Betrugsverfahren gegen Krypto-Wettplattform Better Betting

Veröffentlicht am: 3. April 2019, 01:36 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 3. April 2019, 02:50 Uhr.

Die Verantwortlichen der Krypto-Wettplattform Better Betting (BETR) müssen sich in Estland in einer Zivilklage wegen Betruges, Verschwörung und dem Missbrauch von Investorengeldern verantworten. Nachdem estnische Behörden bereits 2018 von Investoren über den Verdacht krimineller Vorgänge bei BETR informiert worden waren, hat die Anwältin Kati Miller nun für die Geschädigten vor einem estnischen Zivilgericht Klage eingereicht.

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In Kryptowährungen steckt großes Potential für Sportwettenanbieter. (Quelle: Wikimedia)

Die ehemaligen Investoren fordern von Better Betting und der Dachorganisation BETR Sihtastus 600.000 Euro für verlorene Investments und Auslagen.

Wie das estnische Nachrichtenmagazin Eesti Ekspress [Seite auf Estnisch] berichtete, sammelten die in der Klage genannten BETR-Manager unter Leitung des britischen CEO Brink von privaten Geldgebern geschätzte 5.3 Millionen US-Dollar (ca. 4.7 Millionen Euro) für den Ausbau der Operationen der Krypto-Wettplattform.

Revolutionierung des Sportwettengeschäfts?

Mit den Investorengeldern wollte Better Betting laut eigenen Angaben den Sportwettenmarkt revolutionieren.

Dies sollte durch die Entwicklung eines eigenen Krypto-Tokens, dem 2017 eingeführten „BETR“ erreicht werden. Die neue Sportwetten-Währung sollte es Spielern erlauben, in Echtzeit gegeneinander zu wetten, ohne Mittelsmänner wie Buchmacher nutzen zu müssen.

Sind Krypto-Sportwetten die Zukunft?

Obwohl der Markt für Krypto-Sportwetten derzeit noch relativ jung ist, haben bereits einige Unternehmen in den Geschäftszweig investiert.

Einer der führenden Anbieter ist die Plattform Kryptium, die 2018 gelauncht wurde. Sie bietet unter anderem Sportwetten im Bereich Fußball, Basketball und American Football an. Ein weiterer großer Anbieter der Peer-to-Peer-Wetten ist ZenSport, der es Spielern ermöglicht, eigene Wetten zu erstellen und anzubieten.

Der Dezentralisierung von Sportwetten wird weitläufig großes Zukunftspotential bescheinigt, sie ruft allerdings auch Kritiker auf den Plan. So ist es für staatliche Stellen derzeit nicht möglich, diesen Markt zu regulieren. Glücksspielgesetze, der Spielerschutz und die Steuerpflicht sind daher kaum überwachbar.

Doch schon kurz nach dem Launch der Plattform geriet Better Betting wegen seiner Geschäftspraktiken in den Fokus der Medien und Strafverfolgungsbehörden. Investoren des Unternehmens hatten wiederholt eine Offenlegung von Bankdokumenten gefordert, der die Firma angeblich nicht nachkam.

In der Folge kamen Gerüchte darüber auf, ob Adriaan Brink Investmentgelder für private Zwecke genutzt und damit missbraucht haben könnte.

Ein Verdacht, der sich in den Augen von Investoren erhärtete. So hatte Brink Investoren vermutlich dazu aufgefordert, Geldmittel auf ein Konto der auf den Bahamas ansässigen Lanzerac Holdings LTD zu transferieren.

Unbekannt schien den Geldgebern geblieben zu sein, dass die Holding bereits im Jahre 2009 aufgelöst worden war.

Krypto, aber nur ein bisschen?

In der Auseinandersetzung mit den Investoren ging es aber nicht nur um die Verwendung von Investitionsmitteln, sondern um die technische Infrastruktur von Better Betting.

So sah das ursprünglich geplante System vor, dass sich Spieler lediglich mit ihrer Ethereum–Adresse anmelden müssten, um Wetten zu platzieren. Dieser Plan wurde laut Angaben von Investoren jedoch einer Änderung unterzogen, sodass Spieler bei der Verwendung der Sportwetten-App persönliche Informationen wie Namen und Email-Adressen hinterlegen mussten.

Außerdem war die Implementierung eines Ethereum-Wallets, das die Möglichkeit eines freien Krypto-Token-Austauschs zwischen Spielern ermöglichen sollte, nicht wie geplant eingeführt worden.

BETR blieb damit ein abgeschlossenes System, dass Spielern weder völlige Anonymität noch einen freien Token-Verkehr bieten konnte. Ein Umstand, der Investoren beunruhigte.

Schließlich hätten staatliche Regulatoren in Europa annehmen können, dass es sich bei BETR um einen unregulierten Glücksspielanbieter handele.

Von Anfang an ein Betrugsszenario?

Während estnische Behörden und Anwälte der Investorengruppe Brink ins Fadenkreuz genommen haben, will der Geschäftsmann von den Anschuldigungen nichts wissen. Bereits nach ersten Meldungen über finanzielle Unregelmäßigkeiten im Unternehmen meldete sich Brink im Winter 2018 in seinem Blog zu Wort.

Darin verweist der Krypto-Unternehmer die Vorwürfe des Hauptinvestors Hilliard Ehrlich ins Reich der Fantasie:

„Kein einziger der Vorwürfe, den er [Hilliard Ehrlich, Amerk. d. Redaktion] vorgebracht hat, hat eine sachliche Grundlage. Sie stellen nichts weiter als eine Schikane und Beleidigung dar dar. Ich habe und werde niemals Stiftungsgelder oder Vermögenswerte ausgeben, außer zur Erreichung der im Weißbuch genannten Ziele.“

Ganz anders sieht dies die Anwältin Kati Miller. Sie sei sehr zuversichtlich, dass ein estnisches Gericht für die Kläger urteilen werde. Ziel der Investment-Gruppe sei es, die Angelegenheit zu einem Ende zu bringen und Unternehmenswerte von BETR in Estland und Großbritannien aufzuspüren.

Sollte dies gelingen, könnte das frühzeitige Ende der Krypto-Sportwettenplattform bevorstehen.