Schottland startet Langzeit­studie zu Corona-Auswirkungen auf Glücksspiel­verhalten

Veröffentlicht am: 4. Juni 2020, 02:18 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 4. Juni 2020, 04:04 Uhr.

Schottische Wissenschaftler wollen herausfinden, ob und wie sich das Glücksspielverhalten aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen verändert hat. Dies gaben die Forscher gestern bekannt. Die auf 18 Monate angelegte Studie untersuche zudem, wie die Industrie ihre Werbemaßnahmen während des Lockdowns gestaltet habe.

Universitaet von Glasgow
An der Studie beteiligen sich auch Forscher der Universität von Glasgow (Quelle:flickr.com/Alvin Leong, licensed under CC BY-SA 2.0)

Studie untersucht Glücksspielverhalten von Risikogruppen

In einer großangelegten Studie [Seite auf Englisch] will ein Team von Wissenschaftlern der Universitäten Stirling, Glasgow und Edinburgh untersuchen, wie sich die der COVID-19-Pandemie geschuldeten Veränderungen des Alltags auf den Umgang der Menschen mit dem Glücksspiel auswirken.

Federführend bei dem Projekt ist unter anderem Professor Kate Hunt von der Universität Stirling.

Sie zweifelt nicht daran, dass die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und sozialen Interaktion sowie die Absage von Sportveranstaltungen und anderen gesellschaftlichen Events ihr Echo auch in der Glücksspiellandschaft fänden. Dies gelte es nun zu untersuchen:

Unsere neue Studie versucht, drei Hauptfragen zu beantworten: Wie haben sich die Glücksspielpraktiken und die Risikofaktoren für Schäden durch das Glücksspiel aufgrund der Pandemie verändert? Welche Auswirkungen gab es auf das Glücksspielmarketing? Und wie haben sich die Erfahrungen und das Verhalten von Hochrisikogruppen verändert?

Im Fokus der Studie stünden junge Erwachsene und Nutzer von Sportwetten. Diese beiden Gruppen seien besonders gefährdet, riskantes Verhalten beim Online-Glücksspiel an den Tag zu legen.

WHO an Erkenntnissen interessiert

Untersucht werde insbesondere, inwieweit die Corona-Maßnahmen zu einer Verstärkung der ohnehin schon existierenden Risikofaktoren geführt hätten. Beispielhaft führen die Forscher hier Langeweile, Stress, Angstgefühle, finanzielle Probleme und Einsamkeit an.

Zudem solle geprüft werden, wie sich die Pandemie auf den Umgang mit von den Restriktionen unberührt gebliebenen Online-Glücksspielangeboten ausgewirkt habe. Auch mögliche Veränderungen im Werbeverhalten von Anbietern sollen Eingang in die Untersuchung finden.

Das aktuelle Forschungsprojekt wird vom Economic and Social Research Council, einem Teil des UK Research and Innovation (UKRI) finanziert. UKRI ist eine unabhängige Stelle, die den Wissenschaftsfonds des Ministeriums für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie verwaltet.

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler sollen unter anderem mit der britischen Glücksspielaufsicht und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geteilt werden. Laut Mitteilung sehen die Forscher in der aktuellen Situation eine einmalige Gelegenheit herauszufinden, was es für die Gesellschaft bedeutet, wenn bestimmte Formen des Glücksspiels, wie Spielbanken und konventionelle Automaten, fast komplett aus der Wahrnehmung verschwinden.

Die Studie könne Regulierungsbehörden, Gesetzgebern und Hilfsorganisationen einen wichtigen Einblick in die innere Logik des Glücksspielverhaltens geben. Dies versetze sie in die Lage, effektive Präventionsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen, so die Hoffnung der Wissenschaftler.