Der Abschied von Box-Legende Graciano Rocchigiani

Veröffentlicht am: 15. Oktober 2018, 11:36 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 15. Oktober 2018, 11:59 Uhr.

Am vergangenen Samstag erwiesen Angehörige, Freunde und Fans dem ehemaligen Box-Weltmeister „Rocky“ die letzte Ehre. Die Beerdigung des 54-Jährigen fand in Berlin-Schöneberg auf dem St.-Matthäus-Kirchhof statt.

Alter St.-Matthaeus-Kirchohof Berlin
Box-Legende Graciano Rocchigiani wurde auf dem Alten St.-Matthaeus-Kirchhof Berlin beerdigt. (Bildquelle: wikipedia.org)

Bewegende Beisetzung von Graciano Rocchigiani

Seinen letzten Weg trat der Boxer Graciano Rocchigiani bei einem Trauerzug an, der mehr als 100 Meter lang war und von seinen Eltern, seinem Bruder Ralf Rocchigiani und von seiner 34-jähigen Tochter Gianina angeführt wurde.

Die Trauerfeier, die mit Glockengeläut eingeleitet wurde, begann um 12:00 Uhr und dauert etwa eine halbe Stunde. Graciano Rocchigianis 38-jährige Lebensgefährtin Santina hatte sich gewünscht, dass hierbei Eros Ramazzottis „Se Bastasse Una Canzone“ und Ed Sheerans „Perfect“ gespielt würden. Zudem erklang „The Show Must Go On“ von Queen.

Unter den 1000 geladenen Trauergästen befanden sich viele Prominente des Boxsports. Anwesend waren unter anderem der Boxpromoter Wilfried Sauerland, der ehemalige Profiboxer und Weltmeister Sven Ottke und der Profiboxer Martin Huck. Auch Dariusz Michalczewski und Henry Maske erwiesen Rocchigiani die letzte Ehre. Maske beschrieb seine Beziehung zum Kollegen und Konkurrenten „Rocky“ gegenüber dem RBB wie folgt:

„Zwei grundverschiedene Typen, das waren wir außerhalb des Rings immer. Aber wir haben uns sehr respektiert und gemocht und für unsere Kämpfe auch immer auf Augenhöhe betrachtet.“

Rückkehr zu den Wurzeln

Der Alte St.-Matthäus-Kirchhof Berlin, auf dem Graciano Rocchigiani beigesetzt wurde, liegt im Ortsteil Berlin-Schöneberg. Bis Anfang der 1990er Jahre wohnte „Rocky“ zusammen mit seiner Familie in diesem Bezirk.

Der historische Friedhof beherbergt viele Ehrengräber. So liegen hier unter anderem die Gebrüder Grimm begraben, aber auch die Gräber von Persönlichkeiten wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Rudolf Virchow und Wilhelm Scherer sind auf dem St.-Matthäus-Kirchhof Berlin zu finden.

Der Unfalltod des Boxers

Am 1. Oktober 2018 war der Boxer an den Folgen eines Autounfalls in Sizilien gestorben. Er ist nur 54 Jahre alt geworden. Wie die italienische Polizei bekannt gegeben hatte, war Rocchigiani zu Fuß unterwegs, als er von einem Auto überfahren wurde.

Graciano Rocchigiani
Rocchigiani wurde bereits mit 24 Jahren Weltmeister. (Bildquelle: wikipedia.org)

Der Unfall hatte sich in der Nähe der Stadt Catania ereignet. Rocchigiani lief am Rand der vierspurigen Schnellstraße SS221 ungerwegs und wollte diese überqueren, als er von einem Smart erfasst wurde und auf der Stelle starb. Der 29-jährige Fahrer soll weder alkoholisiert gewesen sein noch unter Drogeneinfluss gestanden oder die Verkehrsregeln verletzt haben.

Ein Sportlerleben mit vielen Höhen und Tiefen

Das Leben des ehemaligen Boxweltmeisters galt als turbulent. Mit 24 Jahren war „Rocky“ seinerzeit der jüngste deutsche Boxweltmeister und eine Legende im Boxsport. Doch er sorgte auch für zahlreiche Skandale. Im Westen Berlins, wo der Sohn eines Eisenbiegers aus Sardinien aufgewachsen ist, lernte er das Boxen.

Sein Debüt als Profi hatte „Rocky“ im Jahr 1983, als er in der zweiten Runde gegen Esperno Postl siegte. Zwei Jahre später holte er den Deutschen Meistertitel im Mittelgewicht, 1986 trug er den Meistertitel im Halbschwergewicht davon. Im Jahr 1988 besiegte er den US-Amerikaner Vincent Boulware und holte damit als dritter deutscher Boxer den Weltmeistertitel.

Die Boxkarriere von Graciano Rocchigiani – wichtige Siege und Niederlagen

1985 – Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht, Sieg gegen Rüdiger Bitterling

1986 – Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht, Sieg gegen Manfred Jassmann

1988 – IBF Weltmeisterschaft Supermittelgewicht, Sieg gegen Vincent Boulware

1988 – Titelverteidigung IBF Weltmeisterschaft Supermittelgewicht, Sieg gegen Nicky Walker

1988 – Titelverteidigung IBF Weltmeisterschaft Supermittelgewicht, Sieg gegen Chris Reid

1989 – Titelverteidigung IBF Weltmeisterschaft Supermittelgewicht, Sieg gegen Thulani Malinga

1991 – Europameisterschaft im Halbschwergewicht, Sieg gegen Crawford Ashley

1991 – Titelverteidigung Europameisterschaft im Halbschwergewicht, Sieg gegen Alex Blanchard

1993 – Weltmeisterschaft WBO Supermittelgewichtstitel

1994 – Niederlage gegen Chris Eubank im WM-Kampf (Supermittelgewicht)

1994 – Europameisterschaft im Supermittelgewicht – Unentschieden gegen Frederic Seillier

1995 – Weltmeisterschaft IBF Halbschwergewicht (Dortmund) – Niederlage gegen Henry Maske

1995 – Weltmeisterschaft IBF Halbschwergewicht (München) – Niederlage gegen Henry Maske

1996 – Weltmeisterschaft WBO Halbschwergewicht – Unentschieden gegen Dariusz Michalczewski

1998 – Weltmeisterschaft WBC Halbschwergewicht – Sieg gegen Michael Nunn

2000 – Weltmeisterschaft WBO Halbschwergewicht – Niederlage gegen Dariusz Michalczewski

2003 – WBC International Halbschwergewichtstitel – Niederlage gegen Thomas Ulrich

Im Jahr 1995 trat Rocchigiani gleich zweimal gegen Henry Maske an, wobei er beide Male unterlag. Der Punktesieg Maskes im ersten Kampf gilt allerdings als umstritten, da er ihn sehr effektiv attackieren konnte und er Maske deutlich an den Rand der Niederlage gebracht hatte. Seinen letzten Kampf bestritt „Rocky“ im Jahr 2003 gegen Thomas Ulrich in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart, wo er nach 12 Runden eine Punkteniederlage erlitt.

Nach dem Ausstieg aus dem Profisport sorgte Rocchigiani für eine Reihe von Skandalen. Er wurde mehrere Male verurteilt, unter anderem wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung, im Jahr 2007 musste er eine Freiheitsstrafe verbüßen.