Geschenke von Glücksspiel-Unternehmen? Britische Abgeordnete ernten Kritik

Veröffentlicht am: 1. September 2021, 12:22 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 1. September 2021, 12:22 Uhr.

Die Abgeordnete der britischen Tory-Partei Esther McVey in Tatton, Cheshire, und ihr Ehemann Philip Davies, ebenfalls Abgeordneter, sollen VIP-Tickets für Sportveranstaltungen im Gesamtwert von mehr als 18.000 GBP erhalten haben. Ein Großteil der Tickets soll von Glücksspiel-Unternehmen stammen. Dies berichtete das britische Nachrichtenmagazin Metro [Seite auf Englisch] am Dienstag.

VIP-Lounge Wembleystadium
Tory-Politiker erhalten VIP-Tickets für Sportveranstaltungen von Glücksspiel-Unternehmen. (Bild: wembleystadium.com)

Das Paar habe unter anderem zwei Tickets für den britischen Grand Prix in Silverstone im Wert von 2.950 GBP erhalten. Außerdem soll das Pferdezucht-Unternehmen Normandie Stud Davies und McVey mit Tickets zu je 750 GBP für das Royal Ascot Pferderennen bedacht haben.

Auch bei der Euro 2020 sei das Paar zu Gast gewesen. So hätten sie vom Glücksspiel-Unternehmen Gamesys Tickets im Wert von je 2.114 GBP für das Gruppenspiel am 15. Juni erhalten.

Entain soll VIP-Plätze für je 3.457 GBP für das Euro 2020-Halbfinale England gegen Dänemark spendiert haben. Zudem habe der Konzern dem Paar einen Besuch bei Wimbledon im Wert von je 1.100 GBP ermöglicht.

Interessenkonflikt durch Nebentätigkeiten in der Glücksspiel-Branche?

Davies war im vergangenen Jahr noch als Berater für Entain, vormals GVC, tätig und soll dafür ein Gehalt von knapp 50.000 GBP erhalten haben. Der Politiker erklärte, dass er damals als Mitglied des Commons Culture Committees, des Gesetzgebungsausschusses für Digitales, Kultur, Medien und Sport, zurückgetreten sei, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Darüber hinaus habe er auf einer Klausel im Vertrag mit Entain bestanden, die Lobbyarbeit für das Unternehmen ausschließen soll.

Ins Kreuzfeuer der Kritik ist letztes Jahr auch der englische Parlamentarier Rob Butler geraten. Butler soll seit letztem Jahr Medien-Trainings für den Betreiber der National Lottery Camelot durchführen. So soll er unter anderem die Angestellten des Unternehmens auf Interviews mit den Medien vorbereiten. Sein Vertrag für diese Nebentätigkeit soll bis März 2022 laufen. Insgesamt soll Butler eine Vergütung von 130.000 GBP erhalten.

Heftige Kritik seitens der Opposition

Heftiger Gegenwind kam seitens der Tatton Liberal Democrats. Bezeichnend sei die Tatsache, dass McVey und Davies die Zuwendungen seitens der Glücksspiel- und Sportwetten-Konzerne gerade in jener Zeit angenommen hätten, während der in der Regierung die Änderungen des Glücksspielgesetzes diskutiert würden.

Dass bekannt geworden sei, dass McVey gratis Tickets für große Sportveranstaltungen erhalten habe, müsse sehr peinlich für eine Politikerin gewesen sein, die stolz darauf sei, in engem Kontakt mit Arbeiterinnen und Arbeitern zu stehen, heißt es in einem Statement der Liberal Democrats.

Weiter heißt es:

Was hätten die meisten ihrer Tatton-Wähler und -Anhänger nicht für ein Ticket im Wert von 3.457 Pfund für das Euro-Viertelfinalspiel England-Dänemark im Wembley-Stadion oder ein Ticket für 1.100 Pfund und ein “Gastfreundschaftspaket” für Wimbledon am 2. Juli gegeben?

Dass Politiker Werbegeschenke erhalten, scheint nichts Ungewöhnliches zu sein. Allerdings könnten Tory-Abgeordnete Zuwendungen von Privatunternehmen offener gegenüberstehen als die Liberalen.

Nach Angaben der Metro hätten 65 Abgeordnete der Konservativen zwischen Mai und Juli dieses Jahres Freikarten für Sportveranstaltungen, Musikfestivals und Tickets für die Verleihung der Brit Awards im Wert von 160.000 GBP erhalten. Im Vergleich dazu hätten Abgeordnete der Labour-Partei Aufmerksamkeiten im Wert von 31.921 GBP akzeptiert.