Seite auf Englisch] berichtet, seien im September vergangenen Jahres mehrere Schecks, mit denen Scheich Salah Hamdan Al Belawi im exklusiven Les Ambassadeurs Club Spielchips gekauft habe, geplatzt.

Statt die sich auf rund 2,23 Mio. Euro summierenden Schulden einzulösen, habe der 52-Jährige nicht mehr auf die Kontaktversuche des Casinos reagiert, sondern sich stattdessen in seine saudische Heimat abgesetzt. Vor Gericht erklärte der Casinobetreiber, dass dieses Vorgehen Al Belawis kein Einzelfall gewesen sei:

Es hat sich herausgestellt, dass Herr Al Belawi in anderen Londoner Casinos beträchtliche Schulden angehäuft hat und dann einfach weggegangen ist, mutmaßlich zurück in die Sicherheit Saudi-Arabiens, wo solche Schulden überhaupt nicht eingetrieben werden können.

In dem Wüstenstaat ist das Glücksspiel nach islamischem Recht verboten, auch die Umsetzung von Urteilen ausländischer Gerichte gilt als schwierig. Aus diesem Grund hatte der Les Ambassadeurs Club im Februar dieses Jahres vor Gericht erfolgreich um ein Einfrieren der Konten des VIP-Gastes ersucht, bis dieser seinen Verpflichtungen nachgekommen sei.

Zu reich, um unterzutauchen?

Vor dem High Court widersprach Al Belawi den Vorwürfen und erklärte, nicht untergetaucht zu sein. Vielmehr sei er zwischen London und Saudi-Arabien gependelt und sei regelmäßig in seiner 45 Mio. GBP Villa im noblen Londoner Carlton House Terrace anzutreffen.

Der Les Ambassadeurs Club ist eine exklusive Glücksspiel-Adresse an der im Herzen Londons gelegenen Park Lane. In der Vergangenheit bot sein Ambiente bereits die Kulisse für Filme wie das Beatles-Musical „A Hard Day`s Night“ und den 007-Klassiker „Dr. No“.

Zumindest in der Frage der eingefrorenen Gelder folgte das Gericht den Ausführungen des Saudis, der eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit seiner Ehefrau über ein Vermögen von rund 110 Mio. Euro verfügt. In Anbetracht des Reichtums des Scheichs und seiner engen Verbindungen nach London sei auch künftig nicht davon auszugehen, dass er sich „in Luft auflösen werde“, so die Begründung.

Über die Rückzahlung der Spielschulden ist bislang keine Entscheidung gefallen. Der Prozess wird fortgesetzt.