Australien drohen Millionen­zahlungen an Crown Resorts

Veröffentlicht am: 21. September 2020, 04:07 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 21. September 2020, 04:07 Uhr.

Die Regierung von New South Wales könnte sich bei ihren Ermittlungen gegen Crown Resorts in einer kniffligen Pattsituation befinden. Wie die australische Tageszeitung The Sydney Morning Herald am Freitag berichtet hat [Seite auf Englisch], könnte eine Klausel im 2014 zwischen der Regierung und Crown geschlossenen Vertrag den Staat zu Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe zwingen.

Melbourne Skyline mit Crown Casino
New South Wales könnte milliardenschwere Entschädigung an Crown Casino zahlen müssen (Bild: Needpix)

Dazu könne es kommen, wenn der Staat infolge seiner Geldwäsche-Ermittlungen neue restriktive Maßnahmen einführe, mit denen Crown Resorts zu besserer Geldwäsche-Prävention gezwungen sei. Die Maßnahmen könnten vor allem die Kooperation zwischen dem Casino und chinesischen Junket Operators, unterbinden.

Crown Resorts arbeitet seit vielen Jahren mit sogenannten Junket Operators aus China zusammen. Hierbei handelt es sich um auf Glücksspiel-Tourismus spezialisierte Vermittlungsagenturen, die in erster Linie VIP-Kunden betreuen. Informationen von Whistleblowern, nach denen einige der Junkets mit kriminellen Triaden und Geldwäsche in Verbindung stehen sollen, führten zu Ermittlungen gegen Crown.

Die direkte Folge für Crown wäre der Verlust zahlreicher chinesischer VIP-Gäste, die dem Konzern einen Großteil seiner Umsätze bescherten. Da Crown in diesem Fall hohe Verluste erleiden würde, könne sich das Casino auf die entsprechende Vertragsklausel beziehen.

Laut dieser müsse der Staat, der diese Verluste indirekt verursache, dem Konzern eine Entschädigung in bis zu zehnfacher Höhe der erlittenen Schadens zahlen.

Regierung genötigt, Kriminalität zu tolerieren?

Der Parlamentarier Justin Field bezeichnete diese Situation als „ungeheuerlich“. Die Regierung sei dadurch genötigt, nicht gegen Verbrechen und Geldwäsche vorzugehen.

Es müssen viele Fragen beantwortet werden in Bezug auf die gescheiterte Integrität der Crown-Lizenz […] und wie es erlaubt werden konnte, dass Klauseln dieser Art enthalten sind, die die Hand der Regierung und des Parlaments schwächen, im öffentlichen Interesse zu regulieren.

Um eine derart missliche Lage für die Regierung zu vermeiden, müsse Crown öffentlich erklären, auf etwaige Entschädigungszahlungen zu verzichten, erklärt Field.

Dieser Ausweg scheine derzeit jedoch unwahrscheinlich, zumal Crown derzeit auch die Eröffnung und Lizenzierung eines weiteren Casinos verhandele. So wolle Crown noch in diesem Jahr, und damit vor geplantem Abschluss der Ermittlungen sein Casino in Barangaroo, Sydney, öffnen.

Der Parlamentarier Andrew Wilkie zeigt sich der Presse gegenüber empört:

Crown befindet sich im Zentrum von Anschuldigungen systemischen und anhaltenden Fehlverhaltens, wodurch der Konzern, sofern die nötigen Beweise erbracht werden, als nicht geeigneter Lizenznehmer eingestuft werden könnte. Sicherlich sollten sie keine Lizenz für das Barangaroo erhalten.

Glücksspielaufsicht müsste Lizenz entziehen

Die zuständige Richterin Patricia Bergin werde bis spätestens zum 1. Februar entscheiden, ob Crown sich grundsätzlich als ein „geeigneter Lizenznehmer“ qualifiziert, oder ob der Konzern zunächst Veränderungen seiner Geschäfte vorweisen müsse.

Sollte die zuständige Glücksspielaufsicht (ILGA) Crown auf dieser Basis die Lizenz entziehen müssen, könne der Staat auch vor der Anwendung der Entschädigungsklausel bewahrt werden. Allerdings müsse die Behörde die Lizenzvereinbarung als offizielle „disziplinarische Maßnahme“ beenden.