Werbung für illegales Glücksspiel? Twitch-Streamer verdienen Millionen

Veröffentlicht am: 19. Juli 2021, 01:17 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 19. Juli 2021, 01:30 Uhr.

Immer mehr Social-Media-Influencer verlegen sich auf das Streaming von Online-Glücksspiel. Mit dabei sind auch Twitch-Akteure, deren Casino-Streams viele Millionen Fans folgen. Medienberichten zufolge sollen die betreffenden Online-Casinos jedoch oft ohne Lizenz arbeiten.

Twitch-Logo
Viele Streamer übertragen ihre Casino-Sitzungen via Twitch. (Bild: Twitch)

Das US-Magazin Wired [Seite auf Englisch] enthüllte, dass Dutzende der Top-1.000-Streamer in den USA mit den Casino-Sendungen ihr Geld verdienten. Es identifizierte 64 Influencer, die von den Glücksspielanbietern gesponsert würden, wenn sie Streams ihrer Spiele mit deren Online-Slots zeigten.

Auch in Deutschland waren Glücksspiel-Streams in der Vergangenheit weit verbreitet. Wichtigste Protagonisten waren Jens „Knossi“ Knossala und MontanaBlack, deren Live-Übertragungen von Casinospielen Zehntausende verfolgten. Da Online-Casinos zu der Zeit in weiten Teilen Deutschlands illegal waren, lösten die Streams bei Spielerschützern massive Kritik aus. Auch dies könnte die Akteure dazu bewogen haben, die Streams zu beenden. Das könnte sich jedoch bald ändern. Grund dafür ist der am 1. Juli in Kraft getretene Glücksspielstaatsvertrag, der Online-Casinos legalisiert.

Die meisten der Influencer würden Wired zufolge eine Provision für ihre Tätigkeit erhalten. Auch erhielten sie das nötige Geld, um an den Online-Slots zu zocken. Die bekanntesten Akteure würden zusätzlich mit hohen Summen geködert.

Auf diese Weise sollen Streamer wie Felix “xdfQc” Lengyel auf fünfstellige Stundenlöhne gekommen sein. Aden “Adin2Huncho” Ross habe sogar berichtet, dass ihm das Online-Casino Duelbits die Summe von bis zu 1,6 Mio. USD pro Monat geboten habe, wenn er für den Anbieter tätig werde.

Werbung für illegale Anbieter?

Pikant an der Kooperation sei jedoch, dass die meisten der Glücksspielanbieter in den USA keine Lizenz besäßen. Damit seien sie illegal und für Nutzer nur über den Umweg einer VPN-Umleitung zugänglich.

Rechtsexperten stuften die Streams deshalb als illegale Glücksspielwerbung ein. Der auf Glücksspielrecht spezialisierte Anwalt Jeff Ifrah betonte gegenüber Wired:

Mein Rat an sie ist, dass die zugrunde liegende Aktivität im Grunde illegal ist. Es passiert jedoch immer noch. Da steckt viel Geld drin.

Die Illegalität könnte auch der Grund für den spontanen Umzug eines der bekanntesten Twitch-Akteure sein. Dabei handele es sich um Tyler Niknam, dessen Account „Trainwrecks“ über 1,5 Millionen Fans auf Twitch folgen.

Trainwrecks arbeite mit dem Online-Casino Stake.com zusammen, für das er gegen üppige Entlohnung vor bis zu 25.000 Fans stundenlang an Slots spiele. Der 30-jährige Texaner sei erst vor Kurzem aus den USA nach Kanada übergesiedelt. Kritiker sehen darin den Versuch, die in den USA geltende Illegalität seiner Tätigkeit zu umgehen.