Spielsucht: 940.000 AUD gestohlen für Glücksspiel-App ohne Echtgeld-Gewinne

Veröffentlicht am: 24. November 2021, 11:47 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 24. November 2021, 11:47 Uhr.

Eine 49-jährige Frau aus dem australischen Tasmanien soll ihrem Arbeitgeber 940.000 AUD (603.398 Euro) gestohlen haben, um damit ihre Spielsucht zu finanzieren. Dabei soll es sich um eine Glücksspiel-App gehandelt haben, bei der es keine Echtgeld-Auszahlungen gibt. Dies berichtete das australische Nachrichtenportal ABC Net [Seite auf Englisch] am Montag.

Frau mit Handy
Spielsüchtige bestiehlt ihren Arbeitgeber, um mit Glücksspiel-App zu zocken. (Symbolbild: pixabay.com)

Rachel Naomi Perri habe als Account-Managerin im Tasmanian Veterinary Hospital gearbeitet. Zwischen 2016 und 2019 soll sie 475 betrügerische Transaktionen getätigt und insgesamt 940.221 AUD gestohlen haben. Erst nach ihrer Entlassung im Jahre 2019 seien Unregelmäßigkeiten bei den Transaktionen aufgedeckt worden.

Dem „Heart of Vegas“ verfallen

Das Spiel, dem Perri verfallen war, heißt Heart of Vegas und wird als „das beste Casinospiel im Vegas-Stil“ des Jahres 2021 beworben. Das Spiel bietet „soziale Casinospiele“ und sogar einen Jackpot.

Heart of Vegas, Spielautomaten
Bei Heart of Vegas gibt es keine Echtgeldgewinne. (Bild: Google Play Store)

Um zu spielen, müssen die Nutzer Token mit echtem Geld erwerben. Aber es werden keine Echtgeld-Beträge, sondern nur Token ausgezahlt, die erneut zum Spielen verwendet werden können.

Die Spielsucht der Tasmanierin soll so ausgeprägt gewesen sein, dass sie das Spiel nachts auf Auto-Play gestellt habe, um morgens nach dem Aufstehen gleich weiterspielen zu können.

Nachdem Perri mehrere Kredite aufgenommen und den Rahmen mehrerer Kreditkarten ausgeschöpft habe, habe sie begonnen, Geld von den Firmenkonten ihres Arbeitgebers abzuheben.

Extremer Fall von Spielsucht

Perri erschien am Montag vor dem Obersten Gerichtshof in Hobart und muss sich nun wegen Computerbetrugs in 25 Fällen verantworten. Staatsanwältin Wilson teilte dem Gericht mit, dass Perri als einzige Person für die Verwaltung der Geschäftskonten verantwortlich gewesen sei.

Sie habe das Geld in ihrem Namen vom Bankkonto des Krankenhauses auf eine Vielzahl von Bankkonten und Kreditkarten überwiesen. Die Ermittlungen der Polizei hätten zudem ergeben, dass Perri im Jahre 2015 die Kreditkarte ihres Mannes ohne dessen Wissen mit rund 30.000 AUD (19.257 Euro) belastet habe.

Laut ihren Aussagen bei der Polizei habe sich Perri beim Spielen in ihrer eigenen „kleinen Welt“ befunden. Sie habe sich in große Schwierigkeiten gebracht, so Perri. Dennoch habe sie beschlossen weiterzumachen, bis sie erwischt werde. Im November 2019 sei sie verhaftet worden und habe die Diebstähle sofort gestanden.

Lange Spielsucht-Geschichte

Perris Anwalt Greg Barns sagte dem Gericht, sie habe eine „lange Geschichte des Glücksspiels“ hinter sich. Bereits in den 1990er Jahren sei sie wegen Diebstahls zur Finanzierung der Spielsucht zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Sie sei dann in eine andere Stadt gezogen, um neu anzufangen. Doch 2008 habe die Spielsucht erneut Besitz von ihr ergriffen. Sie habe Stunden vor den Spielautomaten verbracht. Ihre längste Sitzung habe 16 Stunden gedauert.

Spielsüchtige erwartet langjährige Haftstrafe

Heart of Vegas habe sie im Jahre 2014 entdeckt, das sie schließlich vor Gericht gebracht habe. Bei Perri sei vom forensischen Psychiater Dr. Michael Jordan eine schwere Spielsucht diagnostiziert worden. Barns erklärte, Perri habe sich nun in Therapie begeben.

Wilson sagte dem Gericht, dass Perri nur aufgehört habe, weil sie entlassen worden sei, nicht jedoch freiwillig.

Es war ein geplantes, kalkuliertes systematisches Verhalten, bei dem die Angeklagte mehrere Buchführungen [Techniken und Bücher] konsequent anwandte. Aufgrund der Methodik und Komplexität [der Betrugstransaktionen] gab es keine Verdächtigungen von Partnern oder externen Buchhaltern. Die Aussichten auf ihre Genesung sind gering bis nicht existent.

Das Urteil soll nächsten Monat gefällt werden. Perri, die sich bereits in Untersuchungshaft befinde, müsse mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen. Ihr ehemaliger Arbeitgeber soll indes ein Zivilverfahren eingeleitet haben, um das Geld zurückzufordern. Doch Perris Anwalt erklärte, es sei unwahrscheinlich, dass seine Mandantin das Geld jemals zurückzahlen könne.