Forscher der York St. John Universität im nordenglischen York haben den Zusammenhang zwischen Lootboxen und problematischem Spielverhalten untersucht. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Käufer der virtuellen Beutetruhen, die in Videospielen und Spiele-Apps angeboten werden, dazu neigten, ihr eigenes Glücksspielverhalten nicht gut kontrollieren zu können.

Beutetruhe mit Geld

Lootboxen versprechen Gamern tolle Preise. (Quelle: Pixabay)

Damit wurde eine Studie der Universität aus dem Vorjahr bestätigt, in der der Zusammenhang schon einmal untersucht wurde.

Die Wissenschaftler unter Leitung des britischen Forschers David Zendle führten eine Umfrage unter 1.172 Gamern durch, in der sie sowohl zu ihren Ausgaben für Lootboxen als auch zu ihrem Glücksspielverhalten befragt wurden.

Alle Studienteilnehmer gaben an, mindestens ein Spiel zu spielen, welches Lootboxen enthält. Dies bezieht sich auf Games wie Hearthstone, Overwatch, Rocket League, Counter-Strike: GO und League of Legends.

Im Durschnitt gaben die Probanden im Monat vor der Befragung 19.58 US-Dollar (ca. 17 Euro) für Lootboxen aus. Einige der Spieler zahlten aber auch bis 2.300 US-Dollar (ca. 2.000 Euro).

Zendle, der bereits 2018 eine Studie zur Verbindung von Lootboxen und Glücksspiel verfasste, sieht in diesen Zahlen zwei schlummernde Gefahren. Menschen mit einem problematischen Spielverhalten gäben mehr Geld für Lootboxen aus. Spieler, die noch kein Spielproblem hätten, könnten durch die Einführung der Beutekisten womöglich ein problematisches Spielverhalten entwickeln.

Besonders die Verbreitung und der größer werdende Spielemarkt sei dabei eine Gefahr meint der Computerforscher:

„Lootboxen sind weit verbreitet. Eine kürzlich durchgeführte Analyse hat gezeigt, dass sie bei 63 % aller Handyspiele vorkommen. Sie sind auch profitabel: Sie haben 2018 schätzungsweise einen Umsatz von bis zu 30 Milliarden Dollar erzielt. Außerdem sind sie äußerst besorgniserregend, denn es gibt klare Parallelen zwischen Lootboxen und potenziell schädlichen Aktivitäten wie Glücksspiel. Angesichts ihrer Verbreitung, Wichtigkeit und des Mangels an Literatur über sie stellt sich die Frage, warum nicht mehr Leute diese Studien durchführen.“

Weitere Untersuchungen beleuchten Gefahren von Lootboxen

David Zendle und sein Kollege Paul Cairns publizierten bereits im November 2018 die Ergebnisse einer großangelegten Studie zu Lootboxen (Link auf Englisch) und problematischem Glücksspielverhalten.

David Zendle Portrait

Wissenschaftler David Zendle führte die Studie durch. (Quelle: https://twitter.com/davidzendle)

An der Untersuchung nahmen 7.422 Gamer teil, die mehrheitlich aus den USA, Kanada und dem Vereinigten Königreich stammten und im Durchschnitt zwischen 10.000 US-Dollar (ca. 8900 Euro) und 100.000 US-Dollar (ca. 89.000 Euro) verdienten.

Bei der Umfrage untersuchte Zendle, der früher selbst passionierter Gamer war, ob Lootboxen das Potential hätten, als „Einstiegsdroge“ in das problematische Spielen zu dienen.

Ausgangspunkt für die Studie war die Annahme, dass problematisches Spielen aus einer Konditionierung des Verhaltens herrührt. Die stimulierenden Eigenschaften des Spielens führten auf Dauer zu einem Bedürfnis nach der beim Glücksspiel produzierten Euphorie, die trotz gesellschaftlicher und sozialer Konflikte vom Problemspieler gesucht werde.

Das Potential einer solchen Stimulierung fanden die Studienautoren auch bei Lootboxen. Durch die Funktionen des Spiels, die stark an die Eigenschaften anderer Glücksspielformen erinnerten, liefen Gamer eventuell Gefahr, ein problematisches Spielverhalten zu entwickeln.

Gleichzeitig könnten sie bei Menschen, die schon unter einem Suchtproblem litten, zu weiteren hohen Ausgaben führen.

Die rechtliche Dimension der Untersuchungen

Die Akademiker der York St. John Universität geben in ihrem wissenschaftlichen Bericht nicht nur darüber Auskunft, ob Lootboxen als Glücksspiel klassifiziert werden könnten und wie viel Geld Gamer dafür ausgeben.

Auch die Diskussion um eine internationale Regulierung von Lootboxen wird aufgegriffen. Nachdem die belgische Glücksspielkommission im letzten Jahr feststellte, dass einige Formen der digitalen Beutetruhen gegen nationales Recht verstießen und auch die Regulatoren in den Niederlanden zu einem ähnlichen Ergebnis kamen, raten die Studienautoren zu einem regulatorischen Durchgreifen gegen Unternehmen, die Lootboxen in ihren Spielen zur Verfügung stellen.

Der rechtliche Status von Lootboxen in einigen Ländern Europas

In Deutschland ist der rechtliche Status von Lootboxen trotz öffentlicher Diskussionen weiterhin ungeklärt. Die französischen Behörden bewerteten die Beutetruhen unterdessen nicht als Glücksspielform, da die Preise keinen Gegenwert in der realen Welt besitzen. Auch die UK Gambling Commission bewertet Lootboxen noch nicht als regulierbare Form des Glücksspiels, da die Preise nur in den Spielen verwendet werden können, in denen sie erstanden wurden.

Gesetzliche Rahmenbedingungen würden aufgrund des rasch wachsenden eGaming-Marktes immer dringlicher. Die Forscher rechnen damit, dass die Gaming-Wirtschaft schon im Jahre 2022 bis zu 230 Milliarden US-Dollar (ca. 202 Milliarden Euro) weltweit umsetzen wird, einen gewichtigen Teil davon vermutlich durch den Verkauf von Lootboxen.

Bislang wird angenommen, dass sich der Umsatz aus ihrem Verkauf über die nächsten vier Jahre auf bis zu 50 Milliarden US-Dollar (ca. 44 Milliarden Euro) erhöhen könnte.

Die Stärkung des Spielerschutzes

Eine Regulierung helfe deshalb auch der Stärkung des Spielerschutzes. Gerade Kinder und Jugendliche nutzten Videospiele in ihrer Freizeit und würden durch die Verbreitung der Lootboxen als erste ein problematisches Spielverhaltens entwickeln können.

Diese Auffassung teilen auch die Daniel L. King und Paul H. Delfabbro. Die Wissenschaftler aus Adelaide bewerten Lootboxen als „räuberische Monetarisierung“ und warnen vor den finanziellen Risiken, die von Echtgeld-Features in Videospielen ausgehen.

Junge Spieler seien meist gar nicht in der Lage, den Wert eines Angebots kritisch einzuschätzen und stünden deshalb besonders in Gefahr, verantwortungslos damit umzugehen.

Gerade an diesem Punkt könnte allerdings effektive Aufklärung beginnen: mit einem Appell an die Verantwortung. Werden Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene früher über die möglichen negativen Folgen von Glücksspielen aufgeklärt, können sie zukünftig verantwortungsvollere Entscheidungen treffen.