Keine Zahlungen mit Visa-Karte in deutschen Online-Casinos mehr möglich?

Veröffentlicht am: 27. Mai 2020, 11:32 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 27. Mai 2020, 11:55 Uhr.

Bis auf Weiteres soll es deutschen Spielern in Online-Casinos nicht mehr möglich sein, Visa-Kreditkarten bei der Zahlungsabwicklung einzusetzen. Dies berichten Medien unter Berufung auf eine Stellungnahme des Unternehmens. Der Finanzdienstleister habe seine Partnerbanken darauf hingewiesen, dass Ein- und Auszahlungen für illegale Online-Casinos nicht abgewickelt werden dürften.

Visa Kreditkarten
Kreditkartenanbieter Visa hat seine Partner angewiesen, in Deutschland nicht mehr mit Online-Casinos zusammenzuarbeiten (Quelle:pxfuel.com, licensed under CC0)

„Nur legale Transaktionen“

Nachdem sich der Online-Zahlungsdienstleister PayPal im vergangenen Oktober aus dem Geschäft mit dem Internet-Glücksspiel in Deutschland zurückgezogen hat, scheint nun auch Kreditkarten-Schwergewicht Visa dem Druck nachzugeben und seine Services für Online-Casinos einzustellen.

Sowohl der Norddeutsche Rundfunk (NDR) als auch das Handelsblatt berichten, dass Visa bestätigt habe, seine Partner explizit an ihre Verpflichtung erinnert zu haben, „sicherzustellen, dass nur legale, ordnungsgemäß lizenzierte Transaktionen abgewickelt werden”. Andernfalls, so zitiert das Handelsblatt den Konzern, drohten Konsequenzen:

Stellt Visa fest, dass eine Händlerbank ihre Compliance-Anforderungen nicht einhält, können wir ihren Zugang zum Visa-Netzwerk unterbrechen oder beenden.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen in Schleswig-Holstein gelten Online-Casinos in Deutschland als illegal. Dementsprechend ist es auch Banken und Finanzdienstleistern untersagt, Transaktionen für die meist im Ausland ansässigen Anbieter zu tätigen. Nichtsdestotrotz stehen deutschen Nutzern der Glücksspielseiten diverse Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung, über die sie Ein- und Auszahlungen vornehmen können.

Sauberer Neustart 2021?

Dieser Umstand widerspricht dem im Paragraf 4 des geltenden Glücksspielstaatsvertrag formulierten, sogenannten Mitwirkungsverbot. Dieses regelt, dass Banken und andere Zahlungsdienstleister mit dem Großteil der in Deutschland aktiven Online-Casinos nicht zusammenarbeiten dürfen. Hieraus abgeleitet kommt ihnen in dieser Hinsicht zudem eine besondere Aufsichts- und Kontrollpflicht zu.

Erfüllen die Finanzanbieter diese Pflicht nicht, sondern ermöglichen Kunden den Zahlungsverkehr auf illegalen Glücksspielseiten, kann es sein, dass sie sich schadensersatzpflichtig machen.

Derzeit überprüft das Oberlandesgericht (OLG) in Stuttgart einen Fall, bei dem das Landgericht Ulm einem Spieler Recht gegeben und einen Zahlungsdienstleister verpflichtet hatte, dem Mann rund 10.000 Euro zurückzuzahlen, die dieser im Online-Casino verspielt hatte. Sollte das OLG erneut im Sinne des Klägers entscheiden, gehen Beobachter von einer Signalwirkung aus. Unter Umständen müssten sich die Geldinstitute auf Rückforderungen in Milliardenhöhe einstellen.

Interessant am Visa-Rückzug aus den deutschen Online-Casinos ist auch sein Zeitpunkt. In rund einem Jahr, ab Juli 2021, soll ein neuer Glücksspielstaatsvertrag unter anderem das legale Spiel im Internet regeln.

Nachdem Politik und Finanzbranche über lange Zeit nur verhaltene Anstrengungen erkennen ließen, die Geldflüsse an illegale Online-Casinos zu unterbinden, scheint sich nun Aufbruchsstimmung breitzumachen. Möglich ist, dass der Einstieg ins bundesweit lizensierte Online-Glücksspiel von allen Seiten als Neuanfang betrachtet wird, der so sauber wie möglich vonstattengehen soll.