Wegen Rassisten: Overwatch League verbannt OK-Symbol

Veröffentlicht am: 13. April 2019, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 12. April 2019, 04:30 Uhr.

Die Overwatch League (OWL), offizielle eSports Liga des Games Overwatch, hat die Verwendung des OK-Zeichens für unerwünscht erklärt: Entwickler und OWL-Gastgeber Activision Blizzard setzte das Symbol auf seine Bannliste. Hintergrund ist die Vereinnahmung des gängigen Zeichens durch Rassisten wie den Attentäter von Christchurch.

Overwatch League Teams
Das OK-Zeichen ist in der OWL nicht mehr erwünscht (Quelle:overwatchleague.com)

In der vergangenen Woche erklärte Spielentwickler Blizzard das OK-Symbol, dargestellt durch eine Hand, deren Daumen und Zeigefinger sich berühren, während die weiteren Finger gespreizt sind, in der OWL für offiziell unerwünscht.

Overwatch ist ein in einem Phantasie-Universum angesiedelter Ego-Shooter, der in Sechser-Teams gespielt wird.

Die Overwatch League wurde 2017 von Hersteller Blizzard Entertainment gegründet und orientiert sich an der Organisation US-amerikanischer Profi-Ligen, in denen der Sieger durch Play-Offs ermittelt wird.

In der laufenden Saison treten 20 städtebasierte internationale Teams in 280 Matches gegeneinander an. Der Preispool umfasst insgesamt 5 Millionen US-Dollar.

Die fragliche Geste, die nicht nur im Gaming-Kontext eigentlich für „In Ordnung“ steht, wird insbesondere in den USA seit einiger Zeit als Zeichen des Hasses gewertet.

So soll das Symbol mittlerweile die Idee der White Supremacy, also der Vorherrschaft der weißen „Rasse“, repräsentieren.

Livestream gab den Anstoß

Als die Handgeste dennoch während des Livestreams der OWL aus der Blizzard-Arena im Hintergrund eines Interviews für einige Sekunden deutlich erkennbar war, erntete Veranstalter Blizzard Beschwerden und – insbesondere via Twitter – harsche Reaktionen:

Welcher menschliche Abfall hat das „White Power“- Handzeichen während des Interviews mit Decay gemacht? Ich hoffe, sie werden vom Besuch weiterer Matches ausgeschlossen.

Vor Ort reagierten die Organisatoren umgehend und erklärten den Anwesenden, dass die Ausführung der Geste in der Halle von nun an nicht mehr gestattet sei.

Kurz darauf erklärte ein Twitteruser namens Ty ‘SteelTrainer’, derjenige gewesen zu sein, der seine Hand in die Höhe gestreckt habe. Die mit dem Zeichen verbundene Assoziation sei ihm allerdings völlig unbekannt gewesen.

Tweet overwatch
Stein des Anstoßes: Geste im Hintergrund (Quelle:twitter.com/@slasher)

Overwatch-Superfans nutzten die Geste seit Veröffentlichung des Spiels als Symbol für „Alles klar“, so der Twitteruser. Nun, da ihm der Kontext bekannt sei, werde er sie allerdings nicht mehr verwenden.

Vor Trollaktion eingeknickt?

Wie genau es dazu kam, dass eine an sich harmlose und seit Menschengedenken international genutzte Geste zum Symbol für Hass und Rassismus wurde, ist nicht mehr klar nachzuverfolgen.

Kritiker bemängeln, dass die Umwertung des Symbols auf eine Trollaktion auf der Plattform 4chan zurückgehe. Eine kleine Gruppe habe absichtlich Unwahrheiten über die Bedeutung der Geste im Spiel verbreitet, welche dann von „Idioten“ wiederholt worden wären.

Jeder Overwatch-Spieler wisse ganz genau, wofür das Zeichen stehe und dass es nichts mit der Verbreitung von Hass zu tun habe.

Blizzards Entscheidung, das Zeichen zu bannen, bedeute somit nur ein weiteres Füttern der Trolls und eine Kapitulation vor deren Wirken, so der Vorwurf.

Symbolik ins Real Life überführt

Demgegenüber steht die Ansicht, dass die Geste den Raum des unbedeutenden Memes verlassen habe, seit sie sowohl im Netz als auch im Real Life als Symbol und Erkennungszeichen für eine bestimmte Weltanschauung genutzt werde.

OK Zeichen White House
Umstrittene Geste im Weißen Haus (Quelle:mediamatters.org)

So ließ sich beispielsweise der umstrittene Blogger Jim Hoft im Weißen Haus mit OK-Geste ablichten. Hoft steht regelmäßig für das Verbreiten von Unwahrheiten in seinem politischen Blog in der Kritik.

Gemeinsam mit Hoft und mit gleicher Geste ist auf dem entsprechenden Bild Lucian Wintrich zu sehen, der sich insbesondere via Twitter gern über Frauen, Transgender und Minderheiten lustig macht (Seite auf Englisch).

Besonders unrühmliche Aufmerksamkeit erlangte die Umdeutung der OK-Geste im Kontext des Massakers im neuseeländischen Christchurch. Am 15.März 2019 hatte ein rechtsextremer Terrorist in einer Moschee insgesamt 50 Menschen getötet und 50 weitere zum Teil schwer verletzt.

Der Mann hatte seine Taten live im Internet gestreamt und in diesem Kontext auch besagtes OK-Zeichen in die Kamera gehalten.

Wer bestimmt die Bedeutung?

Die Frage, inwieweit Extremisten die Deutungshoheit über fest in der Gesellschaft verankerte Symbolik zugesprochen werden darf, ist ein weites Feld.

Spielemacher Blizzard, die OWL und ein großer Teil der Overwatch Community jedenfalls haben sich entschieden, die Geste, die mittlerweile zumindest von einigen als Symbol für Hass und Menschenfeindlichkeit verwendet wird, nicht in ihrer Gaming-Wirklichkeit zu dulden.

Und haben damit selbst ein unmissverständliches Zeichen gesetzt.