Kampf gegen Spielsucht als Lehrfach an italienischer Universität

Veröffentlicht am: 28. Februar 2021, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 26. Februar 2021, 05:59 Uhr.

Die Universität Siena führt als erste italienische Hochschule ein Lehrfach ein, welches sich ausschließlich der Bekämpfung von Spielsucht widmet. Der Kurs trägt den Titel „Ausbildung für den Kampf gegen pathologisches Glücksspiel“ (Formazione alla lotta contro il gioco d’azzardo patologico) und umfasst 12 Module zu je zwei Unterrichtsstunden.

Student Studienabsolvent Akedemischer Hut
Neues Lehrfach zum Thema Spielsucht an der Universität Siena (Bild: Pixabay)

Wie die Universität auf ihrer Webseite erklärt, richte sich der Kurs [Seite auf Italienisch] an Angestellte und Freiwillige, die im Dienstleistungssektor aktiv seien. Anmeldungen seien noch bis zum 2. April möglich, Kursbeginn sei am 16. April. Für die Teilnahme am Kurs würden zudem 2 Leistungspunkte vergeben, die sich Studenten aller Fachrichtungen auf ihr Studium anrechnen lassen könnten.

Nichtsdestoweniger sei der Kurs am sinnvollsten für all jene, die beruflich viel mit fremden Menschen zu tun hätten, bspw. Angestellte aus Gastronomie und Tourismus. Da das Glücksspiel in diesen Sektoren allgegenwärtig sei, z.B. im Falle von Spielautomaten im Gastgewerbe, sei es wichtig, dass das Personal ein ausgeprägtes Bewusstsein zum Thema Spielsucht entwickle.

Das Lehrmodul wurde im Rahmen des regionalen Programms zur Bekämpfung von Spielsucht in der Region Toskana entwickelt. Die Universität Siena kooperiert dabei mit der Fondazione Toscana Per La Prevenzione Dell’Usura, einer Organisation, die sich dem Kampf gegen Wucher, auch im Zusammenhang mit dem Glücksspiel, widmet.

Theorie und praktische Anwendung

Die Kursteilnehmer sollen nicht nur lernen, wie sie problematisches Spielverhalten identifizieren, sondern auch, wie sie mit den Betroffenen bestmöglich interagieren können. Dazu zähle, dass sie ihre Kunden diskret auf das Thema ansprächen und Informationen über existierende Spielsucht-Hilfsangebote vermittelten.

Darüber hinaus werde der theoretische und wissenschaftliche Bereich der Spielsucht thematisiert. Teilnehmer sollen das Phänomen Spielsucht im gesamtgesellschaftlichen und anthropologischen Kontext verstehen und einordnen können.

Spielsucht-Aufklärung von wachsender Bedeutung

Der neue Universitätskurs in Siena ist der erste seiner Art. Bislang haben in Italien nur kleinere Organisationen vereinzelt Schulungen zum Thema Spielsucht angeboten.

So organisierte die CSV Neapel, eine Organisation zur Förderung von Freiwilligenarbeit, im Jahr 2017 einen Intensivkurs zur Spielsucht-Erkennung und -intervention, der sich ausschließlich an Menschen richtete, die im Ehrenamt tätig sind.

In der Region Apulien hingegen wurden im Jahr 2019 alle Angestellten des Glücksspielsektors verpflichtet, eine vierstündige Schulung über pathologisches Glücksspiel zu absolvieren.

Viele Aspekte des Glücksspiels und der Bereich Spielsuchtprävention werden in Italien auf regionaler Ebene reguliert und thematisiert. Spielsucht-Organisationen fordern jedoch schon seit langem eine nationale Strategie zur Bekämpfung problematischen Glücksspiels.

Ob noch weitere Universitäten des Landes dabei künftig eine Rolle spielen könnten, bleibt abzuwarten.