Indien: Skandal­umwobener Casinobetreiber sichert sich Sitz im Parlament

Veröffentlicht am: 26. Oktober 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 25. Oktober 2019, 06:52 Uhr.

Der umstrittene Glücksspielunternehmer Gopal Kanda (53) wurde in dieser Woche in die gesetzgebende Versammlung des indischen Bundesstaates Haryana gewählt. Der Betreiber des Casinoschiffs Big Daddy Casino in Goa zog als Kandidat der von ihm gegründeten Haryana Lokhit Partei ins Parlament ein. Als Zünglein an der Waage will er nun die Regierungspartei BJP unterstützen.

Parlamentsgebäude in Chandigarh, Haryana, Indien
Von nun an wird auch Casinobetreiber Gopal Kanda im Parlamentsgebäude in Chandigarh Platz nehmen Quelle:duncid, licensed under CC BY-SA 2.0)

Gopal Kanda als „King Maker“

Bereits kurz nach Verkündung der Ergebnisse der Wahl im nordindischen Haryana am vergangenen Donnerstag war klar, dass dem Casinobetreiber Gopal Kanda besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden würde:

Die Auswertung der Stimmen hatte ergeben, dass die rechtskonservative Bharatiya Janata Party (BJP) ihre Mehrheit im 90-köpfigen Parlament von Haryana nicht hatte halten können. Mit nur 40 Sitzen war die Partei von Premierminister Narendra Modi auf Unterstützung angewiesen.

Während sich die meisten der parteilosen Kandidaten bereits im Vorfeld zugunsten der BJP festgelegt hatten, galt der im südindischen Goa geschäftlich tätige Casinobetreiber Kanda vielen als entscheidender Faktor. Indische Medien beschrieben ihn als King Maker (dt. Königsmacher).

Gopal Kanda ist der Mann hinter der Golden Globe Hotels Pvt Ltd’s (GGHPL). Die GGHPL betreibt unter anderem das Big Daddy Casino, das am Ufer des Mandovi Flusses in Goa immer wieder für Aufmerksamkeit sorgt. 2017 war der Dampfer bei einer Glücksspielfahrt auf Grund gelaufen. Ermittlungen ergaben, dass das Schiff nicht für die Fahrt auf dem Mandovi ausgelegt war und über keine Glücksspiellizenz verfügte.

Die Neueröffnung des Big Daddy Casinos im Mai 2019 wurde zu einem Erfolg. Dennoch regt sich immer wieder Kritik: Diverse Vertreter aus Anwohnerschaft, Religion und Politik positionieren sich gegen das Glücksspiel im Allgemeinen und auf dem Mandovi im Besonderen. Regelmäßig werden Forderungen nach einem Komplettverbot laut.

Am Freitag folgte das Aufatmen bei der Regierungspartei. Nach einem Treffen mit Führern der Partei erklärte Gopal Kanda, die BJP „bedingungslos“ unterstützen zu wollen. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass sich Indien unter der Führung Modis und der BJP auf einem guten Weg befinde. Dieser solle auch in Haryana fortgesetzt werden.

Tausendsassa Gopal Kanda

Premierminister von Indien Narendra Modi
Vor zehn Jahren unterstützte Gopal Kanda noch die Gegner von Premierminister Narendra Modi (Quelle:flickr.com, licensed under CC BY-SA 2.0)

Casinobetreiber Gopal Kanda ist eine politisch umstrittene Figur mit weitreichenden Verbindungen. In einem Porträt aus dem Jahr 2012 beschreibt die Tageszeitung The India Times [Seite auf Englisch] den Geschäftsmann unter anderem als Schulabbrecher, Elektriker, Schuhladenbesitzer, Immobilienmakler, Industriellen, Autohändler, Airline-Inhaber und Politiker.

Tatsächlich war der 53-Jährige bereits vor seinem Engagement im Glücksspiel und den aktuellen Wahlen in der Politik seines Heimatstaates aktiv. 2009 trat er als Unabhängiger bei den Parlamentswahlen in Haryana an und gewann einen Sitz in der Versammlung.

Damals verhalf Kanda der jetzigen Oppositionspartei Indian National Congress (INC) zur Mehrheit. Diese wiederum machte ihn zum Innenminister.

Skandal um Suizid

Im Jahr 2012 trat Kanda auf öffentlichen Druck von seinem Ministerposten zurück. Hintergrund war seine mutmaßliche Rolle beim Suizid einer jungen Flugbegleiterin. In ihrem Abschiedsbrief hatte Geetika Sharma ihrem ehemaligen Chef unter anderem vorgeworfen, sie missbraucht zu haben. Wenige Wochen nach dem Suizid nahm sich auch Sharmas Mutter das Leben.

Die Polizei nahm Kanda fest und ermittelte unter anderem wegen Vergewaltigung, Ermutigung zum Selbstmord, Verschwörung und Einschüchterung. Im März 2014 wurde eine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs fallengelassen.

Im indischen Fernsehen äußerte sich nun der Bruder Sharmas zur Wahl Kandas und reagierte mit Unverständnis auf dessen Rolle als Steigbügelhalter der BJP:

Bitten wir wirklich um die Unterstützung Krimineller, um eine Regierung zu bilden? Ich habe meine Schwester und meine Mutter vor sieben Jahren verloren. Dieses Leiden hält immer noch an. Was für eine Nation sind wir?

Unverständnis auch aus der Politik

Auch BJP-Politikerin Uma Barthi ließ ihrer Entrüstung freien Lauf und warnte Premierminister Modi vor dem Schulterschluss. In einer Abfolge von Tweets warf sie ihrer Partei Heuchlerei vor:

Nach wie vor sei Kanda des Mordes und der Vergewaltigung verdächtig. Obwohl die Partei stets Aufklärung und Strafe gefordert habe, wasche sie ihn nun rein, da sie auf ihn angewiesen sei.

Gopal Kanda selbst reagierte bislang nicht auf die Kritik. Es dürfte jedoch davon auszugehen sein, dass das erste Parlamentsmitglied Indiens, dass zugleich offiziell im Glücksspielsektor tätig ist, auch künftig für Schlagzeilen sorgen wird.