Big-Glücks­spiel-Player Ita­lien – Ma­fia ver­dient kräftig mit

Posted on: 10/11/2025, 12:44h. 

Last updated on: 10/11/2025, 01:01h.

  • Italien ist Europas Glücksspiel-Hochburg, wovon auch die Mafia profitiert.
  • Annähernd 150 Familien verdienen an den Geschäften kräftig mit.
  • Bruttospielerträge von insgesamt 21,5 Mrd. Euro.

Die Zeiten, in denen die Briten am meisten Geld in Casinos, Wettbüros oder beim Online-Spiel verzockten, scheinen vorbei. Nach Jahrzehnten der Dominanz deutet sich eine Wachablösung durch einen südeuropäischen Staat ab. Aktuellen Daten zufolge wuchs 2024 Italien zu Europas größtem Markt für Glücksspiel heran, wovon auch die Mafia kräftig profitierte.

Karneval Venedig, Menschen mit Masken
Der Boom hat seine Schattenseiten (Bild: Pixabay/Chicobarros)

Demnach lagen die Einsätze der italienischen Spieler im vergangenen Jahr bei 157,4 Mrd. Euro. Davon blieben 21,5 Mrd. Euro in Form von Bruttospielerträgen in den Kassen der Anbieter.

Zum Vergleich: Nach der Corona-Delle im Jahr 2020 hatten die Erträge bei nur knapp 88,3 Mrd. Euro gelegen. Mit den 2024 generierten Geldern lösen die Italiener die Briten ab, die im zuletzt bemessenen Zeitraum auf Bruttospielerträge von knapp 20 Mrd. Euro kommen.

Ein entscheidender Faktor für die hohen Umsätze ist die große Verbreitung des Glücksspiels in der Bevölkerung. Statistiken für das Jahr 2024 zufolge zockte jede dritte erwachsene Person des Landes mindestens einmal um Geld. Besonders jüngere Männer sind dabei aktiv. 1,1 Millionen von ihnen sollen sogar eine Stunde täglich mit dem Spiel verbringen.

Die Freude am Glücksspiel hat jedoch bei vielen Menschen negative Folgen. Insgesamt gelten rund 1,5 Millionen Italiener als Problemspieler oder spielsüchtig.

Mafia verdient kräftig mit

Spielsucht ist jedoch nicht die einzige negative Auswirkung des Trends. Anti-Mafia-Organisationen förderten zutage, dass annähernd 150 der vor allem in Kalabrien, Neapel und Sizilien beheimateten Clans mit illegalem Glücksspiel kräftig Kasse machen.

Neben illegalen Spielhallen und Wettbüros sind es demnach vor allem Aktivitäten rund um das nicht lizenzierte Online-Glücksspiel, mit denen die Mafia Milliarden verdient. Die Geschäfte laufen nach Einschätzung der Anti-Mafia-Behörde derart gut, dass die Clans mit dem Glücksspiel inzwischen mehr Geld als mit Drogenhandel und Schutzgelderpressung generieren.

Diese Entwicklung rief auch die Kirche auf den Plan. Führende Vertreter der katholischen Kirche kritisierten das Glücksspiel grundsätzlich scharf. So erklärte der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi:

Es [das Glücksspiel] ruiniert Menschen, es führt zu Verarmung, in vielen Fällen zerstört es Beziehungen. Daher ist es klar, dass von allen große Anstrengungen zu seiner Eindämmung erforderlich sind.

Doch eine Umkehr des Trends ist aktuell nicht absehbar. Ganz im Gegenteil, nach Ansicht von Glücksspiel- und Finanzexperten scheint der Boom auf dem Apennin noch lange nicht vorbei. Aktuellen Prognosen zufolge dürften die Umsätze in diesem Jahr auf bis zu 170 Mrd. Euro steigen.

Noch beeindruckender erscheint die Spielleidenschaft der Italiener unter Berücksichtigung des verfügbaren Durchschnittseinkommens. In dieser Hinsicht schlagen sie sogar die Australier und belegen damit weltweit die Spitzenstellung.