Match-Fixing in der Ukraine? Australische Polizei nimmt Ex-Tischtennis-Profi fest

Veröffentlicht am: 16. Dezember 2020, 03:10 Uhr. 

Letzte Aktualisierung am: 16. Dezember 2020, 03:10 Uhr.

Ein ehemaliger australischer Tischtennis-Profi steht unter Verdacht, Kopf eines internationalen Wettbetrugsrings zu sein. Insgesamt soll Adam Green (40) binnen weniger Monate rund eine Viertelmillion Australischer Dollar ergaunert haben. Der Sportler wurde gestern festgenommen, während Ermittler mehrere Gebäude durchsuchten, die mit den illegalen Aktivitäten in Zusammenhang stehen sollen.

Tischtennisschlaeger auf Platte
Der ehemalige Tischtennis-Profi soll mit Wetten auf manipulierte Spiele viel Geld verdient haben. (Quelle:unsplash.com/Conor Samuel)

Betrugskatalysator Corona?

Dem ehemaligen Tischtennis-Profi Adam Green wird vorgeworfen, im heimischen Australien im großen Stil auf Begegnungen in der Ukraine gewettet zu haben, deren Ausgang er zuvor durch Geldzahlungen selbst vorherbestimmt hatte.

Dabei soll er sowohl unter seinem eigenen Namen als auch über Konten Dritter aktiv geworden sein. Insgesamt habe der Betrug rund 500.000 AUD (rund 310.000 Euro) erbracht, von denen die Hälfte direkt an den Sportler geflossen sei. Neben dem Haus von Adam Green waren gestern neun weitere Objekte durchsucht worden, deren Bewohner in den Betrug verwickelt sein sollen.

Mit dem Aussetzen von Sport-Ereignissen und den damit verbunden Wettmöglichkeiten im Rahmen der Corona-Pandemie registrierten Buchmacher und Glücksspielaufsichten einen Anstieg von Wetten auf Tischtennis-Turniere in Osteuropa.

Auffällig war unter anderem, dass den ganzen Tag über eng getaktet Partien in einer einzigen Halle ausgetragen wurden, die offenbar auf das Zielpublikum ausgerichtete Namen wie „2020-03-04 Men Evening Africa“ oder „2020-03-13 Men Evening Europe“ trugen.

Zugleich bestachen die oft nur über eine Seite im Livestream zu verfolgenden Begegnungen durch ihre Schlichtheit: So wurden viele von ihnen in einer einzigen kargen Halle ausgetragen und kamen ohne Publikum, Siegerehrungen oder Spieler-Interviews aus.

„Sehr, sehr enge Verbindung“

Nach der Aktion erklärte die Polizei bei einer Pressekonferenz:

Er [Herr Green] ist wegen einer Reihe von Straftaten angeklagt, einschließlich der Nutzung seines Einflusses, um manipulierte Wetten auf Sportveranstaltungen durchzuführen. Wir können anhand der während des Einsatzes gewonnenen Erkenntnisse nachweisen, dass direkte Geldtransfers vom Chef des Netzwerks an Personen gesendet wurden, die in sehr, sehr enger Verbindung mit diesen Tischtennisspielen in der Ukraine stehen.

Hinweise auf das Match-Fixing-Netzwerk habe es bereits seit dem Sommer gegeben, so die Behörden. Unter anderem hätten Buchmacher und Datenanalysten unübliche Wettmuster in Bezug auf ukrainische Tischtennis-Events festgestellt.

Daraufhin habe die auf organisierte Kriminalität spezialisierte Einheit der Polizei des Bundesstaates New South Wales gemeinsam mit der staatlichen Sport Integrity Australia die Ermittlungen aufgenommen, die nun in den gestrigen Razzien und der Festnahme Greens gemündet seien.

Die Sports Integrity Australia kündigte an, die Ermittlungen fortzuführen und europäische Behörden weiterhin miteinzubeziehen. Adam Green kam nach seiner Festnahme auf Kaution und unter strengen Auflagen vorerst frei. Eine erste gerichtliche Anhörung soll Medienangaben zufolge im Januar stattfinden.