Thailand: Mit der Tarantel zum Lotto-Jackpot

Veröffentlicht am: 16. August 2020, 05:30 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 14. August 2020, 04:05 Uhr.

In Thailand wird jeweils am 1. und am 15. des Monats die Ziehung der staatlichen Lotterie durchgeführt. Alle anderen Formen des Glücksspiels sind untersagt. Gestern sind erneut die Lottozahlen gezogen worden. Doch die Art und Weise, wie zahlreiche Thailänder ihre Glückszahlen ermitteln, dürfte hierzulande als kurios betrachtet werden.

Tarantel
Thailand: Tarantel hilft bei der Ermittlung der Lotto-Gewinnzahlen. (Bild: pixabay.com)

Um die Chance auf einen Gewinn zu erhöhen, müssen die Geister gnädig gestimmt werden. Das Anzünden von Räucherstäbchen und eine Erdbeer-Fanta als Opfergabe wird zu diesem Zweck als adäquate Lösung betrachtet.

Darüber hinaus bedienen sich die Thailänder eines kuriosen Orakels: Sie befragen die Tarantel. Im Mai wählten die Bewohner der Provinz Phetchabun ein Tarantel-Nest, weil es in Richtung Osten ausgerichtet war. Dies gilt in Thailand als positives Omen.

Ein Lotterielos in Thailand kostet 100 Baths, was etwa 2,75 Euro entspricht. Die Auszahlungen bewegen sich zwischen 2.000 Baht (55 Euro) bis sechs Millionen Baht (164.000 Euro). Ein durchschnittlicher Arbeiter verdient jährlich etwa 3.000 Euro.

Die Befragung des Tarantel-Orakels

Nachdem die Geister mit Erdbeer-Fanta bedacht worden sind, muss nun die Tarantel bei der Wahl der richtigen Lottozahlen helfen. Zuerst schreiben die SpielerInnen Zahlen auf kleine Papierschnipsel. Diese werden dann in das Nest des haarigen Achtfüßlers geworfen.

Da die Spinne ihre Behausung von den Fremdkörpern befreien will, befördert sie die Schnipsel wieder ins Freie. Die ersten sechs Zahlen, die auf diese Weise ans Tageslicht befördert werden, gelten als die Glücksnummern, denen bei der nächsten Ziehung die höchste Gewinnchance zugeschrieben wird.

Doch auch andere Dinge können der Vorhersage der Glückszahlen dienlich sein. So soll eine Frau bei der Ziehung am 1. August den Jackpot gewonnen haben, nachdem sie ein Los mit der Nummer des Krankenhausbettes ihres Mannes gekauft hatte.

Geschichten dieser Art könnten den Aberglauben noch mehr befeuern, so dass LottospielerInnen im ganzen Land nach Omen Ausschau halten. So gilt ein Termitenhügel, der um einen Wegweiser formiert war, als geeignetes Orakel.

Über 1.000 Menschen sollen bereits dorthin gepilgert sein, um die Zahlen der nächsten Ziehung zu ermitteln. Einige Male sollen auf diese Weise sogar Gewinne generiert worden sein.

Für die Losverkäufer, die ein gutes Geschäft witterten, war der Termitenhügel der ideale Ort, um ihren Stand aufzubauen und auf Kundschaft zu warten.

Dass die Befragung eines Orakels in Thailand ein durchaus ernstzunehmendes Thema sein könnte, beweist ein Artikel in der Tageszeitung Thai Rath [Seite auf Thailändisch]. In dem Artikel ging es um Traumdeutung und wie sie zu einem Lottogewinn verhelfen könne.