Tokio 2021: Sexismus wird Kreativ-Direktor zum Verhängnis

Veröffentlicht am: 18. März 2021, 01:46 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 18. März 2021, 01:46 Uhr.

Hiroshi Sasaki, Kreativ-Direktor der Eröffnungs- und Abschlussfeiern der Olympiade und der Paralympics in Tokio 2021, hat heute seinen Rücktritt bekanntgegeben. Wie die Japan Times berichtet [Link auf Englisch], habe Sasaki für die Eröffnungsfeier der Olympiade vorgeschlagen, das japanische Plus-Size-Model Naomi Watanabe als Schwein verkleidet vom Himmel schweben zu lassen.

New National Stadium Tokyo
Die Olympiade in Tokio wird von einem Sexismus-Skandal überschattet. (New National Stadium Tokyo by Arne Müseler/arne-mueseler.com, licensed under CC-BY-SA-3.0)

Enthüllt habe den Skandal am Mittwoch das japanische Magazin Shukan Bunshun. In einem Statement habe sich Sasaki bereits bei Watanabe entschuldigt und eingeräumt, die Idee gegenüber Mitarbeitern als „Olympig“ vorgeschlagen zu haben. Dem Bericht zufolge habe der 66-Jährige mit der englischen Wortendung „-pic“ des Wortes „Olympic“ (dt. „olympisch“) und dem englische Wort „pig“ (dt. „Schwein”) spielen wollen.

Naomi Watanabe ist eine japanische Sängerin, Komikerin und Schauspielerin. International bekannt wurde die 33-Jährige durch ihre humorvollen Beyoncé-Imitationen. In Deutschland hatte die Frauenzeitschrift Brigitte über Watanabes Kampf gegen den Schlankheitswahn und für mehr Body-Positivity in Japan berichtet.

Für Sasaki nur ein Witz?

In einem Statement, dass der Shukan Bunshun vorliege, habe Sasaki um Verzeihung gebeten. Die verletzenden Worte seien dem Werbefachmann nur zufällig über die Lippen gegangen:

Meine Ideen und Bemerkungen enthielten einen sehr unangemessenen Ausdruck (…). Ich entschuldige mich aufrichtig bei ihr und den Menschen, die sich mit solchen Inhalten unwohl gefühlt haben (…). Ich neige dazu, oft zu scherzen, also ist es mir einfach aus dem Mund gerutscht (…).

Durch die Idee, Watanabe in einem „süßen rosa Kostüm“ und herausgestreckter Zunge als „Olympig“ zu zeigen, habe die Entertainerin „charmant erscheinen“ sollen. Von seinen männlichen Mitarbeitern sei er allerdings umgehend für den Vorschlag gerügt worden.

Für das Vorbereitungskomitee der Olympiade 2021 ist es nicht der erste Sexismus-Skandal innerhalb weniger Wochen. Mitte Februar hatte der Präsident des japanischen Organisationskomitees Yoshiro Mori seinen Posten räumen müssen, nachdem er sich abfällig über Frauen in Sitzungen geäußert hatte. Die Rolle übernahm Seiko Hashimoto. Die 56-Jährige nahm laut Deutsche Welle selbst an sieben Olympischen Spielen teil.