Enthüllungen zu MV Werften: Schätzt die Regierung Genting als Pleitekonzern ein?

Veröffentlicht am: 14. Oktober 2020, 11:16 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. Oktober 2020, 12:02 Uhr.

Anfang Oktober stimmte die mecklenburgische Landesregierung einer 193 Mio. schweren Staatshilfe für die vom Kreuzschifffahrt- und Glücksspielkonzern Genting Hongkong betriebenen MV-Werfen zu. Weitere 377 Mio. Euro sollten aus dem Rettungsschirm des Bundes folgen. Nun hat das Politik-Magazin des NDR, Panorama 3, enthüllt, dass in der Bundesregierung Uneinigkeit über die wirtschaftliche Situation von Genting Hongkong herrsche.

Werft Rostock, Hafen Warnemünde
In den MV Werften des Konzerns Genting Hongkong sollen mit Hilfe von Bundeskrediten weitere Kreuzfahrtschiffe entstehen. (Bild: Pixabay/Erich Westendarp)

Die Genehmigung des insgesamt 570 Mio. Euro umfassenden Notkredits aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) hänge davon ab, ob das Geschäftsmodell Genting Hongkongs als aussichtsreich bewertet werde.

Der Mutterkonzern Genting Hongkong übernahm 2016 die MV Werften für rund 230 Mio. Euro. Die Werften in Rostock, Stralsund und Wismar haben sich seitdem auf die Produktion von luxuriösen Kreuzfahrtschiffen mit Spas, Casinos und vielem mehr für den asiatischen Markt spezialisiert. In Stralsund wird derzeit das Luxusschiff Crystal Endeavor gefertigt, das mit dem bereits gewährten Kredit bis März fertiggestellt werden soll.

Wird die Werft krampfhaft am Leben erhalten?

Bereits Anfang Oktober sollen die MV Werfen bedingt durch die Coronapandemie und den damit verbundenen Fertigungsstopp vor der Insolvenz gestanden haben. Von Mutterkonzern Genting Hongkong, der auch seine Kreuzfahrten einstellen musste, kam keine finanzielle Unterstützung, Landes- und Bundesregierung sprangen mit Notkrediten ein.

Weitere Zahlungen würden, so Panorama 3, jedoch nicht nur von dem Gutachten zur wirtschaftlichen Situation des Mutterkonzerns, sondern auch von weiteren Bedingungen abhängen. So gehe aus vertraulichen Unterlagen aus dem Wirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern hervor, dass Genting zunächst aufgelaufene Zinsen zahlen und die 260 Mio. Euro hohe Sicherheitsrücklage wieder auffüllen müsse.

So heiße es vonseiten des Landeswirtschaftsministers Harry Glawe, es sei:

von entscheidender Bedeutung, dass die Rückzahlung des Überbrückungskredits im Insolvenzfall der MV Werften allein aus der Verwertung gewährter Sicherheiten sichergestellt werden kann.

Entscheidend sei darüber hinaus eine Zusage des Konzerns, mindestens „sechs neue Universal-Schiffe auf den MV Werften“ zu bauen. Fraglich sei allerdings, ob es für diese Schiffe, die bis zu 2.000 Passagiere an Bord nehmen könnten, überhaupt Bedarf bestehe.

Konkreten Fragen hierzu weiche das Bundesfinanzministerium derzeit aus. Derweil meldet die ebenfalls zu Genting Hongkong gehörende Reederei Genting Cruise Lines die Wiederaufnahme von Kreuzfahrten. Neues Geschäftsmodell seien mehrtägige „Kreuzfahrten nach Nirgendwo“, bei denen auf Landgänge verzichtet werde.