Glücksspiel-CEOs sagen Termin mit britischen Abgeordneten ab

Veröffentlicht am: 4. September 2019, 01:20 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. September 2019, 01:31 Uhr.

Die Chefs der drei größten Glücksspiel-Firmen Großbritanniens haben ein geplantes Treffen mit britischen Parlamentsabgeordneten abgesagt. Das für heute angesetzte Meeting mit der „Gambling Related Harm All Party Parliamentary Group“ (GRH APPG) sollte in Westminster stattfinden und unter anderem die Negativfolgen des Online-Glücksspiels im Vereinigten Königreich thematisieren.

Ein leerer Konferenzraum
Beim heutigen Meeting mit der GRH APPG werden einige Sitze leer bleiben: (Quelle: pexels)

Wie die Zeitung The Guardian berichtete, cancelten die Bosse von GVC Holdings, Flutter Entertainment und William Hill den anberaumten Termin allerdings nur wenige Tage zuvor. Stellvertreter sollen nun die Unternehmen vertreten.

Laut der Konzerne seien neben unvorhergesehenen Reise-Arrangements und Aktionärsversammlungen auch anderweitig wichtige Geschäftsverpflichtungen für die Absagen verantwortlich.

Der Hintergrund des Treffens

Nach ihrem letzten erfolgreichen Engagement für die Senkung der Maximaleinsätze an „Fixed-odds Betting Terminals“ startete die fraktionsübergreifende GRH APPG (Link auf Englisch) im Jahre 2019 eine neue Untersuchung über die schädlichen Auswirkungen des Online-Glücksspiels in Großbritannien.

Hierzu hört die unabhängige Gruppe seit März dieses Jahres Betroffene, Suchtforscher sowie Industrie- und Interessengruppen an. Geklärt werden soll bei diesen Runden unter anderem, welche besonderen Verbindungen zwischen Online-Glücksspiel und Spielsucht bestehen könnten. Zudem werden technische Fragen zu den Auswirkungen von Kreditkarteneinzahlungen und In-Game-Features wie Lootboxen unter Anwesenheit von Experten erörtert.

GVC-Boss sagt ab, William Hill und Flutter Entertainment schicken Ersatz

Carolyn Harris zeigte sich wenig amüsiert über die Absagen. (Quelle: Carolyn Harris by Chris McAndrew licensed by CC BY 3.0)

Der erste Glücksspiel-CEO, der den geplanten Termin mit der GRH APPG absagte, war GVC Holdings-Boss Kenny Alexander.

Entgegen einer früheren Zusage wurde das Fernbleiben des Schotten von dem Glücksspiel-Unternehmen kurzfristig mit „geschäftlichen Verpflichtungen“ gerechtfertigt.

Besonders brisant an der Absage: Nur zwei Tage zuvor hatte Carolyn Harris, Vorsitzende der Parlamentsgruppe, dem Branchen-Funktionär die E-Mail eines Spielsüchtigen weitergeleitet, der eine Befragung Alexanders forderte. Ob der Firmenchef die E-Mail tatsächlich selbst gelesen hat, ist unbekannt. Ein Ersatz für Alexander wurde bislang nicht benannt.

Eine Absage unter Ernennung eines Ersatzvertreters kam hingegen vom zweiten Branchen-Riesen William Hill. Der britische Traditionsbuchmacher, der in den letzten Jahren seine Online-Präsenz deutlich erweiterte, entschuldigte CEO Philip Bowcock, der sich Lizenzierungsfragen und einer Aktionärsversammlung stellen müsse.

An seiner Stelle soll Managing-Direktor Phil Walker an der Runde teilnehmen. Walker ist seit neun Monaten im Konzern und für die Abteilung Online-Wetten in Großbritannien und Irland verantwortlich.

Experte im Bereich Online-Wetten ist auch Dan Taylor. Der CEO für die Europa-Operationen von Paddy Power und Betfair ersetzt Flutter Entertainment-Boss Peter Jackson während der Fragerunde. Wie The Guardian meldete, habe der 43-Jährige „ungeplant verreisen“ müssen.

Britische Parlamentarier sind „not amused“

Obgleich nicht nur „die großen Drei“ der britischen Online Casino-Industrie dem Treffen fernbleiben, sondern auch die geladenen Regulatoren Neil McArthur (UK Gambling Commission) und Shariar Coupal (Advertising Standards Authority) die Diskussion absagten, übte Carolyn Harris besonders scharfe Kritik an den Glücksspiel-Firmen.

Gegenüber The Guardian äußerte die Labour-Politikerin:

„Das sind Männer, die Unternehmen leiten, die Sucht fördern, die enorme Gewinne durch Schutzbedürftige generieren und riesige Lohnpakete mit nach Hause nehmen, aber zu ängstlich sind, vor Abgeordneten aufzutreten. Sie scheinen zu glauben, dass sie bessere Dinge zu tun haben, als ihre Handlungen öffentlich zu erklären. Sie haben Angst und sind äußerst feige.“

Diese Auffassung scheint auch der ehemalige Parteiführer der Konservativen, Iain Duncan Smith, zu teilen. Laut Smith sprächen die Absagen „Bände über die Mitschuld“ der Online-Glücksspielfirmen, die Spieler „gejagt“ hätten, um sie am Spielen zu halten.

Diese Glücksspiel-Firmen haben zugesagt

Trotz der Absagen der CEOs von Flutter Entertainment, GVC Holdings und William Hill, haben sich andere Unternehmensführer bereit erklärt, der GRH APPG Rede und Antwort zu stehen.

Hierzu gehören nach aktuellem Stand Bet365-JEO John Coates und Sky Betting & Gaming-CEO Ian Proctor. Überdies soll Phil Cronin von Tombola bei der Veranstaltung zu Gast sein.