Verschärfte Corona-Regeln: Britische Casinos endgültig vor dem Aus?

Veröffentlicht am: 23. September 2020, 11:17 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 23. September 2020, 11:17 Uhr.

Am Dienstag hat der britische Premier Minister Boris Johnson erneut eine Verschärfung der Corona-Restriktionen in England angekündigt. Eine der neuen Maßnahmen könnte den landbasierten Glücksspielsektor besonders hart treffen.

Boris Johnson mit schwarzer Gesichtsmaske
Die von Boris Johnson angekündigten Maßnahmen könnten das Aus für britische Casinos bedeuten (Bild: Flickr/Number10)CC BY-NC-ND 2.0)

So müssen sämtliche Etablissements aus dem Gastgewerbe, inklusive der Casinos und Spielhallen, täglich ab 22 Uhr schließen. Wie die BBC berichtet, gelte die neue Sperrstunde in England, Schottland und Wales ab Donnerstag.

Johnson habe dabei verlauten lassen, dass der neue Status Quo für sechs Monate beibehalten werden könnte. Sollten die Zahlen der positiv Getesteten dabei weiterhin ansteigen, seien auch noch „drastischere Maßnahmen“ denkbar.

Einen kompletten Lockdown wie im März wolle die Regierung verhindern. Auszuschließen sei dieser jedoch nicht gänzlich.

BGC warnt vor tödlichem Schlag gegen Casinos

Der britische Glückspielverband Betting and Gaming Council (BGC) reagierte prompt auf die neuen Ankündigungen des Premiers [Seite auf Englisch]. Geschäftsführer Michael Dugher äußerte dabei sein Unverständnis über die inkonsistente Kehrtwende der Regierung.

So habe der Premier vor Wochen erklärt, dass die Casinos, sofern sie „COVID-sicher“ gemacht würden, ihre Geschäfte wieder aufnehmen könnten. Minister hätten die Casinos persönlich besucht, um sich von den Sicherheitsvorkehrungen zu überzeugen, und anschließend grünes Licht gegeben.

Laut Dugher sei die jetzt verhängte Sperrstunde jedoch der potenzielle Todesstoß für die Branche. So nähmen die Casinos einen Großteil ihrer Gesamteinnahmen erst nach 22 Uhr ein.

Boris Johnson hat für die Casinos höchstwahrscheinlich die Totenglocke geläutet, indem er sie auf die Liste der Etablissements gesetzt hat, die ihre Türen ab 22 Uhr schließen müssen. Die Sperrstunde ab 22 Uhr wird die Einnahmen der Casinos um 75 % einbrechen lassen und höchstwahrscheinlich dazu führen, dass die Hälfte aller Angestellten, das sind gut 7.000 Personen, entlassen werden.

Die Entlassungen seien vor allem daher unvermeidbar, weil ab Ende Oktober die staatlichen Hilfen für die vom Zwangsurlaub betroffenen Angestellten beendet würden.

Sofern die Regierung kein alternatives Hilfspaket für die Branche schnüre, sei diese dem Untergang geweiht.

Ohne sofortige und umfangreiche finanzielle Hilfe der Regierung, werden die Casinos, die normalerweise höchst rentabel sind und in den letzten drei Jahren 1,3 Mrd. GBP Steuern in die Staatskassen gezahlt haben, einfach vor die Wand gefahren.

Dugher stellt daher die offene Frage, wie der Premierminister sich eine Erholung der Wirtschaft vorstelle, wenn einige der ertragreichsten Industriezweige im Zuge der Maßnahmen nahezu ausgelöscht würden.