US-Pferderennsport: Weitere Anklagepunkte gegen „Doping-König“ Baffert

Veröffentlicht am: 6. January 2022, 02:10 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 6. January 2022, 02:10 Uhr.

Die New York Racing Association (NYRA, Seite auf Englisch) hat die Liste der mutmaßlichen Doping-Verstöße des bekannten US-Rennpferd-Trainers Bob Baffert um zwei Punkte erweitert. Das Disziplinarverfahren gegen den 68-Jährigen soll am 24. Januar beginnen. Wie die NYRA am Mittwoch bekanntgab, würden Baffert nun insgesamt sieben Doping-Vergehen vorgeworfen.

Doping Test Positiv Negativ Blut in Blutentnahmeröhrchen
Zwischen 2019 und 2021 wurden von Bob Baffert trainierte Rennpferde in sieben Fällen positiv auf verbotene Substanzen getestet (Bild: Shutterstock)

Die neuesten Vorwürfe entstammten einem Bericht der Pferderennsport-Aufsicht von Kalifornien (CHRB). Bei einem Rennevent auf der berühmten kalifornischen Rennstrecke Del Mar im Sommer 2019 seien zwei von Bafferts Pferden an unterschiedlichen Tagen positiv auf eine positive Substanz getestet worden.

So seien bei den Pferden Cruel Intention und Eclair jeweils unzulässige Mengen an Phenylbutazone (auch „Bute“ genannt) im Blut gefunden worden. Dabei handelt es sich um ein nichtsteroidales Rheumamedikament, welches eine schmerzlindernde, entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung hat.

In einer ersten Reaktion auf die Vorwürfe habe Baffert gekontert, dass „jemand seinen Pferden mit Absicht Bute zuführen muss“. Er sei bereit, „eine Belohnung auf die Ergreifung des Schuldigen auszusetzen“. Wie die CHRB in ihrem Bericht jedoch weiter schreibt, seien in Bafferts Spint an der Rennbahn zudem 25 nicht korrekt etikettierte und abgelaufene Medikamente gefunden worden.

Mit den beiden neuen Vorwürfen aus dem Jahr 2019 ist die Liste der Anklagepunkte auf insgesamt sieben mutmaßliche Vorfälle gewachsen. Die anderen fünf Punkte beziehen sich auf Doping-Verstöße zwischen Mai 2020 und Mai 2021.

  • Am 2. Mai 2020 wurden die Pferde Charlatan und Gamine bei einem Rennen in Oaklawn, Arkansas, positiv auf das Schmerzmittel Lidocain getestet. Die Pferde wurden zunächst disqualifiziert, ihre Siege später jedoch trotzdem anerkannt. Baffert kam mit einer geringen Strafe davon.
  • Am 25. Juli 2021 wurde das Rennpferd Nerneith auf der Rennstrecke Del Mar positiv auf das zu den Morphinen gehörige Psychopharmakon Dextomethorphan getestet. Baffert erhielt eine Strafe von 2.500 USD.
  • Am 4. September 2020 wurde Gamine beim Kentucky Oaks erneut positiv auf eine verbotene Substanz getestet und disqualifiziert. Es handelte sich um das Kortikosteroid Betamethason. Baffert erhielt eine Strafe von 1.500 USD.
  • Am 1. Mai 2021 wurde das Rennpferd Medina Spirit nach ihrem Kentucky-Derby-Sieg ebenfalls positiv auf Betamethason getestet. Über eine Strafe gegen Baffert wird aktuell noch entschieden. Medina Spirit ist indes am 6. Dezember 2021 an Herzversagen gestorben.

Kann Baffert weiterhin Sperren entgehen?

Dass Baffert trotz der bereits 2020 aufgedeckten Doping-Verstöße auch 2021 an diversen großen Rennen teilnehmen durfte, hat in der Branche für viel Kritik gesorgt. Bislang jedoch ist es Baffert fast immer gelungen, Sperren zu entgehen. Wie die Branchenzeitung Racing Post berichtet, habe auch die NYRA bereits versucht, Baffert mit einer Sperre abzustrafen.

Dieser sei jedoch vor ein Bundesgericht gezogen und habe argumentiert, keine faire Anhörung erhalten zu haben. Der Richter habe ihm Recht gegeben. Die nun folgende Anhörung der NYRA solle daher „umfangreich und fair“ durchgeführt werden. In ihrem jüngsten Statement schreibt die Aufsicht:

Die Regelungen der NYRA bezüglich Anhörungen und Verfahren bieten Beschuldigten einen formalisierten Mechanismus, um auf die Anklagepunkte zu reagieren und gemäß den geltenden Prozessrechten an der Anhörung teilzunehmen. Der Beginn der Anhörungen für Herrn Baffert ist auf den 24. Januar 2022 festgesetzt. Ein zuständiger Anhörungsbeauftragter wird dafür Sorge tragen, dass das Verfahren fair und unparteiisch durchgeführt wird.

Der Anhörungsbeauftrage werde anschließend einen umfangreichen Bericht verfassen. Neben einer Zusammenfassung der erzielten Erkenntnisse und Schlussfolgerungen werde dieser auch Empfehlungen für ein Strafmaß beinhalten.