Glücksspiel-Steuer­einnahmen in Polen erheblich gesunken

Veröffentlicht am: 18. August 2020, 01:13 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. August 2020, 01:24 Uhr.

In Polen leiden nicht nur die Anbieter von Glücksspiel und Sportwetten unter der Corona-bedingten wirtschaftlichen Flaute. Wie Vertreter des Finanzministeriums am Montag mitgeteilt haben, sind in Folge der Misere die Steuerabgaben der Branche im ersten Halbjahr 2020 um 10 % auf 343 Mio. Zloty (umgerechnet 78 Mio. Euro) gesunken.

Spielcasino Roulette
Auch landbasierte Casinos zahlten weniger Steuern. (Bild: Casinos Polen)

Mit einem Beitrag von 176 Mio. Zloty (rund 40 Mio. Euro) seien Lotterien erneut der größte Beitragszahler gewesen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Summe um 16,7 % geringer ausgefallen, so die Behörde. Zweitgrößter Zahler seien Sportwettenanbieter, die 31 % weniger zur Finanzierung der Staatskasse beisteuern konnten.

Die Abgaben von Online-Sportwetten sanken im ersten Halbjahr um 28 % auf 124 Mio. Zloty. Doch die Steuererlöse aus stationären Wettbüros verringerten sich im Vergleich noch bedeutend stärker, denn sie lagen 55 % unter dem Vorjahreswert. Nicht zuletzt deshalb legen immer mehr Anbieter ihren Fokus auf das Onlinegeschäft. Der Graj Legalnie, der Verband der polnischen Sportwettenanbieter, vermeldete jüngst, dass 85 % des Wettgeschäfts inzwischen im Onlinebereich erwirtschaftet werde; mit deutlich steigender Tendenz.

Grund für die schlechte Lage im Wettsektor seien insbesondere der Ausfall von Sportveranstaltungen sowie die zeitweilige Schließung von Wettbüros in Polen, so der Graj Legalnie. Das Minus sei hauptsächlich auf das schwache Geschäft im zweiten Quartal zurückzuführen. So seien die Sportwettenumsätze von April bis Juni um satte 21 % eingebrochen.

Ebenfalls Verluste im landbasierten Geschäft

Doch auch andere Glücksspielgeschäfte wurden aufgrund der Corona-Krise in Polen in Mitleidenschaft gezogen. So leisteten die landbasierten Casinos lediglich einen Beitrag in Höhen von 44 Mio. Zloty und damit 52 % weniger als 2019. Vergleichbare Verluste fuhren Spielhallen ein, deren Abgaben ebenfalls um über 50 % einbrachen.

Der Rückgang dürfte der Branchenkritik an Polens Glücksspielgesetzgebung neuen Auftrieb geben. Die Anbieter beklagen, dass die derzeitige Umsatzsteuer von 12 % viel zu hoch gegriffen sei. Der Graj Legalnie forderte deshalb die Regierung auf, den Satz zumindest temporär auf 10 % zu senken.

Einer der wenigen Profiteure sei der staatliche Online-Casino-Monopolist Totalizator Sportowy. Dieser habe der Finanzbehörde zufolge seine Steuerleistung um über 28 % steigern können und damit für ein wenig Erholung in der gebeutelten Staatskasse gesorgt. Doch diese Summe reiche bei weitem nicht aus, das große Minus der anderen Anbieter auszugleichen.