Russland: Archäologen entdecken illegales Casino aus dem 17. Jahrhundert

Veröffentlicht am: 13. November 2019, 04:37 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 13. November 2019, 04:37 Uhr.

Wissenschaftler des Archäologischen Zentrums in Pskov, einer Stadt im Nordwesten Russlands, haben vermutlich ein illegales unterirdisches Casino aus dem 17. Jahrhundert gefunden. Die Theorie der Wissenschaftler basiert auf dem Fund einer Holzbank, in die das Spiel „Alquerque“, eine frühe Variante des Dame-Spiels, eingeschnitzt ist, das in Russland in dieser Epoche sehr beliebt gewesen sein soll.

Alquerque Spiel
Russische Forscher haben ein illegales Casino aus dem 17. Jahrhundert entdeckt. (Bild: pixabay.com)

Im letzten Jahr seien in der Ausgrabungsstätte [Seite auf Russisch] bereits mehrere Spielchips gefunden worden. Der jüngste Fund sei ein weiterer Beleg für die Spielgewohnheiten der Menschen aus dieser Zeit, erklärten die Historiker.

Alquerque gehört zu den ältesten Spielen und soll bereits vor mehr als 3.500 Jahren in Ägypten bekannt gewesen sein. Araber brachten Alquerque (El-Quirkat) im Mittelalter nach Spanien. Archäologen konnten bereits mehrere Varianten von Alquerque-Spielbrettern finden, was auf verschiedene Spielvariationen hinweisen könnte.

Gespielt wird Alquerque auf einem Brett mit 5 x 5 Punkte, die miteinander verbunden sind, und mit 12 schwarzen und 12 weißen Spielsteinen. Die Spieler bewegen abwechselnd ihre Spielsteine die Linien entlang und versuchen, die Steine ihrer Gegner zu erobern. Das Spiel ist beendet, wenn entweder kein weiterer Spielzug mehr möglich ist oder wenn ein Spieler keine Spielsteine mehr hat.

Glücksspiel war in Russland streng verboten

Holzbank, Spiel
Das Spiel wurde in die Bank geschnitzt. (Bild: instagram.com/arheologpskov)

Die Geschichte des Glücksspiels in Russland reicht bis ins Mittelalter zurück. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert verhängte die Kirche Geldstrafen gegen Glücksspieler.

Der mutmaßliche neueste Fund beleuchtet, wie russische Spieler im 17. Jahrhundert in Russland lebenden Spieler versuchten, auf geniale Weise ihre illegalen Freizeitbeschäftigungen zu verschleiern.

Zar Alexis Mikhailovich (Anm. d. Red.: 1645 bis 1676 Zar und Großherzog von Russland), der Vater von Peter dem Großen, soll so besorgt über die Spielleidenschaft seiner Untertanen gewesen sein, dass er alle Formen des Spielens verbot.

Um sicherzustellen, dass sein Dekret eingehalten wurde, führte er harte Strafen bei Verstößen ein. Übertretungen wurden mit Auspeitschen geahndet oder den Delinquenten wurde ein Ohr abgetrennt.

Aus diesem Grunde hätten die Spieler zu allen möglichen Tricks greifen müssen, um ihre Passion zu verbergen, heißt es in der Beschreibung des Fundstücks auf Instagram.

Die Archäologen kommentieren:

“Wenn unerwünschte Besucher anklopfen, kann das Brett schnell mit einem Lappen bedeckt werden oder eine Person kann sich einfach darauf setzen und es so vor neugierigen Blicken verbergen.“

Die erste Glücksspiel-Zone in Russland

Schnee, Himmel, Bäume
Die Möglichkeit zu spielen lockte viele Menschen nach Sibirien. (Bild: pixabay.com)

Unter Zar Alexis Mikhailovich soll im Jahre 1667 die erste Glücksspiel-Zone in Sibirien eröffnet worden sein. Der Zar hatte das Ziel, russische Bürger zu motivieren, diese unwirtliche Region zu besiedeln und zusätzliche Einnahmen für die Schatzkammer zu generieren.

Zahlreiche Menschen, die dem Spiel zugetan waren, siedelten nach Sibirien um, während in dem restlichen Land das Glücksspiel weiterhin streng verboten war. Der Plan des Zars ging auf.

Menschen ließen sich dort nieder und begannen zu arbeiten, was sich positiv auf die Region auswirkte. Die Schaffung der Glücksspiel-Zone in Sibirien gilt als einer der wichtigsten Schritte beim Prozess der Besiedlung Sibiriens.

Eine Wende brachten die Regierungszeiten unter Zar Alexander II Nikolajewitsch (1855 bis 1881) und Nikolaus II (1894 bis 1918), die das Glücksspiel für die breite Bevölkerung zugänglich machten. Casinos und Spielhallen wurden im großen Stil eröffnet.

Nach der Oktoberrevolution wurde das Glücksspiel jedoch wieder verboten und diejenigen, die es praktizierten, mussten mit Sanktionen rechnen.

Glücksspiel in Russland im 20. Jahrhundert bis heute  

Moskau, roter Platz, Kreml
Zu den Hochzeiten des Glücksspiels gab es in Russland mehr Spielautomaten als in Las Vegas. (Bild: pixabay.com)

1989 kam das Glücksspiel zurück. Es soll mit der Eröffnung von “Astoria Palace”, dem ersten Casino in der UdSSR in Tallinn und einem Casino im Hotel “Savoy” in Moskau, begonnen haben.

Mitte der 90er Jahre explodierten die Umsätze der Spielstätten und in den großen Städten wie Moskau und St. Petersburg schossen neue Casinos wie Pilze aus dem Boden.

Zu den Hochzeiten des Glücksspiel-Booms soll es mehr als 300.000 Spielautomaten im Land gegeben haben, während die Gesamtzahl der Spielautomaten in den Glücksspiel-Mekkas Las Vegas und Atlantic City lediglich etwa 250.000 betrugen.

Dies führte zu vermehrtem problematischen Spielverhalten in Russland. Dies soll Wladimir Putin im Jahre 2009 dazu gezwungen haben, die Casinos aus den russischen Städten zu verbannen.

Stattdessen wurden vier Spielzonen in abgelegenen Gebieten Russlands eingerichtet: eine in Sibirien, eine im Osten des Landes, eine in der Kaliningrader Ostsee-Enklave und eine weitere im Süden Russlands.

Heute erlebt das Glücksspiel weltweit einen Umbruch. Auch Russland scheint sich wieder für Casinos zu öffnen. So wurde Anfang 2017 das neue Sochi Casino & Resort eröffnet, das 70 Spieltische und 596 Automatenspiele beherbergt. In der Umgebung von Sotschi sollen weitere Spielstätten geplant sein, um die Wirtschaft anzukurbeln.