Vorschau 2022: Glücksspiel und Gaming in Spanien

Veröffentlicht am: 1. January 2022, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 22. December 2021, 06:53 Uhr.

Spaniens Regierungsbündnis gab schon vor Präsentation der Koalitionsvereinbarung im Januar 2020 bekannt, das Online-Glücksspiel deutlich einschränken zu wollen. Nachdem die Regierung die Werbung hierfür bereits massiv beschränkt hat, sind für das kommende Jahr weitere Veränderungen angekündigt, die sowohl das Glücksspiel als auch Videospiele betreffen könnten.

Alberto Garzón
Spaniens Verbraucherschutzminister Alberto Garzón hat für 2022 Änderungen der Glücksspiel-Gesetze angekündigt. (Bild: Flickr/La Moncloa)

Im Sommer 2021 kündigte das spanische Verbraucherschutzministerium an, an einem neuen Dekret zu arbeiten, das das Online-Glücksspiel sicherer gestalten solle. Die in dem Projekt dargelegten neuen Regelungen könnten bereits im Juni 2022 in Kraft treten.

Förderung verantwortungsvollen Glücksspielverhaltens oder Gefahr der Abwanderung der Spieler?

Ziel sei es, eine Online-Glücksspiel-Umgebung zu schaffen, die das verantwortungsvolle Spiel fördere und riskantes Spielverhalten verhindere.

Folgende Faktoren sollen mit dem neuen Projekt verbessert, beziehungsweise verstärkt werden:

  • die Kenntnisse der Betreiber über ihre Spielerbasis,
  • die allgemeinen Informationspflichten gegenüber den Glücksspielteilnehmern,
  • die bereits bestehenden Maßnahmen für verantwortungsvolles Glücksspiel mit besonderem Augenmerk auf Spieler, die riskantes Spielverhalten zeigen,
  • die Kombination von Präventionsmaßnahmen sowie die Kontrolle und Beseitigung negativer Auswirkungen.

Zu den Maßnahmen, die die neue Regulierung vorsieht, zählt die Pflicht der Glücksspiel-Anbieter, neuen Spielern nach ihrer Registrierung für das Online-Glücksspiel eine persönliche Nachricht zukommen zu lassen. Diese müsse über die „Natur der Glücksspiele“ informieren und deren Risiken darlegen.

Vor Beginn einer jeden Sitzung müsse der Spieler die Zeit festlegen, die er für das Glücksspiel vorsehe. Zudem müsse er den maximalen Betrag eingeben, den er zu verlieren bereit sei. Das Einspeichern der Angaben sei dabei untersagt.

Bei jeder Sitzung solle es dem Spieler ermöglicht werden, den Zugriff künftig zu beschränken. Weder die Beschränkungen noch die Angaben zu Spielzeit oder Verlustgrenze sollen während des Spiels verändert werden dürfen. Nach Ablauf der angegebenen Zeit solle eine automatische Abmeldung von der Online-Glücksspiel-Plattform erfolgen.

Während diese und weitere Beschränkungen das Glücksspiel der spanischen Regierung zufolge sicherer gestalten sollen, werden sie von der Branche stark kritisiert. In Spanien, so Marktbeobachter, sei das Online-Glücksspiel bereits stark reguliert und im Vergleich zu Europa sei die Spielsucht-Rate ausgesprochen gering. Schärfere Beschränkungen dagegen könnten zur Folge haben, dass die Spieler auf den Schwarzmarkt ausweichen.

Kommt das Verbot der Lootboxen in Spanien?

Weitere Beschränkungen könnten in Spanien hinsichtlich der Lootboxen zu erwarten sein. Bereits Anfang des Jahres 2020 erklärte Verbraucherschutzminister Alberto Garzón, die Beutekisten in Videospielen verbieten zu wollen.

So hatte es vonseiten des Verbraucherschutzministeriums geheißen:

Lootboxen sind eine der Strategien der Videospielunternehmen, um die Nutzer an sich zu binden, allerdings um den Preis der Förderung eines zwanghaften Konsumverhaltens, das an „Spielautomaten“ erinnert und gefährlich für die Gesundheit ist. Der Nutzer zahlt kleine Beträge für eine Belohnung, die nach dem Zufallsprinzip ausgelost wird – eine Praxis, die […] wie jedes andere Glücksspiel reguliert werden kann.

Nach dieser Ankündigung blieb es um das Thema Lootboxen recht still. Im November 2021 allerdings erklärte Mikel Arana, der Leiter der spanischen Glücksspielbehörde, dass die Regierung verschiedene Arten der Lootboxen definiert hätte. Nur jene, für die mit Echtgeld gezahlt werde und deren Inhalte in Echtgeld umwandelbar wären, unterlägen bislang der Glücksspielgesetzgebung.

Andere Lootboxen seien Arana zufolge nicht ebenso zu behandeln. Dennoch sei vorgesehen, auch sie in die Änderungen der Glücksspielregulierung im Jahr 2022 einzubeziehen.